Tori Penso pfiff um Punkt 12 Uhr pünktlich an, und das ist immer noch eine Nachricht. Also, einerseits, dass ein WM-Spiel mal pünktlich losgeht, die meisten Partien starten mit Verspätung. Andererseits aber auch, dass die 39-jährige US-Amerikanerin als erst zweite Schiedsrichterin der Geschichte ein Spiel der Männer-WM leitete. Die Erste war die Französin Stéphanie Frappart beim Spiel der Deutschen in Katar gegen Costa Rica. Penso ist eine von zwei Schiedsrichterinnen, die für diese WM nominiert wurden, die zweite ist Katia Garcia Mendoza aus Mexiko.Penso stand dann neun Minuten vor dem Ende im Fokus, als ihre Entscheidung Südafrika noch einmal ein wenig Turnierhoffnung gab. Sie wertete, dass Pavel Šulc seinen Arm beim Schuss von Thapelo Maseko leicht abgespreizt hatte – und gab Handelfmeter. Der VAR, Tatiana Guzman aus Nicaragua, intervenierte nicht. Teboko Mokoena verwandelte zum 1:1-Endstand. Tschechien muss sich vorwerfen lassen, das über weite Strecken, na ja, eher durchschnittliche Fußballspiel nicht früher entschieden zu haben. Beide Teams haben nach ihren Auftaktniederlagen gegen Mexiko (Südafrika) und Südkorea (Tschechien) weiter die Chance, durch einen Sieg im letzten Gruppenspiel das Sechzehntelfinale zu erreichen.Fußballgötter:Es ist die reine FreudeMessi, Mbappe, Haaland, Havertz. Die Top-Stürmer erfüllen alle Erwartungen!Vor allem für Südafrika war das Tor kurz vor dem Ende ein unerwartetes Comeback nach einem bisher eher katastrophalen Turnier. Beim Eröffnungsspiel hatte das Team auch noch zwei rote Karten gesehen. Vor allem der Platzverweis und die Drei-Spiele-Sperre gegen Themba Zwane erzürnten Trainer Hugo Broos nachhaltig. Zwane hatte erst nach Intervention des VAR Rot wegen einer Tätlichkeit gesehen. Broos stellte die rote Karte an sich, vor allem aber die Dauer der Sperre infrage: „Wenn ich das mit Messi sehe, kann ich es nicht verstehen. Da wird nicht mal ein Foul gepfiffen“, sagte Broos und spielte auf eine Szene im Spiel der Argentinier an, als Lionel Messi seinem Gegenspieler früh im Spiel mit offener Sohle in die Wade trat. Messi bekam nicht mal Gelb.Broos baute seine Mannschaft gezwungenermaßen um, Tschechiens Trainer Miroslav Koubek nahm im Vergleich zur Auftaktniederlage gegen Südkorea gleich fünf Wechsel vor. Das führte unter anderem dazu, dass neben Stürmer Patrik Schick von Bayer Leverkusen mit Vladimir Coufal, Adam Hlozek und Robin Hranac gleich drei Profis aus Hoffenheim in der Startelf standen.Schon nach sechs Minuten steht es 1:0 für TschechienDie TSG 1899 Tschechien startete ziemlich gut ins Spiel, Schick hatte bereits Sekunden nach dem Anstoß die erste Kopfballchance. Und es ging noch besser weiter. Coufal warf einen seiner bekannten langen Einwürfe die Linie herunter. Dort setzte ich Hlozek durch, schlug einen scharfen Querpass durch die alles andere als optimal gestaffelte Defensive der Südafrikaner. Alexandr Soijka legte auf Michal Sadilek ab, der wegen der konfusen Abwehr des Gegners nicht im Abseits, aber trotzdem frei vor Torhüter Ronwen Williams stand. Er hatte keine Probleme, das 1:0 nach nur sechs Minuten zu erzielen.Es schien für Südafrika früh dahinzugehen, insbesondere Coufal konnte viel zu frei seine noch bekannteren Flanken schlagen. Aber nach gut einer Viertelstunde fing sich Bafana Bafana, kontrollierte über längere Phasen den Ball und wurde über unkonventionelle, aber effektive Diagonaldribblings über das halbe Feld von Maseko auf rechts oder über Aktionen von Oswin Appolis auf links gefährlich.Das Stadion in Atlanta war übrigens angesichts der Ticketpreise und angesichts der Tatsache, dass die Partie Tschechien gegen Südafrika lautete, erstaunlich voll, aber definitiv nicht ausverkauft. Vor allem auf der Gegentribüne zeigten sich große Lücken, die an der offiziellen Zuschauerzahl von 67 442 zweifeln ließen. Offiziell passen bei der WM 68 239 Zuschauer in die riesige Hallenarena. Weder Tschechien noch Südafrika brachten etwa Fanblocks zusammen, die so groß (und laut) waren wie die der Kapverden bei ihrem 0:0 gegen Spanien ein paar Tage zuvor im gleichen Stadion. Ausweislich der Trikots besuchten tatsächlich viele neutrale Fans dieses Spiel. Die hatten jedoch eine nicht neutrale Meinung zur „Trinkpause“. Als Schiedsrichterin Penso nach 22 Minuten zum Wasserfassen bat, buhte ein großer Teil des Stadions vernehmlich.Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten Vladimir Darida und Lukas Cerv die Chance zum 2:0, Williams parierte. Südafrika probierte danach, das Spiel zu gestalten, versuchte sich immer wieder an anspruchsvolleren Kombinationen. Sie wollten hier nicht mauernd untergehen. Das war ehrenvoll und die Zuschauer honorierten es. Allein, es blieb lange bei Versuchen und optimistischen Weitschüssen. Eine echte Gefahr entstand zunächst nicht für das Tor von Kovar. Besonders verzweifelt wirkte es, wenn es Maseko und Appollis gegen die tschechische Abwehr mit Flanken probierten. Der Größenvorteil des Gegners war eindeutig.Auch die zweite „Trinkpause“ wurde vom Publikum mit Buh-Rufen eingeläutet, einmal ging noch der Ball kaputt und musste ausgetauscht werden. Das Spiel plätscherte seinem Ende entgegen – bis Penso auf den Punkt zeigte.