Sie wollten den Einfluss der Vereinigten Staaten zu Grabe tragen. 1960 versammelten sich Tausende Menschen in Havanna. Nach der Revolution verkündete Kubas Führung, die US-Konzerne im Land zu enteignen. Kubanerinnen verkleideten sich symbolisch als Witwen der US-Unternehmen. Kubaner hievten Särge von Esso, Shell oder United Fruit Company über die Straßen. Sie zogen zum Malecón, der berühmten Uferpromenade. Dort warfen sie die Särge ins Meer.
Der US-Imperialismus ist tot, lautete ihre Botschaft. Nach Jahrzehnten der amerikanischen Vormundschaft wollte Kuba seinen eigenen Weg gehen. Jahrzehntelang sollte Kuba seither gegen die USA kämpfen, Widerstand gegen ihr System des Kapitalismus leisten. Doch heute, 66 Jahre später, scheint Kubas Führung mit ihren Grundsätzen zu brechen. Sie beschwört ausgerechnet jene Geister wieder herauf, die sie einst im Meer versenken ließ. Kuba öffnet seine Wirtschaft.
Dem Regime geht es ums nackte Überleben Die Machthaber in Havanna haben kaum eine Wahl: Die US-Regierung hat seit Januar eine Energieblockade über die Insel verhängt, der Treibstoff ist fast vollständig verbraucht. Ohne Strom versinkt Kuba im Dunkeln, der Alltag ist gelähmt, Menschen hungern. Um einen Staatsbankrott abzuwenden, verabschiedete Kuba am Donnerstag nun ein historisches Reformpaket: Es soll Kubas Wirtschaft von einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft verwandeln. Manch einer nennt es eine Kapitulation vor den USA.












