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Eigentlich wollte ich mich nur auf diesen viel gepriesenen Berliner Vibe einlassen. Ein paar Tage raus aus der tiefsten Provinz und rein in die hippe Metropole. Mit einem überteuerten Flat White in der Hand flanierte ich durch Prenzlauer Berg. Alles schien seltsam friedlich zu sein, fast schon idyllisch. Doch dann stolperte ich beinahe über eine aufgeweichte Bananenkiste mitten auf dem Gehweg.
Auf einem windschiefen Pappschild stand – mit Edding geschrieben, aber bereits verblichen – ein magisches Mantra dieser Stadt: „Zu verschenken.“ Zunächst dachte ich wirklich an ein rührendes Zeugnis urbaner Solidarität. Bestimmt teilen diese weltoffenen Menschen hier einfach ihren Überfluss mit den weniger Begüterten. Was für eine herzerwärmende Geste, dachte mein naives Touristenhirn.
Die Schatzkiste der Barmherzigkeit
Neugierig wagte ich einen Blick in diese Schatzkiste der Barmherzigkeit. Mir schlug sofort ein Geruch entgegen, der an nasse Hunde und alte Kellerabteile erinnerte. Da lag eine einzelne, völlig ausgelatschte Sandale in Neongrün, direkt daneben eine vergilbte Tupperdose ohne Deckel, in der noch undefinierbare Krümel klebten. Ein zerkratztes Best-of-Album von David Hasselhoff rundete das groteske Stillleben ab. Wer zur Hölle verschenkt so etwas? In meinem Dorf nennt man das schlicht Sperrmüll. Hier in Berlin befördert man seinen Unrat offenbar einfach vor die Tür. Dann pinnt man ein nettes Schildchen daran und fühlt sich wie der Engel der Armen.






