KommentarKubas Regime ist am Ende. Es braucht einen Kompromiss mit den Amerikanern, um Schlimmeres zu verhindernMit einer Technokratenregierung und der Garantie politischer und wirtschaftlicher Freiheiten könnte Kuba einen Neuanfang machen. Als Anreiz für das Regime müssten gewisse seiner Exponenten in den Machtwechsel eingebunden werden.16.05.2026, 05.28 Uhr3 LeseminutenNichts funktioniert mehr auf Kuba. Wegen Benzinmangels wird selbst der Müll in Havanna nicht mehr abgeholt.Ramon Espinosa / APDie Situation auf Kuba hat sich weiter zugespitzt. Nach vier Monaten Erdölembargo durch die USA musste die Regierung am Mittwoch erklären, dass die Erdöl- und Dieselvorräte praktisch aufgebraucht sind. Selbst Havanna erhält nun nur noch während weniger Stunden am Tag Strom.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gleichzeitig verstärkt die amerikanische Regierung ihren Druck weiter. Am Donnerstag besuchte der CIA-Chef John Ratcliffe die Insel. Er hat dabei grundlegende Veränderungen auf Kuba gefordert. Seit seiner Rückkehr nach Washington kursieren zudem ernstzunehmende Gerüchte, wonach die amerikanische Justiz den 94-jährigen Revolutionsführer Raúl Castro anklagen werde.Das Regime ist bankrottSeit dem Sturz der Sowjetunion, der lange Zeit wichtigsten Unterstützerin der kubanischen Revolution, haben Beobachter fälschlicherweise immer wieder mit dem baldigen Sturz des Regimes gerechnet. Doch diesmal scheint dieses tatsächlich ans Lebensende gekommen zu sein. Die kubanische Führung war bereits vor Beginn des Erdölembargos durch Trump nicht mehr in der Lage, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken. Nicht nur genügend Treibstoff fehlt, sondern auch Medikamente und Nahrungsmittel.Kenner der Insel berichten, dass selbst viele frühere Anhänger der KP desillusioniert sind und dringend einen Wandel wünschen. Auch international ist Kuba im Vergleich zu früheren Jahren weitgehend isoliert. Heute müssen sich selbst einstige linke Bewunderer eingestehen, dass das Regime wirtschaftlich und politisch bankrott ist und sich nur noch mit starker Repression an der Macht halten kann.Trump hat es mit seiner völkerrechtlich fragwürdigen Einschnürung der Insel geschafft, maximalen Druck auf Kubas Altrevolutionäre auszuüben. Kein amerikanischer Präsident ist in den letzten Jahrzehnten so gezielt gegen Kuba vorgegangen wie er. Neben dem Erdölembargo hat er auch Massnahmen ergriffen, um zwei der wichtigsten Devisenquellen des Regimes – die Einnahmen durch Tourismus und Auslandeinsätze von kubanischem Gesundheitspersonal – anzugreifen.Das Wohl der Kubaner sollte im Zentrum stehenSowohl die kubanische Führung als auch Washington geben an, dass es ihnen um das Wohl der kubanischen Bevölkerung gehe. Wenn es ihnen damit ernst ist, müssten sie das nun zeigen, indem sie die Agonie des Regimes nicht unendlich in die Länge ziehen. Es ist die kubanische Bevölkerung, welche die Konsequenzen des Machtkampfs tragen muss. Die Amerikaner haben zwar gegenwärtig klar die Oberhand. Aber wenn sie einen Fall der Insel ins Chaos verhindern wollen, müssten auch sie bereit sein zu Kompromissen mit der gegenwärtigen Führung.Anders als in Venezuela gibt es auf Kuba keine gut organisierte und breit akzeptierte Opposition, welche zurzeit die Führung von der KP übernehmen könnte. Auch ein grosser Teil des ökonomischen Know-hows liegt bei der Führungsschicht des Regimes. Soll verhindert werden, dass auf Kuba bei einem Sturz des Regimes das Chaos ausbricht, müssten diese Leute in eine Transition eingebunden werden – unter der Voraussetzung, dass sie sich keiner schweren Menschenrechtsvergehen schuldig gemacht haben.Ein möglicher Kompromiss könnte darin bestehen, dass eine technokratische Übergangsregierung gebildet wird und dass die verfassungsmässigen Grundlagen für freie politische Betätigung und freies Wirtschaften geschaffen werden. Das Regime wehrt sich dagegen zurzeit noch vehement. Doch eine Beteiligung von Exponenten der gegenwärtigen Führung an der Transition dürfte ein Einlenken wahrscheinlicher machen.Doch selbst bei einem solchen Kompromiss ist eine friedliche Transition keineswegs garantiert. Opfer des kommunistischen Regimes werden Sühne für die Verbrechen verlangen, Exilkubaner werden enteigneten Besitz zurückfordern. Die Vertreter des Regimes werden alles daransetzen, ihre finanziellen Privilegien und ihre Straffreiheit zu verteidigen. Auf Kuba kommen so oder so schwierige Zeiten zu.Passend zum Artikel
Kuba und die USA: Warum ein Kompromiss jetzt notwendig ist
Mit einer Technokratenregierung und der Garantie politischer und wirtschaftlicher Freiheiten könnte Kuba einen Neuanfang machen. Als Anreiz für das Regime müssten gewisse seiner Exponenten in den Machtwechsel eingebunden werden.
















