Opel wird seinen nächsten Astra wieder in Rüsselsheim bauen. Das ist eine schöne Nachricht für den geschundenen Stammsitz der stolzen Marke. Es verbinden sich zwei Fragen damit: Wird er nur vollelektrisch angetrieben sein oder auch einen Benzinmotor bekommen? Wie wird der elektrische Antriebsstrang entstehen? Zur ersten Frage sagt Opel-Chef Florian Huettl, er denke noch nach. Zur zweiten sagen wir: wahrscheinlich mit Leapmotor.Die Chinesen gehören wie Opel in die Stellantis-Vielmarkenwelt. Sie entwickeln für die Rüsselsheimer ein SUV in der 4,50-Meter-Klasse. Ihre Expertise im Elektrischen ist offenbar der anderer Familienmitglieder voraus. Was das Fahrgefühl angeht, trifft das Gegenteil zu. Wie zu erleben am neuen Leapmotor B05. Das Modell ist ein adrett gezeichneter Vertreter der Kompaktklasse, der in diesen Tagen auf den Markt kommt und mit 28.000 Euro Einstiegstarif hellhörig macht.Adrett bis zum Schluss, jedenfalls außenLeapmotorOfferiert werden 4,43 Meter Länge, 218 PS, Hinterradantrieb, 345 erweiterbare Liter Kofferraumvolumen, je nach Wahl 56 oder 67 kWh Akkukapazität, 168 kW Schnellladetempo, rund 400 oder 480 Kilometer Normreichweite sowie 6,7 Sekunden von null auf Tempo einhundert und 170 km/h Höchstgeschwindigkeit. So weit, so ordentlich.Eine erste Probefahrt holt uns auf den Asphalt der Tatsachen zurück. Die Abstimmung sei mit den italienischen Experten in Balocco entstanden, wird hervorgehoben, womit Fiat-Alfa und der dortige Handlingkurs gemeint sind. Mehr als völkerverständigender Genuss von Espresso kann kaum geschehen sein. Fahrwerk und Lenkung des B05 sind teigig, rückmeldungsarm, unpräzise, entkoppelt. Wo die Räder stehen, wird am Lenkrad nie richtig klar. Der Fahrer hockt auf einem zu kurzen und haltlosen Sitz, der Platz auf der Beifahrerseite ist schlicht unbequem. Dass quasi alle Einstellungen bis hin zum Sonnenrollo für das hübsche Glasdach über den Touchbildschirm geschehen müssen, wird nicht dadurch besser, dass auch andere diesen Unfug versuchen.Clean, knopflos, rechts die Ausbuchtungen sind da, um was reinzuhängen wie ein iPad, falls man darf.LeapmotorSieben Airbags sorgen für Sicherheit, 21 Assistenzsysteme wachen und überwachen. Letzteres ist eine verhängnisvolle Symbiose aus Brüsseler Befehlen und chinesischem Gehorsam. Es bimmeln ständig irgendwelche Warnhinweise, dauernd leuchten sinn- und anlassfrei Mahnungen auf, allzu oft greift eine unsichtbare Computerhand übereifrig ins Lenkgeschehen ein. Das verdirbt jede Freude am Fahren, die der schwungvoll, nicht raketenartig ausgelegte Elektroantrieb an sich bietet. Unter der Fronthaube warten statt Ablagefach rustikale Verschraubungen, dies als ein Hinweis auf etwaige Liebe zum Detail.Leapmotor mag es so versuchen. Aller Anfang ist bekanntlich schwer, der Preis ist heiß, die Konkurrenz wird aufmerksam hinschauen. Für einen Opel reicht das Gebotene bestimmt nicht. Hoffen wir jedenfalls.