Deutsch-französische Rüstungsprojekte sind alles andere als einfach. Das hat zuletzt das Scheitern von FCAS gezeigt, da wollten Deutschland und Frankreich eigentlich gemeinsam ein neues Kampfflugzeug entwickeln und produzieren. Daraus wird nun nichts. Dafür einigten sich die beiden Länder aber jetzt in einem anderen Streit, in dem um den Kamfpanzerhersteller KNDS. Wie am Montag mitgeteilt wurde, fanden die deutsche Bundesregierung, der französische Staat und die deutschen Familieneigentümer eine Lösung, und zwar nach intensiven Verhandlungen, erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.Deutschland und Frankreich sollen danach jeweils 40 Prozent an dem Hersteller von „Leopard 2“- und „Leclerc“-Panzern halten. Frankreich und die Eigentümerfamilien der ehemaligen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Deutschland, die 2015 zusammen mit der französischen Nexter Systems in KNDS aufgegangen war, wollen jeweils zehn Prozent an die Börse bringen.In einer gemeinsamen Erklärung der Regierungen ist von einem „neuem Kapitel für KNDS“ die Rede. Die Vereinbarung gebe einen soliden Rahmen für die künftige Entwicklung und sei ein entscheidender Schritt für mehr europäische Souveränität in der Rüstungsindustrie. „Eine Beteiligung Deutschlands an KNDS wird den langfristigen Einfluss auf ein für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit strategisch bedeutendes Unternehmen sichern“, sagte ein Regierungssprecher. Es gehe darum, auf Augenhöhe mit Frankreich zu sein. KNDS-Chef Jean-Paul Alary erklärte, die Vereinbarung berücksichtige strategische und Sicherheitsinteressen der beiden Aktionäre, lasse dem Vorstand aber genügend Autonomie, um das Unternehmen erfolgreich zu führen.„Mit der 40-prozentigen Beteiligung des Bundes an KNDS sichern wir Schlüsseltechnologien, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland“, sagte Reiche. Dem milliardenschweren Einstieg muss noch der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmen, der am Mittwoch tagt. Danach kann KNDS den offiziellen Startschuss für den Börsengang geben, der nun für Juli geplant ist.Deutschland und Frankreich seien damit „auf Augenhöhe“, heißt esAuch die Machtverhältnisse im Verwaltungsrat seien vor dem Börsengang geklärt worden, erklärte die Wirtschaftsministerin: „Künftig entscheiden Deutschland und Frankreich auf Augenhöhe über die Entwicklung eines Unternehmens, das für die europäische Verteidigungsfähigkeit von zentraler Bedeutung ist.“ Deutschland und Frankreich besetzen je drei Mandate selbst und bekommen ein Vetorecht für die übrigen sechs Posten, darunter den von Alary. Das geht aus einem Sachstandsbericht des Bundesverteidigungsministeriums hervor. Die Sonderrechte sollen auch erhalten bleiben, wenn Deutschland später wie geplant seine Beteiligung wieder verringert, solange sie über der 30-Prozent-Marke bleibt. Frankreich will bis auf Weiteres an 40 Prozent festhalten. Zudem bekommt der Bund als größter Auftraggeber von KNDS Vetorechte für das Deutschland-Geschäft, so wie sie Frankreich für die dortige Tochter bereits hat.Die ehemaligen KMW-Eigentümer hatten signalisiert, sie wollten im Zuge des Börsengangs aussteigen und an den Bund verkaufen. Die Verhandlungen konnten aber erst im Mai beginnen, weil sich die Regierung lange uneins war, ob sie sich nicht mit 25 oder 30 Prozent begnügen solle. Ein Streitpunkt im Tauziehen mit den Familien war zuletzt noch der Preis, den diese für das 40-Prozent-Paket bekommen.Wie ein Insider sagte, wird KNDS der Vereinbarung zufolge mit rund 15 bis 18 Milliarden Euro bewertet. Der genaue Preis - rechnerisch sechs bis sieben Milliarden Euro - werde sich danach bemessen, wie sich die KNDS-Aktie nach dem Börsengang in Frankfurt und Paris entwickele. Die Regierung hatte eigentlich darauf gepocht, keinen Aufschlag auf den Emissionspreis zahlen zu wollen. Der Einstieg muss noch vor der Erstnotiz vollzogen werden, damit Deutschland nicht nachher ein Übernahmeangebot für KNDS vorlegen muss. Die wäre nach Kapitalmarktregeln vorgeschrieben.Die Bewertung ist ein Fingerzeig auch für den Börsenwert, der sich bei der Emission ergibt. Dabei dürften Aktien im Wert von drei bis vier Milliarden Euro bei neuen Investoren platziert werden. Die offizielle Ankündigung wird noch in dieser Woche erwartet. KNDS hatte sich offiziell nur auf einen Börsengang in diesem Jahr festgelegt. Alary hatte aber klargemacht, dass er die erste Gelegenheit nutzen wolle. Als letzter Termin für das Börsendebüt gilt der 13. Juli, der Tag vor dem französischen Nationalfeiertag, der dort die Sommerpause an den Kapitalmärkten einläutet.
Deutschland und Frankreich übernehmen 40 Prozent von Panzerhersteller KNDS
Deutschland und Frankreich einigen sich auf je 40 Prozent Beteiligung am Panzerhersteller KNDS. Der Börsengang ist für Juli geplant, um Schlüsseltechnologien und Arbeitsplätze zu sichern.













