PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungAnsage an Thomas MüllerWir erleben bei dieser WM einen Experten-OverkillStand: 14:18 UhrLesedauer: 3 MinutenThomas Müller sorgt mit einer humorvollen Anekdote über Jamal Musiala für Lacher. Der Bayern-Star erzählt, wie Musiala im Training einen Doppelpass für das kommende Spiel plante – ohne zu bemerken, dass Müller gar nicht in der Startelf steht.Thomas Müller fällt es schwer, anderen auch mal das letzte Wort zu überlassen. Darauf hat ihn Laura Wontorra nun ziemlich deutlich hingewiesen – vor laufenden Kameras. Ein wichtiges Zeichen im Experten-Overkill dieser WM.Endlich hat es mal jemand ausgesprochen. Es war ja fast schon ein wenig wie in Hans-Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Jeder konnte sehen, dass der Kaiser nackt war. Doch weil der Kaiser so überzeugt war, in prachtvolle Gewänder gehüllt zu sein, wagte niemand, ihm dies zu sagen. Nur ein kleines Kind, das sich um nichts scherte, sprach am Ende das Offensichtliche aus: „Aber der Kaiser hat ja gar nichts an!“Moderatorin Laura Wontorra hat dankenswerterweise die Rolle des Kindes übernommen. Sie hielt Thomas Müller vor laufender Kamera den Spiegel vor und ermahnte ihn, sich auf seine Rolle zu besinnen: die des Experten, der Expertise liefern soll, wenn er von Menschen, die hauptberuflich Fernsehen machen, gefragt wird. „Du schießt ja immer so gerne gegen uns, obwohl du in unserem Team spielst“, hatte Wontorra gesagt, als sie gemeinsam mit Müller aus Toronto im Vorlauf des Deutschland-Spiels geschaltet wurde. Die Art und Weise, wie der überraschte Müller darauf reagierte, war typisch: Er versucht zu widersprechen und gleichzeitig lustig zu sein. Nur gelang ihm das nicht.Lesen Sie auchThomas Müller ist wie dieser eine Onkel, der auf Familienfeiern einen Witz nach dem anderen erzählt, dabei acht von zehn Pointen vermasselt – aber trotzdem nicht aufhört. Muss er ja auch nicht. Humor ist Geschmackssache, und für die meisten Menschen ist Müller ein sympathisches Gesamtkunstwerk – egal, was er sagt.Problematisch wird es nur, wenn der Ex-Bayern-Profi in den ohnehin schon ausufernden Gesprächen mit anderen Experten partout das letzte Wort haben will. Wenn er versucht, noch einen draufzusetzen, obwohl schon alles gesagt ist. Das räumt er sogar selbst ein. „Ich habe das Gefühl, bei allen Experten und Kollegen sagst du: ‚Ich habe noch einen kleinen Hint und weiß es besser als ihr‘“, hielt ihm Wontorra vor. Müllers Replik: „Ich weiß es nicht besser, ich weiß es anders.“ Aha.Lesen Sie auchWir erleben bei dieser WM einen Experten-Overkill, der gerade für Vielgucker schwer erträglich ist. Weil es denen um Fußball geht. Doch es gibt eben nicht wie bei früheren Turnieren einen oder zwei Fachleute pro Sender, sondern eine gigantische Kohorte. Lesen Sie auchDie Folge sind skurrile Bilder und zum Teil ebensolche Gespräche: Beim ZDF quetschen sich bis zu fünf Experten und manchmal zwei Moderatoren auf ein Sofa. In der Mitte sitzt Christian Streich mit zusammengedrückten Knien und wirkt so, als fühle er sich im falschen Film. Hätten es Chris Kramer und Per Mertesacker allein nicht auch getan?Lesen Sie auchAuf die größten Namen setzt Magenta TV. Jürgen Klopp, Thomas Müller, Mats Hummels – besser geht es eigentlich kaum. Doch wer zu viele Alphatiere in der Mannschaft hat, kann Probleme bekommen. Wenn Klopp und Müller loslegen, fällt es auch einem erfahrenen Moderator wie Johannes B. Kerner schwer, Struktur hineinzubringen. Dann läuft es schnell mal aus dem Ruder.Klopp musste zu Kreuze kriechen Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf, hatte Klopp gesagt: „noch“. Wahrscheinlich gemeint im Sinne von: Das machen weder wir noch die Fans. Es war Müller, der diese Aussage zum Politikum machte: „Kloppo, wir haben im Juni. Du bist schon im September.“Die Folgen sind bekannt. Klopp musste zu Kreuze kriechen, Rudi Völler las den Experten die Leviten – und die werden seitdem nicht müde, zu betonen, dass sie in erster Linie Deutschland-Fans sind. Man darf gespannt sein, wie unabhängig die Herren ihren Kritiker-Job noch machen können, sollte die Nationalmannschaft vielleicht wirklich mal ein richtig schlechtes Spiel machen. Doch das wollen wir uns lieber gar nicht erst vorstellen – aus mehreren Gründen.