Im Herzen Tel Avivs, nicht weit vom israelischen Verteidigungsministerium, klafft zwischen sandfarbenen Wohnhäusern ein Loch. Anfang März, kurz nach Beginn der US-israelischen Offensive gegen das iranische Regime, traf hier eine iranische Rakete ein mehrstöckiges Wohngebäude. Eine Frau kam ums Leben.Die Leerstelle hinter grauem Bauzaun erinnert seitdem an den Preis, den Israel für seinen Krieg gegen Teheran zahlen musste. Trotzdem war er populär: In der jüdischen Mehrheit der Bevölkerung lag die Zustimmung für die US-israelische Offensive zeitweilig bei 93 Prozent. Denn das iranische Regime gilt dort als Erzfeind, sein Atomprogramm als existenzielle Bedrohung des jüdischen Staates.Umso größer ist in Israel nun das Entsetzen über das Abkommen, das US-Präsident Donald Trump diese Woche mit den Machthabern in Teheran geschlossen hat.US-Iran-Deal 60 Tage und noch viel mehr Tücken Ein Atomdeal mit dem Iran – in zwei Monaten? Top-Verhandler warnen US-Präsident Trump vor Teherans langfristigem Kalkül. von Sonja Álvarez, Max Biederbeck, Daniel Goffart und weiterenVage Versprechen aus TeheranSollte die Einigung Bestand haben, hätte Israel zentrale Kriegsziele verfehlt. Mit Blick auf das Atomprogramm hat das Regime bloß zugesichert, keine Bomben zu entwickeln – ein Versprechen, das es seit Jahren abgibt und auf das man in Israel wenig gibt. Auf weitere Details sollen sich Washington und Teheran in den kommenden Wochen einigen. Israelische Beobachter fürchten jedoch, dass die Iraner die Verhandlungen – wie schon in der Vergangenheit – hinauszögern könnten, ohne konkrete Zugeständnisse zu machen.Zudem ist in dem Abkommen keine Rede vom iranischen Raketenprogramm, obwohl dessen Zerstörung zu den erklärten Zielen der US-israelischen Offensive gehört hatte. Im Gegenteil: Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch sagte Trump gar, wenn „andere Länder solche Waffen besitzen“, dann sei es „ein wenig unfair“, sie dem Iran zu verbieten.Abkommen zwischen USA und Iran „Donald Trump verlässt das Schlachtfeld nicht als strahlender Sieger“ Sigmar Gabriel fürchtet, dass der Deal zwischen Washington und Teheran nicht lange halten wird. Zu viele Konflikte seien einfach nur vertagt worden, sagt der Ex-Außenminister. von Max HaerderSchwer wiegt für Israel zudem, dass die Einigung ein „sofortiges und dauerhaftes Ende“ aller Kampfhandlungen auch im Libanon vorschreibt. Um nordisraelische Siedlungen vor Raketen und Drohnen der Hisbollah zu schützen, dem wichtigsten iranischen Verbündeten in der Region, hat Israel im Süden des Libanons eine Pufferzone geschaffen. Teheran will, dass die israelischen Soldaten abziehen – ob Trump sich die Forderung zu eigen macht, um seinen Deal zu retten, ist noch offen.Offiziell hatte sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in den ersten Tagen nach Bekanntwerden noch nicht zu dem Deal geäußert. Gegenüber dem „Economist“ aber beschrieb ein israelischer Diplomat das Abkommen als „glorioses Scheitern“. Und dem Premier nahestehende Kommentatoren vermitteln einen Eindruck davon, wie man in dessen Büro über das Abkommen denkt.Abkommen kommt schlecht bei den Israelis anAmit Segal, einer der bekanntesten Journalisten Israels mit engen Verbindungen zu Netanjahu und seinem Umfeld, beschrieb die Einigung auf X als „amerikanische Kapitulation vor dem Iran“. Der rechte Kommentator Shimon Riklin, ebenfalls Netanjahu-nah, warf den USA gar Verrat an Israel vor.Auch unter der israelischen Bevölkerung kommt der Deal schlecht an. Entsprechend tief abgestürzt ist Trumps Image: Noch vor drei Wochen hatten laut einer Umfrage der Gratiszeitung „Israel Hayom“ 58 Prozent der Befragten ein positives, nur 35 Prozent ein negatives Bild von Trump. Seit Bekanntmachung des Deals hat sich das Bild umgekehrt: 61 Prozent sehen den Präsidenten nun negativ, nur noch 38 Prozent positiv.