Der Empfang einer Taliban-Delegation durch EU-Vertreter in Brüssel ist bei Menschenrechtlern auf scharfe Kritik gestoßen. Ebenso die geplante Akkreditierung von vier weiteren Taliban-Beamten für Konsularaufgaben in Deutschland. Die Kritiker sehen darin eine diplomatische Aufwertung eines radikalen Regimes, das zweifellos eine frauenverachtende Politik verfolgt.Die Rechte der afghanischen Frauen würden dem Primat der Abschiebepolitik geopfert, behaupten sie. Dabei hat es den Frauen in Afghanistan gar nichts gebracht, dass die islamistischen Herrscher seit fünf Jahren in der Schmuddelecke stehen.Die Scham des Westens nach der Niederlage am HindukuschWas Frauen helfen würde, wären mehr humanitäre Unterstützung und Projekte, die ihnen ein Einkommen verschaffen. Doch europäische Regierungen und private Spender machen um Afghanistan einen Bogen, weil sie fürchten, von Menschenrechtlern für ein Engagement im Reich der Taliban angefeindet zu werden. Während Aktivisten in Europa jedes Treffen mit den Islamisten geißeln, verhungern in Afghanistan Frauen und Kinder.Die Hauptschuld dafür trifft natürlich die Taliban. Sie haben Frauen ihrer Einkommensmöglichkeiten beraubt und behindern die Arbeit von Hilfsorganisationen mit abstrusen Moralgesetzen. Zur allgemeinen Not trägt aber auch bei, dass der Westen das Land nach seiner militärischen Niederlage lieber schnell vergessen wollte. Statt sich über den Besuch von fünf Taliban aufzuregen, sollten Menschenrechtler besser das anprangern.