Mit Drohnen, Tauchern und Delfinen: Die Amerikaner wollen die Strasse von Hormuz so schnell wie möglich öffnenDer für die Weltwirtschaft so wichtige Wasserweg sei ab sofort wieder frei, verkündete Präsident Trump am Sonntag. Doch dazu muss er erst einmal von Minen geräumt werden. Die meisten grossen Reedereien warten vorerst lieber ab.17.06.2026, 17.55 Uhr4 LeseminutenMinenrämung 190607-N-SB587-1209 GULF OF THAILAND (June 7, 2019) The Avenger-class mine countermeasures ship USS Pioneer (MCM 9) observes a controlled mine detonation while conducting a joint mine countermeasures exercise with the Royal Thai Navy during Cooperation Afloat Readiness and Training (CARAT) Thailand 2019. This year marks the 25th iteration of CARAT, a multinational exercise series designed to enhance U.S. and partner navies' abilities to operate together in response to traditional and non-traditional maritime security challenges in the Indo-Pacific region. (U.S. Navy photo by Mass Communications Specialist 2nd Class Corbin Shea)US NavySie sollten sich bereitmachen, rief Trump den Kapitänen der im Persischen Golf festsitzenden Schiffe zu. «Werft eure Motoren an, Schiffe dieser Welt, lasst das Öl fliessen», schrieb er am vergangenen Sonntag auf seinem Netzwerk Truth Social. Spätestens ab Freitag sei die Strasse von Hormuz wieder komplett offen. Die blockierten Frachter und Tanker, so der amerikanische Präsident, könnten in See stechen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran, die den im März von Amerika und Israel begonnenen Krieg im Nahen Osten beenden soll, wird auch die Sperrung von Hormuz aufgehoben. Die Meerenge, die zu den wichtigsten der Welt gehört, war kurz nach Kriegsbeginn von den iranischen Revolutionswächtern blockiert worden.Teherans Schachzug hatte nicht nur die Pläne von Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu für einen Sieg über das Regime in Teheran durchkreuzt. Er hat auch der Weltwirtschaft grossen Schaden zugefügt, den internationalen Handel durcheinandergebracht und die Preise für Öl, Gas und Düngemittel in die Höhe getrieben.Keiner weiss, ob und wie viele Minen die Iraner versenkt habenBis zu 1500 Schiffe, darunter Hunderte Öltanker, sollen derzeit im Persischen Golf feststecken. Zwar gaben die Amerikaner bereits am Montag bekannt, dass eine erste Route durch Hormuz ab sofort offen sei. Bis anhin wird aber kaum zusätzlicher Verkehr in der Meerenge registriert. Die Reedereien, die in der Vergangenheit immer wieder von Trumps Ankündigungen enttäuscht worden waren, warten lieber bis zur offiziellen Unterzeichnung am Freitag.Sowieso dürfte noch einige Zeit vergehen, bis die Strasse von Hormuz wieder komplett passierbar ist. Vertreter der USA sprechen von bis zu dreissig Tagen. Ein der «Washington Post» vorliegender geheimer Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums geht sogar von sechs Monaten aus. Der Grund: Die Passage muss erst auf ihre Sicherheit überprüft und von möglichen iranischen Seeminen geräumt werden.Bis jetzt ist unklar, ob und wie viele maritime Sprengkörper Teheran tatsächlich in den Gewässern vor Hormuz versenkt hat. Zur Sicherheit hatten die Amerikaner bereits in der Frühphase des Krieges Irans Marine zerstört. Doch auch ohne grosse Schiffe könnten die von den felsigen Ufern der Meeresstrasse aus operierenden iranischen Kommandos unzählige Minen in der Passage verteilt haben.Zwar haben die Amerikaner diese Woche schon damit begonnen, mögliche Minen zu räumen. Doch das Unterfangen ist zeitraubend und kompliziert. Denn moderne Seeminen, von denen Iran schätzungsweise über rund 5000 verfügt, funktionieren mit unterschiedlichen Sensoren und lassen sich oftmals nicht einfach orten und zerstören.Auch Deutschland will mithelfenWeil die US-Navy vor kurzem ihre letzten Minenräumboote ausser Dienst gestellt hat, müssen die Amerikaner mit anderen Mitteln vorgehen. Unterwasserdrohnen sollen helfen, die versteckten Minen aufzuspüren, Helikopter sollen sie dabei unterstützen. Aber auch spezialisierte Taucher dürften zum Einsatz kommen. Nach wie vor werden gewisse Minen in den Tiefen des Meeres von Hand entschärft.Kurzzeitig wurde in amerikanischen Medien sogar über die Entsendung von speziell ausgebildeten Delfinen spekuliert. Die Meeressäuger können dank ihrer Schallnavigation verdächtige Objekte besonders gut aufspüren und markieren. In der Vergangenheit waren die Tiere bereits im Persischen Golf von der US-Navy eingesetzt worden. Diesmal ist ihr Einsatz laut dem Sender CNN aber nicht vorgesehen.Dafür kommen jetzt die Europäer ins Spiel, die im Gegensatz zu den Amerikanern immer noch über Minenräumer verfügen. Die EU, aber auch Grossbritannien, Italien und Frankreich haben sich angeboten. Auch Deutschland will bei den Aufräumarbeiten mithelfen, wie Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag bekanntgab. Berlin hatte bereits im April Bereitschaft dazu signalisiert.Selbst wenn es den Amerikanern und ihren Unterstützern gelingen sollte, die Strasse von Hormuz wieder vollständig befahrbar zu machen: Der Verkehr durch die Meerenge dürfte längst nicht sofort das Vorkriegsniveau von bis zu 140 Durchfahrten pro Tag erreichen. Viele Reedereien trauen der derzeitigen Ruhe nicht und warten erst ab, ob Trumps Absichtserklärung auch in ein handfestes Abkommen mit entsprechenden Garantien mündet.Teheran hat mit der Sperrung einen Präzedenzfall geschaffenDie Amerikaner wollen ihre als Antwort auf die Sperrung von Hormuz eingeführte Blockade der iranischen Häfen ab Freitag ebenfalls aufheben. Erste Öltanker sollen Iran aber bereits am Mittwoch verlassen haben. Gleichzeitig ist unklar, wie es mit der Meerenge weitergeht. Laut Präsident Trump soll sie auch nach Abschluss eines endgültigen Abkommens frei befahrbar sein.Die Iraner hingegen wollen in Zukunft für die Durchfahrt Gebühren verlangen – angeblich in Form einer «Umweltabgabe». Trump lehnte das beim G-7-Treffen in Évian diese Woche nochmals entschieden ab. Ob Teheran sich fügen wird, ist aber fraglich. Während des Kriegs kassierten die Revolutionswächter bereits von mehreren Kapitänen eine derartige Maut.Aber auch ohne diese Probleme wird der für die Weltwirtschaft so wichtige Wasserweg nach dem Krieg wohl nie mehr derselbe sein wie zuvor. Denn mit ihrer Sperrung haben die Iraner einen Präzedenzfall geschaffen. Selbst wenn die Wasserstrasse wieder offen ist: Niemand kann ausschliessen, dass Teheran beim nächsten Konflikt wieder zur selben Waffe greift.Passend zum Artikel
Mit Drohnen und Tauchern: Die Strasse von Hormuz soll bald wieder offen sein
Der für die Weltwirtschaft so wichtige Wasserweg sei ab sofort wieder frei, verkündete Präsident Trump am Sonntag. Doch dazu muss er erst einmal von Minen geräumt werden. Die meisten grossen Reedereien warten vorerst lieber ab.











