PfadnavigationHomeSportFußballWMLionel Messis Gala„Man muss kein Argentinien-Fan sein, um zu bewundern, was er mit 38 Jahren vollbringt“Stand: 12:57 UhrLesedauer: 5 MinutenDer amtierende Weltmeister Argentinien trifft im ersten Spiel bei dieser WM auf Algerien. Lionel Messi spielt seine sechste WM und zeigt eine herausragende Leistung. Mit drei Toren stellt er den WM-Rekord von Miroslav Klose ein. Die Highlights im Video.Gleich beim ersten WM-Auftritt beweist Lionel Messi, dass er nichts von seiner Genialität eingebüßt hat. Mit 38 Jahren trifft er beim 3:0 über Algerien dreimal. Das Team, der Trainer und auch Kritiker sind begeistert.Der Triumphzug begann mit einem sportlichen Desaster. 1:2 gegen den krassen Außenseiter Saudi-Arabien. Lionel Messi und die anderen Hochbegabten trotteten danach wie begossene Pudel vom Feld des Lusail-Stadions von Doha. Das war 2022.Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar hatte gerade ihre erste handfeste Sensation erlebt. Und rein gar nichts deutete in jenen Momenten darauf hin, dass Messi als Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft 27 Tage nach der peinlichen Schmach den WM-Pokal in die Höhe würde strecken dürfen.Zuvorderst der seinerzeit 34 Jahre alte Superstar hatte nach dem Debakel im ersten Gruppenspiel sein Team als absoluter Leader durchs Turnier geführt und den Grundstein für den dritten Titelgewinn der Albiceleste gelegt. An ihm richteten sich die Kollegen auf. Der kleine Mann mit dem genialen linken Fuß schien nun auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu sein: endlich Weltmeister. Und das im fünften Anlauf. Da konnte er auch die seltsam verlaufene Siegerehrung, bei der ihm der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, ein landestypisches Gewand namens Bischt umhing, mit einem Lächeln im Gesicht verkraften.„All das ist ein Bonus“, sagt MessiSeit der Nacht zum Mittwoch meinen indes nicht wenige, dass nun wieder eine WM folgen könnte, der Messi seinen Stempel aufdrückt. Denn im Gegensatz zu 2022 stellte schon der erste Auftritt der Argentinier bei diesem Turnier eine Machtdemonstration dar. 3:0 (1:0) gegen Algerien, alle drei Tore durch den alten Mann, der inzwischen sein Geld bei Inter Miami in der nordamerikanischen Major League Soccer verdient. Mit nunmehr 16 WM-Treffern stellte er den Rekord von Deutschlands Stürmer Miroslav Klose ein. Selbst im Fußballer-Rentenalter von 38 Jahren scheint er nichts von seiner Spielfreude, den explosiven Dribblings und seiner Torgefahr eingebüßt zu haben. „Ich spiele gerne Fußball, das ist seit meiner Kindheit meine Leidenschaft, und wenn ich in Form bin, gebe ich alles“, sagte er nach seiner weltmeisterlichen Gala vor 69.045 Zuschauern im Football-Tempel von Kansas City. Lesen Sie auch„Als Kind hätte ich mir nie vorstellen können, was ich alles erleben würde. All das ist ein Bonus“, erklärte Messi weiter. „Ich habe alles erreicht und noch mehr, und ich genieße es – diese wunderbare Mannschaft und das Gefühl, auf dem Platz wieder ganz in meinem Element zu sein, so wie ich es immer geliebt habe.“Nach dem nächsten Meilenstein seiner ohnehin schon beeindruckenden Karriere schüttelte Messi noch auf dem Feld den Kopf. Möglicherweise hatte er jene unfassbar anmutende Leistung zuvor selbst nicht so recht für möglich gehalten. Schließlich gab es nicht wenige Experten, die offen Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Offensivmannes hatten und die Frage in den Raum stellten, warum sich Messi vier Jahre nach den glorreichen Tagen von Katar überhaupt noch eine weitere anstrengende Weltmeisterschaft zumuten würde.Entsprechend genüsslich wurde nun der erste Auftritt des Genies vor allem in seiner Heimat kommentiert. „Willkommen zurück, ihr Experten des Pessimismus. Macht euch darauf gefasst, dass die Nummer 10 hier ist“, schrieb die Zeitung „Olé“ über den Auftritt. „Messi ist die WM“, stellte „La Nacion“ kurzerhand fest. Und „Clarín“ fasste den Auftritt folgendermaßen zusammen: „Mit einem bestialischen Lionel Messi startete Argentinien mit einem Paukenschlag in die Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft 2026.“Nur zwei Nationen ist es in der WM-Geschichte gelungen, den Titel zu verteidigen: Italien 1934 und 1938 sowie Brasilien mit dem legendären Pelé 1958 und 1962. Ob Messi nun weiter an seiner sportlichen Unsterblichkeit arbeitet und wie aussagekräftig das 3:0 gegen Algerien – die Nummer 28 der Fifa-Weltrangliste – überhaupt war, wird sich im Turnierverlauf zeigen. Nächste Gegner sind in der Vorrunde zunächst einmal Österreich am 22. Juni sowie Jordanien am 28. Juni.„Man muss es genießen“Messi jedenfalls scheint bereit für weitere Großtaten. In seinem 200. Länderspiel für die Albiceleste zauberte der 1,70 Meter große Fußballer wie zu besten Zeiten. „Man muss es genießen, denn wir werden ihn vermissen, wenn er nicht mehr auf dem Platz steht“, sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni. „Wir sind noch immer erstaunt, obwohl wir ihn jeden Tag sehen. Man muss kein Argentinien-Fan sein, um zu bewundern, was er im Alter von 38 Jahren vollbringt.“Und Alexis Mac Allister, einer von 17 Weltmeistern im Kader der Argentinier, würdigte den Status seines Mitspielers: „Es gibt keine Worte mehr, um das zu beschreiben. Wenn jemand dachte, diese Mannschaft sei ohne Leo besser, dann ist heute klar geworden, dass er der Wichtigste von allen ist und wir eine Mannschaft aufstellen müssen, in der er sich wohlfühlt, denn er ist der Wichtigste von allen.“Die Lobhudelei wäre vermutlich anders ausgefallen, wenn Messi für ein rüdes Foulspiel die durchaus gerechtfertigte Rote Karte gesehen hätte. Beim Stand von 1:0 trat der Kapitän seinem Gegenspieler Aissa Mandi von hinten in die Wade. Schiedsrichter Szymon Marciniak sprach aber gar keine Verwarnung aus, auch der VAR griff nicht ein. Zum Unverständnis von Patrick Ittrich. Der Unparteiische aus Hamburg, der gerade seine Karriere beendet hatte, fasste die umstrittene Szene bei MagentaTV zusammen: „Das ist eigentlich regeltechnisch eine Rote Karte. Wenn ich das so auf dem Platz wahrgenommen hätte, hätte ich Rot gegeben“, so Ittrich. „Es gibt drei Kriterien: die Chance, den Ball zu spielen, das Trefferbild und die Dynamik. Wenn zwei dieser drei Merkmale erfüllt sind, kannst du eigentlich immer eine Rote Karte geben. Hier sind jetzt locker zwei erfüllt.“