Das Café Raimund in Wien ist angenehm unprätentiös, wenn man das von einem Raum mit Kristallleuchtern so sagen kann. Seit den Achzigerjahren scheint hier nicht mehr viel verändert worden zu sein. Es war Ingeborg Bachmanns Lieblingscafé, sie kam in den späten Vierziger-, frühen Fünfzigerjahren oft her, es war ein Literatentreff. Jetzt sitzt hier die Dokumentarfilmregisseurin Regina Schilling an einem Marmortisch am Fenster, hinter einem großen Glas Soda Zitron. Sie ist bekannt für kluge, berührende Dokus, für die sie viele Stunden Archivmaterial sichtet, auf der Suche nach kleinen, erschütternden Momenten wie in „Kulenkampffs Schuhe“ über die Traumata der Kriegsgeneration. Zu Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag hat sie sich der Dichterin gewidmet. „Jemand, der einmal ich war“ mit Sandra Hüller kommt in dieser Woche in die deutschen Kinos.