Kurz bevor US-Präsident Donald Trump an seinem 80. Geburtstag nach monatelanger Verhandlung ein Kriegsende verkündete, bombardierte sein israelischer Verbündeter den Libanon. Trump reagierte daraufhin prompt und öffentlich: Der Angriff hätte nicht stattfinden dürfen, Israel solle Beirut künftig verschonen. Benjamin Netanjahu kassierte die Kritik, schwieg und machte weiter. Israel betrachtet Iran als dauerhafte existenzielle Bedrohung des einzigen jüdischen Staates. Wird der konfliktaffine Ministerpräsident nun die Waffenruhe respektieren?

„Netanjahu wird eine direkte Konfrontation mit Trump vermeiden und die amerikanisch-iranischen Vereinbarungen nicht offen infrage stellen“, sagt Eldad Shavit, Wissenschaftler am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv und ehemaliger Geheimdienstanalyst des israelischen Ministerpräsidenten, der Berliner Zeitung. „Gleichzeitig wird er versuchen, so viel Handlungsfreiheit wie möglich zu bewahren, insbesondere im Libanon, in Syrien, bei Geheimdienstoperationen und verdeckten Aktionen, um zu verhindern, dass Iran und Hisbollah den Deal nutzen, um ihre Kapazitäten wieder aufzubauen.“

Shavit erwartet demnach, dass Netanjahu Trumps Deal nach außen akzeptiert, aber möglicherweise im Verborgenen weiter auf eigene Faust agiert. Dass Netanjahu den Deal offen brechen oder Trump frontal herausfordern wird, glauben die wenigsten Experten. Was sie erwarten, ist etwas Subtileres: kalkulierte Operationen dort, wo Washington wegschaut.