Springer-Vorstandsvorsitzender Döpfner: Kognitives Outsourcing
Es gibt in der kognitiven Psychologie einen lustigen Fachbegriff: den cognitive miser, zu Deutsch den »kognitiven Geizkragen«. In Kurzform: Wir strengen unser Gehirn ungern an. Wenn wir nicht müssen, lassen wir es lieber. Das können Sie mal eben an sich selbst ausprobieren. Rechnen Sie kurz im Kopf aus, was 346 mal 27 ergibt. Sie haben eine Minute Zeit.
Fertig?
Ich vermute: Nein. Sie haben einfach weitergelesen, stimmt’s? Ich verurteile Sie nicht: Die wenigsten von uns haben so viel Spaß am Kopfrechnen, dass sie so eine Aufgabe mal eben ohne Not im Kopf lösen. Dazu müsste man die Aufgabe in Teilschritte zerlegen, Zahlenwerte im Kurzzeitgedächtnis halten, Operatoren anwenden und so weiter. Sie können das, aber Sie wollen nicht. Es verbraucht Energie, und wir sparen gern Energie. Es gibt Ausnahmen: Manche Menschen sind sehr talentiert darin, solche Aufgaben schnell im Kopf zu lösen, und tun das deshalb gern. Aber das ist eine Minderheit.
Das hieß mal »Allgemeinbildung«Wir alle haben in unserer Schulzeit viele Jahre lang gegen den kognitiven Geizkragen angearbeitet. Wir haben uns gezwungen, lesen, schreiben und eben Kopfrechnen zu lernen, später vielleicht auch Physik und Französisch, Biologie und Kurvendiskussion, Gedichte und Geografie. Wer sich nicht anstrengt, um sich zu merken, wo Albanien liegt oder die Donau verläuft, lernt es nicht. Am Ende kommt, wenn die Schule es halbwegs richtig anstellt, etwas heraus, das bislang »Allgemeinbildung« hieß.













