Geografisch gesehen liegt Berlin-Neukölln im Osten Deutschlands. Sozialgeschichtlich betrachtet ist es ein Teil des Westens. Seit dem Mauerfall vor 37 Jahren ist dieser westlich an Treptow angrenzende Stadtbezirk auch für Ostdeutsche zugänglich. Hier ist für jeden Besucher mit Händen greifbar, was landläufig als „kulturelle Überfremdung“ bezeichnet wird. Was ostdeutsche Besucher beim erstmaligen Durchqueren dieses Stadtteils gesehen und erlebt haben, begründete bei vielen grundlegende Bedenken gegenüber einer ungeregelten Einwanderung. Sie wollen nicht, dass ihre Städte so werden, wie Neukölln ist.

Dass ihnen ihre Sorge um die Errungenschaften der europäischen Kultur als Fremdenhass und Rassismus ausgelegt wird, bewirkt hier Wut und Empörung. Die einzigen Argumente der Migrationsbefürworter und -beförderer, die sie gelten lassen, sind das der Hilfsbereitschaft für in Not geratene Menschen und das der Solidarität mit politisch Verfolgten – also die klassischen Motive des Asylrechts. All die anderen Argumente, wie das der kulturellen Bereicherung, das der Fachkräftegewinnung oder das der Weltoffenheit, hält man in der Regel für vorgeschoben, oft auch für zynisch.

Eine zynische Haltung

Eines dieser als vorgeschoben wahrgenommenen Argumente ist, dass wir gar nicht genug Migranten bekommen können, weil diese mehrheitlich jung sind und so die demografische Lücke auffüllen können, die die überalterten Deutschen durch ihre Kinderarmut aufgerissen haben. Im Klartext: Wir brauchen die Zuwanderer, damit sie unsere Renten erwirtschaften. Nun glauben viele nicht, dass unter den Migranten der Anteil derer, die mehr in die Sozialsysteme einzahlen, als sie ausgezahlt bekommen, größer ist als der Anteil jener, bei denen es sich umgekehrt verhält. Doch diese Frage soll uns hier nicht weiter beschäftigen. Auch nicht die berechtigte Frage, warum wir in unserem Land nicht genügend eigene Leute zu Fachkräften ausbilden.