Israels Ministerpräsident Netanjahu ist der Verlierer im US-amerikanisch-iranischen Waffenstillstandsabkommen. Das enge Bündnis mit Trump rächt sich nun.

E s ist noch nicht lange her, da wurde Donald Trump in Israel gefeiert. Riesige Plakate mit seinem Konterfei schmückten Tel Aviv, und eine geplante jüdische Siedlung auf den Golanhöhen erhielt gar den Namen Ramat Trump. Regierungschef Benjamin Netanjahu wurde nicht müde, den US-Präsidenten für seine Politik zu loben.

Und hatte er im Sinne der Rechtskonservativen nicht recht? Jerusalem als Hauptstadt anerkannt, im Abraham-Abkommen Frieden mit den Golfstaaten vermittelt, die Palästinenser marginalisiert: Trump war ein Bundesgenosse, wie ihn sich die Regierung in Jerusalem erträumt hatte. Entsprechend eng band sich Netanjahu an den US-Präsidenten.

Heute fällt Netanjahu dieses Bündnis vor die Füße. Es stellt sich heraus, dass die Interessen in Washington und Jerusalem nicht so identisch sind wie gedacht. Die Tatsache, dass beide Protagonisten vor wichtigen Wahlen stehen – Trump vor den Midterms, Netanjahu vor der Parlamentswahl – hat zu einer gegensätzlichen Politik geführt. Netanjahu droht im Wahlkampf als lahme Ente dazustehen. Wie konnte es dazu kommen?