In Afghanistan werden Proteste gegen die Verhaftung von Frauen brutal niedergeschlagen. M. aus Kabul spricht über ihre Ängste und Hoffnungen.

S eit den Festnahmen und Protesten in Herat habe ich zum ersten Mal Angst. Dabei mache ich mir noch nicht einmal Sorgen um mich selbst, ich habe vor allem Angst um meine Familie. Als ich von den Vorfällen in Herat erfahren habe, war ich so deprimiert, dass ich gar keine Nachrichten mehr hören konnte – davor habe ich sie täglich verfolgt. Ich habe mich gefragt, was noch alles auf uns zukommt.

Ich war glücklich, als ich von dem Protest gehört habe, und dachte, endlich stehen die Männer für uns Frauen ein. Ich wollte keine Situation wie im Iran, wo Tausende ihr Leben verlieren. Aber ich wollte, dass die Leute der Regierung zeigen, dass sie die Menschen nicht so unterdrücken kann. Als ich dann erfahren habe, dass die Behörden auf Demonstrierende geschossen haben, musste ich weinen. Ich liebe Geschichte und lese sehr viel. Ich frage mich, an welchem Punkt unser Land mittlerweile gelandet ist. Wir haben eine jahrtausendealte Zivilisation und jetzt schießen wir auf unsere eigenen Brüder und Schwestern.

Die Leute sind aus Wut wegen der Festnahmen in Herat auf die Straße gegangen. Die Taliban haben ihre Töchter, Schwestern und Ehefrauen mitgenommen. Schon davor haben wir immer mal wieder von Festnahmen gehört, auch hier in Kabul, aber das waren einzelne Fälle. Plötzlich hat es so viele Frauen an einem Tag getroffen, und das haben die Leute als Angriff empfunden.