KommentarFast Food statt Fidel – Kubas Schwenk zum Staatskapitalismus kommt viel zu spätOhne individuelle Freiheiten kein Wohlstand: Der Tropensozialismus war zum Scheitern verurteilt. Nun reagiert die kubanische Regierung. Und bleibt doch vom Wohlwollen der USA abhängig.23.06.2026, 15.45 Uhr3 LeseminutenKubas Wirtschaft ist am Boden, nun sieht sich die Führungsriege zu sanften Reformen gezwungen.Norlys Perez / ReutersKuba will Restaurants erlauben, die «alimentos ligeros» servieren – «leichte Mahlzeiten». Was das kubanische Regime damit eigentlich meint, ist das Gegenteil von leicht: Das Land ist ab sofort offen für internationale Fast-Food-Ketten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch mit ihrer euphemistischen Wortwahl können es die kubanischen Machthaber nicht kaschieren: Ihr Modell eines tropischen Kommunismus ist total gescheitert. McDonald’s-Filialen in Havanna – das ist bestimmt nicht das, wofür Fidel Castro und seine Genossen einst gekämpft haben.Kuba war neben Nordkorea noch die letzte Bastion des real existierenden Sozialismus. Doch nun zwingt die wirtschaftliche und geopolitische Realität die Regierung zum Handeln. Sie hat einen Plan mit 176 Massnahmen vorgelegt, die ökonomische und gesellschaftliche Liberalisierungen bringen würden.Privates Unternehmertum wird gefördert, Staatsbetriebe werden zu Aktiengesellschaften, an denen sich auch Investoren aus dem Ausland beteiligen können. Aus einer Planwirtschaft soll so eine Art Staatskapitalismus werden, wie ihn China oder Vietnam kennen – und der zwar kaum politische Freiheit bringt, aber wenigstens etwas Wohlstand (und McDonald’s-Filialen).Wegen eigener Fehler marodeWas Kuba nun probiert, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings kommt die Öffnung viel zu spät. Natürlich ist die derzeitige Krise auch eine Folge des harten Embargos durch die USA. Doch wenn die linken Kuba-Apologeten nur der amerikanischen Regierung die Schuld geben, verkennen sie die Realität: Das kubanische System war schon vor Trump marode. Und dies vor allem wegen der eigenen Fehler.Das Gesundheitswesen und das Bildungssystem, die einst als vorbildlich galten, sind weitgehend kollabiert. Die Bevölkerung leidet seit Jahrzehnten unter Bürokratie und Korruption, unter der politischen Repression und unter der ökonomischen Perspektivlosigkeit. Wer konnte, ist geflüchtet.Das Regime hat es nie geschafft, das klassische Dilemma des Kommunismus zu lösen: Wenn alle gleich sind oder gleich gemacht werden, hat kaum jemand einen Anreiz, sich besonders anzustrengen – und wenn eine Gesellschaft keine Überschüsse produziert, gibt es auch nichts umzuverteilen.Anlass zur HoffnungOhne Rechtssicherheit und ohne Freiheit zur Eigeninitiative blüht keine Wirtschaft. Ob die Führungsriege in Havanna das wirklich verstanden hat, wird sich zeigen. Setzt sie all die angekündigten Reformen um, gibt es Anlass zur Hoffnung, dass sich die Situation auf der Insel verbessert.Schliesslich hat sie touristisch grosses Potenzial, wie sich auch während des kurzen Tauwetters in der Ära Obama gezeigt hat. Und die Exil-Kubaner in den USA sind zu beträchtlichem Wohlstand gekommen. Ironischerweise sollen diese einst als Verräter beschimpften Emigranten mit ihren Investitionen nun die kubanische Wirtschaft retten.Die grosse Frage ist, ob sich die Regierung in Washington mit den Reformen zufriedengibt. Aussenminister Marco Rubio dürfte das kaum tun: Seine Eltern stammen von der Insel, er träumt von einem völlig freien und demokratischen Kuba und sähe die 95-jährige Revolutionsikone Raúl Castro am liebsten hinter Gittern.Donald Trump hingegen könnte versucht sein, die Reformwilligkeit der kubanischen Führung als historischen Erfolg zu verkaufen: dass ihm mit einer Politik des maximalen Drucks gelungen sei, was kein anderer amerikanischer Präsident seit der kubanischen Revolution von 1959 geschafft habe. Es wäre, gerade vor den Zwischenwahlen in den USA im November, die attraktivere Lösung als eine weitere militärische Intervention mit ungewissem Ausgang.So kommen die Reformen für das kubanische Volk zwar zu spät – für das Regime hingegen vielleicht gerade noch rechtzeitig, um sich an der Macht zu halten.Passend zum Artikel
Fast Food statt Fidel – Kubas Schwenk zum Staatskapitalismus kommt viel zu spät
Ohne individuelle Freiheiten kein Wohlstand: Der Tropensozialismus war zum Scheitern verurteilt. Nun reagiert die kubanische Regierung. Und bleibt doch vom Wohlwollen der USA abhängig.












