Seltsam, dass Menschen auch im Sommer Geld für Fitnessstudios ausgeben. Zumindest in größeren Städten gibt es sehr gut ausgebaute Outdoor-Trainingsplätze, auf denen man jeden Muskel trainieren kann. Im Winter ist es unter einem Dach gemütlich. Aber wenn es draußen Richtung 40 Grad geht, spricht fast nichts mehr für das stinkende Studio.Allerdings steht man nun vor einer anderen Frage: Von welcher Temperatur an ist es als Mann eigentlich vertretbar, oberkörperfrei zu trainieren? Dazu muss man wissen, dass es auch im tiefsten Winter Männer gibt, die auf diesen Plätzen ohne T-Shirt an der Klimmzugstange hängen. Auch im Regen. Einerseits wirkt das immer etwas affig, andererseits ist es nachvollziehbar: Gerade auf den Outdoor-Plätzen trainieren viele nicht so, dass die Muskeln am Ende wie aufgeblasen aussehen, dafür bräuchte man auch tatsächlich Hanteln.Im Trend liegt aktuell eher eine Statur, bei der die Muskeln sehr gut trainiert, aber gleichzeitig so sehnig sind, dass man das mit T-Shirt kaum sieht. Und diese armen Männer schuften jeden Tag so hart für ihre Muskeln, dann sollen sie sie doch wenigstens beim Muskel-Training mal präsentieren dürfen – bevor sie noch anfangen, oberkörperfrei zu joggen, was wirklich indiskutabel ist.Was ist, wenn unter dem T-Shirt kein Sixpack schlummert?Nur: Was ist, wenn auf dem Trainingsplatz unter dem T-Shirt kein Sixpack schlummert – es aber jetzt so heiß ist, dass man am liebsten auch das T-Shirt ausziehen würde? Was hält einen davon ab, wenn – wie am Donnerstagmorgen in Darmstadt – alle anderen Männer oberkörperfrei trainieren und man selbst plötzlich der Sonderling ist?Man würde jetzt gerne behaupten, dass man aus Solidarität mit Frauen das T-Shirt anbehält, bei ihnen ist es schließlich überhaupt nicht gesellschaftlich akzeptiert, oberkörperfrei zu trainieren. In Wirklichkeit ist es aber eher die Scham gegenüber den anderen Männern ob der eigenen Statur. Der Fitnessgrad an einem durchschnittlichen Donnerstagmorgen ist auf solchen Plätzen wirklich absurd hoch – überall sieht man Liegestütze im Handstand; menschliche Fahnen, die an Stangen hängen; Klimmzüge, bei denen die Beine waagrecht gehalten werden. Und Sixpacks, Sixpacks, Sixpacks. Da möchte man am liebsten auch noch sein Gesicht unter dem Shirt verstecken.Am schönsten wäre es natürlich, wenn jeder einfach das macht, wonach er sich gerade fühlt. Aber die Realität sieht anders aus. Man könnte die ungeschriebenen Regeln auf den Outdoor-Plätzen grafisch so aufarbeiten: ein Graph für den Fitnessgrad, ein Graph für die Temperatur – umso höher die Temperatur, umso höher auch der Body-Mass-Index, von dem an das T-Shirt zur Seite gelegt werden darf. Aber nur zur Sicherheit, weil man bei der Hitze mal durcheinander kommen kann: Diese Regeln gelten ausdrücklich nur auf Outdoor-Fitness-Plätzen – und nicht bei der Konferenz im Büro.