Es war ohnehin keine leichte Aufgabe für J.D. Vance. Der Vizepräsident stand am Donnerstag im Weißen Haus und musste die Vereinbarung mit Iran verteidigen, die Donald Trump am Abend zuvor in Versailles unterschrieben hatte. Vance, der gegen den Krieg gewesen war, war bemüht, sich die Vereinbarung von den Journalisten nicht zerpflücken zu lassen. Da konnte er Kritik aus Israel, dem engsten Verbündeten Washingtons im Nahen Osten, nicht gebrauchen.Er wurde deutlich: Diejenigen in Israel, die glaubten, ihr größtes Problem sei der Präsident der Vereinigten Staaten, müssten „aufwachen“ und die Realität zur Kenntnis nehmen. Er nehme den Ministerpräsidenten von der Kritik aus, aber es gebe Leute in Benjamin Netanjahus Kabinett, die hervorgetreten seien, den „Deal“ kritisiert und auch den Präsidenten sehr persönlich angegriffen hätten. Seine Botschaft an sie sei eine doppelte: Erstens sei Trump der einzige Staatschef auf der ganzen Welt, der im Augenblick Verständnis habe für die israelische Nation. Und er sei nun mal der Staatschef der Supermacht dieser Welt. Sodann: „Wäre ich im israelischen Kabinett, würde ich, glaube ich, nicht den einzigen mächtigen Bündnispartner, den ich auf der ganzen Welt habe, angreifen.“Zweitens: Zwei Drittel der defensiven Waffen, die in den vergangenen Monaten Israel geschützt hätten, seien von Amerikanern hergestellt und von amerikanischem Steuergeld bezahlt worden. Trump selbst hatte sich während des G-7-Gipfels in Frankreich ähnlich ausgedrückt: „Ohne mich gäbe es kein Israel.“ Er habe ein „großartiges Verhältnis zu Bibi“, nun aber müsse er mit Blick auf Libanon verantwortlicher sein.Kritik an Netanjahu aus dem eigenen LandEs ist kein Geheimnis, dass es in den vergangenen Wochen mehrfach zwischen Netanjahu und Trump geknallt hat. So endet Operation „Epic Fury“ wie der Zwölftagekrieg im vergangenen Sommer: mit strengen Ermahnungen und indirekten Drohungen Washingtons gegenüber Netanjahu.Dass Trump und Vance ihre Ungeduld mit dem Verbündeten nicht mehr verschleiern, hängt freilich damit zusammen, dass beide Militäroperationen auch ähnlich angefangen haben: mit dem Narrativ, dass Israel die Vereinigten Staaten in den Krieg gezogen habe – eine Geschichte, die in Teilen der MAGA-Bewegung einen sehr kritischen Resonanzboden gefunden hat. Trump ist es wichtig, dem entgegenzuhalten, dass er von niemandem in Zugzwang gebracht werde.In Israel gibt es seit Tagen massive Kritik an der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran, vor allem aus den Medien. Dort wird sie als Katastrophe beschrieben. Die Kritik beinhaltet auch harsche Urteile über Netanjahu. Nachdem der Ministerpräsident während des Krieges gegen Iran immer wieder hervorgehoben hatte, wie eng er und Trump sich abstimmten, muss er sich nun anhören, er habe sich schwer verkalkuliert.Der Konflikt dreht sich vor allem um LibanonMit Blick auf Äußerungen Trumps wie diejenige, dass Iran über ballistische Raketen verfügen sollte, kommentierte etwa die Zeitung „Yedioth Ahronoth“, Netanjahus Lebenswerk lasse sich „als völliges Versagen zusammenfassen“. Viele andere haben sich ähnlich geäußert, und die Kritiker kommen nicht nur aus dem Anti-Netanjahu-Lager.Der Ministerpräsident selbst hat sich bei dem Thema bislang zurückgehalten. Auf einer Pressekonferenz am Montag sagte er lediglich, Israel sei an der Vereinbarung nicht beteiligt, und er und Trump hätten ein partnerschaftliches Verhältnis, in dem es auch einmal Meinungsverschiedenheiten geben könne. Dabei ist es offenkundig, dass die Einigung zwischen den USA und Iran den Wünschen auch des Ministerpräsidenten zuwiderlief.Widerständig zeigt die israelische Seite sich vor allem beim Thema Libanon. Dort halten Truppen seit Wochen einen Streifen im Süden des Landes besetzt und liefern sich Kämpfe mit der von Iran gelenkten Hizbullah-Miliz. Man werde in dieser „Sicherheitszone“ bleiben, „solange Israels Sicherheitsbedürfnisse es erforderlich machen“, verkündete Netanjahu am Donnerstag. Einem Medienbericht zufolge gibt es über diesen Punkt intensive Verhandlungen zwischen Israel und den USA.Gegenseitige Angriffe der Hizbullah und IsraelsWiderständig zeigte die israelische Seite sich vor allem beim Thema Libanon. Dort halten Truppen seit Wochen einen Streifen im Süden des Landes besetzt und liefern sich Kämpfe mit der von Iran gelenkten Hizbullah-Miliz. Man werde in dieser „Sicherheitszone“ bleiben, „solange Israels Sicherheitsbedürfnisse es erforderlich machen“, verkündete Netanjahu am Donnerstag.Gleich im ersten Paragraphen des Rahmenabkommens ist von einer „unverzüglichen und dauerhaften Beendigung militärischer Aktivitäten an allen Fronten, einschließlich in Libanon“ die Rede; das gelte auch für die Verbündeten der USA und Irans, also die Hizbullah und Israel. Anschließend heißt es, dass alle Seiten sich verpflichteten, „die territoriale Integrität und Souveränität Libanons“ zu gewährleisten.Dazu sagte am Freitag ein amerikanischer Regierungsvertreter, Israel und die Hizbullah hätten sich auf einen Waffenstillstand geeinigt. Der Hizbullah nahe stehende Quellen bestätigten die Vereinbarung, Details nannten sie nicht. Noch am Freitag hatte es Kämpfe mit mehreren Toten auf beiden Seiten gegeben. Die Hizbullah habe einen Panzer angegriffen, berichtete die israelische Armee, sie habe dafür im Gegenzug Ziele in Südlibanon sowie in der Bekaa-Ebene bekämpft. In manchen Medienberichten hieß es, die Lage in Libanon und Netanjahus Äußerungen seien der Grund dafür gewesen, dass Iran die für Freitag geplanten Verhandlungen mit den USA in der Schweiz abgesagt habe.
Der Iran-Deal entzweit Amerika und Israel
Die amerikanische Operation „Epic Fury“ in Iran endet so wie der Zwölftagekrieg vor einem Jahr: mit deutlichen Verstimmungen im amerikanisch-israelischen Verhältnis.















