Das Tauwetter zwischen Washington und Teheran kann Rodolphe Saadé nur bedingt beruhigen. Der Marseiller Reeder muss schauen, wie frei seine Containerschiffe nun wirklich wieder die Meerenge von Hormus passieren können. Wie vermint ist diese Aorta des Welthandels, wie läuft die Räumung, wird künftig eine Maut erhoben? Öffentlich hält sich Saadé dazu bedeckt. Aus Reedersicht ist klar: Die amerikanisch-iranische Rahmenvereinbarung normalisiert die Lage in Hormus nicht, sondern ist allenfalls ein erster Schritt dazu.Saadé hat die Eskalation am Golf schwer getroffen. Die Reederei CMA CGM, die er führt und mehrheitlich besitzt, ist nach MSC und Maersk die drittgrößte der Welt, größer als der Hamburger Hapag-Lloyd-Konzern. Seine Flotte ist in den vergangenen Jahren auf knapp 700 Schiffe angewachsen. Mit rund 160.000 Mitarbeitern in 160 Ländern und mit Konzessionen für 66 Containerterminals auf der ganzen Welt ist CMA CGM quasi Inbegriff der Globalisierung. Statt um Politik drehte sich bis vor Kurzem alles um Wachstum, Klimaschutz und KI-basierte Routenoptimierung.Saadés Schiffe steckten in der Straße von Hormus festMit dem Irankrieg aber haben sich die Prioritäten endgültig verschoben. Durch die wachsenden geopolitischen Spannungen weht auf den Weltmeeren ein anderer Wind. Elf von Saadés Schiffen steckten durch die iranische Blockade bis zuletzt in der Straße von Hormus fest, eines davon wurde im Mai gar von einer Rakete getroffen. Die Besatzungen und ihre Familien haben in den vergangenen Wochen einiges durchmachen müssen. Auch andernorts ist es ungemütlich geworden, etwa im Roten Meer, wo die Huthi-Miliz in jüngster Zeit immer wieder Schiffe attackiert hat.Zupass kommt den Reedern, steinreich und einflussreich zu sein. Ihre Interessen haben Gewicht. Saadé (56) ist genauso Multimilliardär wie die Aponte-Familie, der die schweizerisch-italienische MSC gehört, die dänische Maersk-Eigentümerfamilie Møller und der Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne. Der in Beirut geborene Franzose ist häufiger Gast im Élysée-Palast und begleitete Präsident Emmanuel Macron im Mai nach Afrika, wo es auch um Häfen ging. Am Mittwoch gehörte Saadé zur handverlesenen Riege an Konzernchefs, die beim Festmahl in Versailles dabei sein durften, als US-Präsident Donald Trump seine Unterschrift unter das Iranabkommen setzte.Rodolphe Saadé begeistert Donald TrumpNoch vor einigen Jahren litt CMA CGM, von Rodolphes Vater Jacques nach seiner Flucht aus dem libanesischen Bürgerkrieg Ende der Siebziger gegründet, unter hohen Schulden. Durch die in der Pandemie explodierten Frachtpreise aber verdiente sich der Konzern eine goldene Nase. Seither kauft Saadé, was das Zeug hält. Er ist beim Kapital von Air France-KLM an Bord gegangen und hat Milliarden für Akquisitionen wie die Logistiksparte der Bolloré-Gruppe oder Aktivitäten des US-Logistikers Ingram Micro auf den Tisch gelegt. Im Mediengeschäft hat er sich reichweitenstarke Häuser wie BFM TV, „La Tribune“ und „La Provence“ einverleibt.Lange galt CMA CGM als verschwiegener Haufen im prekären Marseille, der fernab der Pariser Machtzirkel sein Containergeschäft betreibt. Inzwischen aber ist der Konzern auch nach eigenem Verständnis weit mehr als nur eine Reederei – und sein Chef eine feste Größe der Weltwirtschaft, auch wenn Saadé sein Imperium weiterhin verschwiegen führt. Vergangenes Jahr begeisterte er Trump bei einem Besuch im Weißen Haus mit der Botschaft, 20 Milliarden Dollar in den Seeverkehr und die Logistik in Amerika zu investieren. Weitere Zukäufe bahnen sich an, Geopolitik hin oder her.
Rodolphe Saadé: Der Milliardär der Weltmeere
Der Reeder Rodolphe Saadé hat von der Pandemie profitiert. Der Krieg am Golf hat ihn schwer getroffen.
CMA CGM (drittgrößte Reederei) verlor elf Schiffe durch iranische Blockade; CEO Saadé sitzt am Verhandlungstisch mit Regierungen. Supply-Chain ist Geopolitik. Logistik-Monopole nutzen Krisen für consolidation und direkten Einfluss auf governance-Entscheidungen.














