Manche Trainer dieser WM hätten das Problem vermutlich gern: Wie umgehen mit einem mehrmaligen Weltfußballer, der sich selbst als größten Spieler aller Zeiten sieht, aber über den Zenit seines Schaffens hinaus ist? Die Trainer von Portugal und von Argentinien werden die Herausforderung gleichwohl als groß empfinden: Lionel Messi (demnächst 39 Jahre) und Cristiano Ronaldo (41) haben beschlossen, ihre jeweils sechste WM zu spielen.F.A.Z.Dass das allein ihre Entscheidung war und nicht die ihrer Trainer, erschließt sich angesichts ihrer Popularität von selbst. Am Beispiel Brasiliens ist zu sehen, dass selbst eine Trainer-Autorität wie Carlo Ancelotti nicht an der Nominierung von Neymar vorbeikommt.Nun ist es anders als im Fall von Neymar nicht so, dass Ronaldo und Messi nur von ihrem Legendenstatus zehrten. Der Portugiese, der sich klugerweise längst zum Strafraumstürmer gewandelt hat, strahlt als solcher durchaus noch einige Gefährlichkeit aus, wie die deutsche Nationalmannschaft im vorigen Jahr im Halbfinale der Nations League erfahren musste. Und der Argentinier glänzt in der MLS regelmäßig.Aber beide Superstars sind in ihrer Nationalmannschaft Teil von Kadern, die auf fast allen Positionen mit Stars aus europäischen Spitzenclubs besetzt sind. Dass Messi und Ronaldo für ihre Teams über 90 Minuten – ganz zu schweigen von möglichen Verlängerungen – eine Verstärkung darstellen, muss als ausgeschlossen gelten.Man wüsste gern, wie die Rollengespräche im Trainingslager der beiden Topfavoriten auf den Titel verlaufen. Wie hoch ist der Puls von Portugals spanischem Trainer Roberto Martinez, wenn er Ronaldo einen Platz auf der Bank nahebringen möchte? Schläft der argentinische Trainer Lionel Scaloni schlecht, bevor er Messi mitteilt, dass er erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt werden soll?Aber vielleicht liegen die Dinge auch ganz anders. Womöglich haben die beiden die Größe, von sich aus eine Teilzeitrolle anzubieten. Nicht ausgeschlossen, dass sich die beiden Prätendenten auf den Thron des GOAT bei dieser Weltmeisterschaft darum duellieren werden, wer sich stärker in den Dienst der Mannschaft stellt. Für Ronaldo wäre eine solche Selbstbescheidung sicherlich die größere Herausforderung. Vom Typ her. Aber auch, weil er, anders als Messi, den Weltpokal noch nicht gewonnen hat.Ein solcher Wettbewerb wäre jedenfalls eine schöne Pointe dieser WM, die bisher vor allem von den beiden Groß-Egos Donald Trump und Gianni Infantino geprägt ist. Das Duo horribile würde über ein solches altruistisches Verhalten mutmaßlich verächtliche Scherze machen. Aber dem Rest der Welt dürfte es gefallen.In der WM-Kolumne „Freistoß“ beleuchten wir die Welt des Fußballs aus feuilletonistischer Sicht.