PfadnavigationHomeGeschichteArchäologieIn römischer Zeit badete man in Nimwegen luxuriösVon Antonia KleikampStand: 12:54 UhrLesedauer: 4 MinutenArchäologen bei der Ausgrabung des antiken römischen Badehauses im niederländischen NimwegenQuelle: Stadt Nimwegen/dpaDirekt am Waalufer konnten Reste einer für die Provinzen des Imperium Romanum großen Thermenanlage ausgegraben werden. Das hier entstehende neue Wohnviertel orientiert sich daran und wird Reste bewahren.Den Einwohnern ging es gut. Sogar sehr gut. Vor 1800 bis 1900 Jahren, also im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr., lebten die Menschen in Ulpia Noviomagus Batavorum in beträchtlichem Luxus. Das belegen zehntausende Fundstücke, darunter Teile von Bronzestatuen, Siegelringe und eine Halskette mit goldenem Verschluss. Besonders bemerkenswert: Hunderte Haarnadeln aus Bein (also Tierknochen), die Damen für die aufwendigen Frisuren im römischen Stil benötigten. Wo in der Antike Ulpia Noviomagus Batavorum lag, liegt heute am Südufer des Flusses Waal (dem größeren Mündungsarm des Rheins) die niederländische Stadt Nimwegen (Nijmegen). Ulpia Noviomagus war aus der zivilen Siedlung Oppidum Batavorum entstanden, die neben einem römischen Legionslager lag. Dieses war bereits in augusteischer Zeit auf dem Hunnerberg angelegt worden, einem langgestreckten Hügel, dessen Schmalseite zur Waal zeigt. Lesen Sie auchDas Lager beherbergte mindestens eine Legion, zeitweise die Legio VIII Augusta sowie vermutlich Auxiliartruppen aus Batavern. Dieser westgermanische Stamm war 12 v. Chr. durch den römischen Feldherrn Drusus unterworfen worden und galt fortan als treuer Bundesgenosse Roms, mit allerdings der Ausnahme des Bataveraufstandes 69 n. Chr., der nach gut einem Jahr Dauer mit der Kapitulation des Anführers Iulius Civilis endete. Anschließend wurden die Bataver relativ schnell romanisiert.Davon zeugen die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellten Funde am Ufer der Waal. Auf dem Areal einer Honigfabrik waren bereits 1992 bei deren Erweiterung Reste römischer Bauten gefunden worden, die seinerzeit aber nicht untersucht werden konnten. Das war erst seit 2025 möglich, nach dem Produktionsende der Fabrik und der Aufgabe des umliegenden Industriegebiets. Etwa um das Jahr 100 n. Chr. erhielt die Siedlung westlich des Legionslagers von Kaiser Trajan das Stadtrecht. So erklärt sich der offizielle Name, denn mit vollem Namen hieß dieser Kaiser, der das Imperium Romanum zu seiner größten Ausdehnung führte und deshalb römischen Historikern als „optimus princeps“ galt, Marcus Ulpius Traianus. Lesen Sie auchWohl bald darauf entstanden mehrere große öffentliche Gebäude aus Naturstein. Eines davon waren öffentliche Thermen, die allen Bürgern der Stadt zur Verfügung standen. Neben einem bereits bekannten Heißwasserbad (caldarium) entdeckten die Archäologen bei den Ausgrabungen nun Bauteile, die lauwarme (tepidarium) und kalte Baderäume (frigidarium) enthielten. Diese Teile wurden später an das ursprüngliche Bad angebaut; das stützt die These, der Wohlstand der Thermen und damit der Stadt sei im Laufe der Zeit gewachsen. Allerdings könnte es auch sein, dass ältere Baderäume im Zuge der Erweiterung ersetzt oder separate Bäder für Männer und Frauen geschaffen wurden. Mit einer Fläche von mindestens 4900 Quadratmetern war der gesamte Badekomplex von Ulpia Noviomagus mit Sicherheit doppelt so groß wie die bereits bekannten öffentlichen Thermen der römischen Siedlung Forum Hadriani (dem heutigen Voorburg, einem Vorort von Den Haag) mit etwa 2200 Quadratmetern und Coriovallum (heute Heerlen zwischen Maastricht und Aachen) mit etwa 2500 Quadratmetern. Zum Vergleich: Die größten römischen Thermen, die spätantiken Diokletiansthermen in Rom, hatten eine Grundfläche von etwa 140 000 Quadratmetern. Die etwa zeitgleich mit der Anlage in Nimwegen entstandenen Trajansthermen, ebenfalls in Rom, maßen 100 000 Quadratmeter, die Barbarathermen in Trier immerhin 42 500 Quadratmeter. Doch die meisten Thermenanlagen in den Provinzen nördlich der Alpen waren kleiner – etwa die Großen Thermen der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (dem heutigen Köln) mit 18 000 Quadratmetern oder die Thermen der ebenfalls auf Trajan zurückgehenden Siedlung Colonia Ulpia Traiana (heute: Xanten) mit 11 500 Quadratmetern.Lesen Sie auchIn Nimwegen wurden besonders kostbare Baumaterialien verwendet, die dem Thermenkomplex ein luxuriöses Erscheinungsbild verliehen: Die Innenwände der Bäder waren mit Marmor verkleidet, die Böden bestanden aus schwarz-weißen Kalksteinfliesen. In anderen Räumen wiesen die Wände farbig bemalten Stuck auf. Dekorative Gesimse aus Kalk- und Sandstein waren in die Fassaden eingearbeitet. Auch Säulen aus Kalk- und Sandstein wurden im Thermengebäude verwendet.An der Ausgrabungsstätte am Waalufer soll ein neues Wohngebiet entstehen. „Lange waren die Spuren der römischen Vergangenheit an diesem Ort unsichtbar, tief unter der Erde verborgen“, sagte Joost Mulder, der Regionaldirektor Nordost & Mitte des Immobilienentwicklers BPD: „Jetzt ist diese Geschichte sichtbar geworden.“ Die Spuren der Vergangenheit sollen auch in Zukunft erhalten bleiben. Einige Wohngebäude werden überdachte, mit Säulenreihen versehene Wege bekommen – eine Kolonnade wie in römischer Zeit. Der Platz in der Mitte des neuen Viertels, dessen Gestaltung vom Grundriss der Thermenanlage inspiriert sei, solle „Thermenplein“ heißen, erklärte Mulder: „Eine direkte Anspielung auf den römischen Treffpunkt, der sich hier vor rund 2000 Jahren befand.“Nimwegens Stadtgeschichte wird durch die aktuellen Ausgrabungen um weitere Puzzleteile ergänzt. „Es ist wunderbar, dass wir so viele neue Informationen über unsere römische Vergangenheit gefunden haben“, sagte der für das Kulturerbe zuständige Stadtrat Tobias van Elferen: „Die Funde zeigen einmal mehr, dass Nimwegen die wichtigste römische Siedlung in den Niederlanden und eine blühende Stadt war, in der man sich auch hervorragend erholen konnte.“klei / sfk
Archäologie: In römischer Zeit badete man in Nimwegen luxuriös - WELT
Direkt am Waalufer konnten Reste einer für die Provinzen des Imperium Romanum großen Thermenanlage ausgegraben werden. Das hier entstehende neue Wohnviertel orientiert sich daran und wird Reste bewahren.









