Sozialverbände haben die Vorschläge der Rentenkommission begrüßt – zugleich aber auch Kritik geübt. Die Empfehlungen der Kommission „enthalten in einzelnen Punkten durchaus positive Ansätze“, erklärte am Dienstag der Präsident der Arbeiterwohlfahrt, Michael Groß. Notwendig sei jedoch unter anderem „die konsequente Einbeziehung aller Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung“ und die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze.„Völlig inakzeptabel“ nannte Groß geplante Einschnitte beim Renteneintrittsalter. „Sie verkennen die Lebensrealität vieler Menschen und verschärfen soziale Ungleichheit“, auch weil die Lebenserwartung maßgeblich von Faktoren wie der Einkommenshöhe abhänge.Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Joachim Roick, bezeichnete die Vorschläge der Kommission als „weiterführend, aber auch unzureichend und sozial unausgewogen“. Der Verband begrüße „ausdrücklich, dass die Kommission Selbstständige und Abgeordnete in die Rentenversicherung einbeziehen und die Minijobs weitgehend abschaffen will“. Dies seien „überfällige und wirksame Maßnahmen“.Kritik übte Roick aber daran, dass die Rentenkommission „fast vollständig auf konkrete Vorschläge, Altersarmut endlich entschieden zu bekämpfen“, verzichte. Zudem drohten vielen Rentnerinnen und Rentnern zusätzliche Belastungen, unter anderem durch eingeschränkte Möglichkeiten zum abschlagsfreien Renteneintritt.„Für eine nachhaltige und soziale Neuaufstellung der Alterssicherung genügen die 33 Vorschläge nicht“, erklärte der Verbandschef. „Eine sozial gerechte Rentenreform muss unterschiedliche Leistungsfähigkeiten der Versicherten berücksichtigen und leichtere Übergänge zwischen Arbeit und Rente ermöglichen.“Der Deutsche Caritasverband begrüßte die Einigung der Kommission auf die 33 Empfehlungen. Der Verband erwarte, „dass die Politik auf der Grundlage der Kommission-Vorschläge die notwendigen gesetzgeberischen Schritte so umsetzt, dass das Vertrauen in die Rente für alle gestärkt wird“. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa betonte: „Nur mit einer breiten Reformagenda aus einem Guss kann unsere Rentenversicherung ihr Leistungsversprechen morgen und übermorgen einlösen.“ Bischofskonferenz lobt Vorschläge der Rentenkommission Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, bewertet die Reformvorschläge der Rentenkommission grundsätzlich positiv. Zugleich erinnerte er daran, dass ein weiteres Kriterium jeder Reform des Sozialstaats die Belange armer Menschen sein müssten. „Wir begrüßen es, dass die Kommission ihr Augenmerk auch auf die Altersarmut und die verdeckte Armut richtet. Es ist eine Frage gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, diese besonders vulnerablen Gruppen gezielt und passgenau zu unterstützen.“Das betreffe nicht zuletzt die Sorgen jener, die trotz langer Beschäftigungsdauer nur geringe Ansprüche fürs Alter erworben hätten. „In diesem Kontext ist die verpflichtende Einbeziehung der Minijobs in die gesetzliche Rentenversicherung und eine Freibetragsregelung für Grundsicherungsempfänger im Alter ein wichtiger Schritt“, so Wilmer.Die Kommission stellte am Dienstagmorgen ihre Vorschläge für eine Rentenreform vor. Sie sehen unter anderem vor, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter analog zur Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich um etwa ein halbes Jahr pro Jahrzehnt ansteigt. Auch soll die Möglichkeit der abschlagsfreien Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren entfallen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte bereits an, „alle Elemente dieses Reformpakets“ jetzt zügig umsetzen zu wollen. Dazu gehört auch eine zusätzliche Kapitalrente. (AFP/KNA)
Kommissionsempfehlungen auf dem Prüfstand: Sozialverbände begrüßen Rentenreformpläne – und üben scharfe Kritik
Drei große Sozialverbände haben die Vorschläge der Rentenkommission gemischt aufgenommen. Während sie einzelne Punkte loben, halten sie andere Empfehlungen für nicht ausreichend.










