Sitzen drei Japaner in Mexiko beim Frühstück. Sagt der erste: „Ich war mal in Kelsterbach.“ Sagt der zweite: „Düsseldorf ist aber schöner.“ Sagt der dritte: „I’m sorry, I don’t speak German.“Das macht natürlich gar nichts, es findet sich auch so die eine oder andere gemeinsame Gesprächsebene am Frühstücks-Plastiktisch von „Comidas Doña Cuca“ in Monterrey. Es geht etwa darum, wie schön die Zeiten waren, als Makoto Hasebe noch in Wolfsburg spielte. Und es geht um das deutsche Reinlichkeitsgebot, das japanische Fußballfans, die schon einmal in Kelsterbach waren, offenbar am ehesten mit dem Schild verbinden: „Bitte verlassen Sie diesen Raum so, wie Sie ihn vorzufinden wünschen.“Die drei frühstückenden Japaner im Japan-Trikot, die sich als Shun, Tatsu und Morita vorstellen, haben in Sachen Sauberkeit noch höhere Ansprüche. Wenn sie zum Fußball gehen, so wie an diesem Tag zu Japans Vorrundenspiel gegen Tunesien, dann wollen sie ihren Fanblock nicht nur so verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben, sondern nach Möglichkeit noch einen Tick sauberer. Shun, Tatsu und Morita gehörten zu jenem Putztrupp, der nach dem ersten japanischen Vorrundenspiel in Dallas mit blauen Säcken durchs leere Stadion zog und alles aufsammelte, was da noch so herumlag: Plastikbecher, Altpapier, leere Pommes-Schalen. Man kann wohl sagen, dass diese Aufräumaktion weltweite Schlagzeilen machte. Shun, Rückennummer 5, findet das ziemlich erstaunlich, denn, sagt er: „Wir machen das doch immer so.“Die Recycling-Säcke sind recycelte Fan-Utensilien, was den Kreislauf des japanischen Fußballlebens erst richtig rund machtTatsächlich sind die japanischen Fans schon bei vorangegangenen Weltmeisterschaften durch ihre vorbildliche Sauberkeit aufgefallen. Bei der WM 2014 in Brasilien etwa jubelte das Nachrichtenportal G1, die Japaner hätten ein „Beispiel an Zivilisiertheit“ abgegeben – und meinte damit jene japanischen Fans, die in den WM-Stadien von Natal und Recife nach 90 Minuten den Müll aufgesammelt hatten. „Für die Brasilianer ist das eine Überraschung, für die Japaner Routine“, war damals zu lesen. Diesmal sind die Wegwerfnationen USA und Mexiko aufs Neue davon überrascht worden – aus Kanada liegen noch keine belastbaren Daten vor.Ihre blauen Mülltüten bringen die Anhänger der sogenannten Blauen Samurai in der Regel selbst mit. Das sei ganz praktisch, sagt Shun, die könne man nämlich vor und während des Spiels als Fahne benutzen. Die Recycling-Säcke sind also recycelte Fan-Utensilien, was den Kreislauf des japanischen Fußballlebens erst so richtig rund macht.Wer sich in die theoretischen Hintergründe dieser ganz besonderen Fankulturtechnik einarbeitet, der stößt eher früher als später auf Spogomi, genannt: der sauberste Sport der Welt. Dabei müllsammeln verschiedene Teams auf Zeit gegeneinander. Die nächste WM findet natürlich in Japan statt, dem Mutterland des Spogomi. Und die deutsche WM-Quali im demnächst sicherlich besenreinen Düsseldorf.Shun, Tatsu und Morita sagen, sie würden ihren Fanblock nach dem Tunesien-Spiel allerdings nicht aus sportlichem Ehrgeiz reinigen. Das sei vielmehr ein Ausdruck des Respekts und der Höflichkeit gegenüber dem WM-Gastgeber Mexiko. Das gehöre sich einfach so. Und nur damit jetzt die Fußballwelt nicht denkt, sämtliche japanische Fans seien unverbesserliche Spießer mit einem krankhaften Putzfimmel, stellt Tatsu, Rückennummer 25, klar: „Zu Hause machen wir das nicht.“Als die drei sich vom Frühstückstisch bei Doña Cuca erheben, tragen sie ihre drei schmutzigen Teller zur Küche zurück.
Japan-Fans bei der WM: Die Männer mit den blauen Säcken
Die japanischen Fans, die im WM-Stadion ihren Müll einsammeln, gehen wieder um die Welt. Daher mal nachgefragt: Machen sie das bei sich zu Hause eigentlich auch?















