Das Spiel zwischen Argentinien und Algerien war zu zwei Dritteln gespielt, da begannen die Huldigungen. Wann immer Lionel Messi den Ball berührte, ganz gleich ob er ihn an einem Gegenspieler vorbeidribbelte oder nur gemächlich mit ihm zur Ausführung einer Ecke schlenderte, zeigten die Fans Gesten der Unterwerfung.Mit ausgestreckten Armen verbeugten sie sich vor der außergewöhnlichen Leistung eines außergewöhnlichen Mannes. Das amerikanische Fernsehen fing einige ein, denen Tränen über das Gesicht liefen.Ganz Kansas City war verzückt oder entrückt ob des Schauspiels, das sich da im Stadion vor den Augen der Welt abspielte. Auf die gesamte Karriere von Lionel Messi bezogen, wäre die Sicht erlaubt gewesen, es handele sich um einen ganz normalen Abend, Business as usual, aber das war es natürlich nicht.„Hatte zuletzt eine schwere Zeit“Messi schoss beim 3:0 des Weltmeisters gegen Algerien alle drei Tore, es waren seine Treffer 14, 15 und 16 bei Weltmeisterschaften. Damit egalisierte er den Rekord von Miroslav Klose. Noch ein Tor im weiteren Turnierverlauf, und er ist alleiniger Rekordhalter.Wie er diesen besonderen Moment denn feiern werde, wurde Messi noch am Spielfeldrand gefragt. „Mit der Familie und mit meinen Freunden in der Kabine“, sagte er und lächelte so entspannt, wie es nur jemand kann, der Zufriedenheit und Erleichterung verspürt. „Ich hatte zuletzt eine schwere Zeit, ich danke meiner Familie und meinen Teamkameraden, die immer für mich da waren“, sagte Messi. Gemeint waren die von Verletzungen geprägten Wochen vor Turnierbeginn. Oberschenkelprobleme verhinderten eine gezielte Vorbereitung. Zum Auftakt war er aber auf den Punkt fit.Lionel Messi hat während seiner langen Karriere so allerlei Rekorde aufgestellt, drei Treffer bei einem Spiel einer Weltmeisterschaft waren aber auch ihm noch nicht gelungen. Das änderte sich just an dem Tag, an dem er vor genau 20 Jahren in Gelsenkirchen sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft geschossen hatte. Es war nicht seine einzige Bestmarke an diesem Abend, ganz nebenbei wurde er auch zum ersten Spieler, der bei sechs Endrundenturnieren zum Einsatz kam. „Das ist ein wirklich schöner Moment“, sagte Messi. Überschwänglicher äußerte sich sein Trainer. „Ich bin sprachlos. Was soll ich sagen? Er ist einfach unglaublich“, sagte Lionel Scaloni und sprach damit gleichzeitig für die meisten Anwesenden.Personenkult ist im amerikanischen Sport besonders ausgeprägt, insofern bot Kansas City die perfekte Bühne für die Rekordshow des für viele besten Fußballers der Geschichte. In den Boxen, von denen aus Sängerin Taylor Swift sonst die Footballspiele der Kansas City Chiefs verfolgt, saß deren Quarterback Patrick Mahomes, selbst einer der Größten seines Sports, und bestaunte, was Messi da auf seinem Rasen veranstaltete. Einmal fingen die Kameras Mahomes dabei ein, wie er mit offenem Mund den Kopf schüttelte.Argentinien hatte erstaunlich wenige ProblemeNeben allen historischen Marken war es vielleicht auch ein Hauch von Überraschung, der die Menschen so entzückte. Sicher, die Oberschenkelverletzung sorgte für einige Zweifel, aber Lionel Messi ist inzwischen auch schon 38 Jahre alt, in wenigen Tagen wird er 39. Längst spielt er nicht mehr in den hochwertigen Wettbewerben Europas, sondern lässt seine Karriere im sonnigen Miami ausklingen. Zu den Fragen, die Argentiniens Start in diese Weltmeisterschaft umgab, gehörte auch jene, welchen Beitrag Messi im hohen Sportleralter noch leisten kann. Die Antwort kam einer Naturgewalt gleich.Um ein paar Zentimeter hätte er beinahe noch ein viertes Tor geschossen, aber sein Treffer in den Anfangsminuten fand wegen einer knappen Abseitsstellung zu Recht keine Anerkennung. In der Folge hätte es die Messi-Show beinahe nicht gegeben, für ein hartes Foul an Algeriens Kapitän Aissa Mandi hätte es einen Platzverweis geben können, wenn nicht müssen. Vom Schiedsrichter aber gab es nicht mal eine Verwarnung.Im Gastgeberland USA war dieser sechste Turniertag mit besonderer Spannung erwartet worden. Es war der Tag, an dem Kylian Mbappé, Erling Haaland und Lionel Messi ins Turnier eingriffen, die drei wohl umschwärmtesten Fußballer dieser Tage. Mbappé und Haaland hatten in ihren Auftaktbegegnungen jeweils zweimal getroffen. Messi setzte noch einen drauf, so, als wollte er seinen jüngeren Herausforderern zurufen: „Nur Geduld, meine Zeit ist noch nicht vorbei.“Messis Darbietung überstrahlte einen gelungenen Auftakt des Weltmeisters, der mit Algerien erstaunlich wenig Probleme hatte. Nur einmal mussten die zahlreichen Fans in Himmelblau-Weiß den Atem anhalten, als der vermeintliche Führungstreffer der Afrikaner wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen wurde. Danach übernahm Argentinien, Messi erzielte mit einem Distanzschuss das 1:0. Algeriens Torwart Luca Zidane, Sohn des französischen Weltmeisters Zinedine, sah dabei ebenso wenig glücklich aus wie beim zweiten Tor von Messi, als er einen Distanzschuss nach vorn abprallen ließ, den Messi nur noch einschieben musste.Algerien, das mit Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen in der Startelf begann, machte es Argentinien nicht allzu schwer. Das wusste auch Lionel Scaloni einzuordnen. „Wir werden jetzt nicht selbstgefällig“, sagte Argentiniens Trainer. „Es gibt uns lediglich ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir es selbst in der Hand haben und es jedem Gegner schwer machen können, uns zu schlagen.“Die Vorrunde dürfte insgesamt kaum als Gradmesser für den wahren Leistungsstand des Weltmeisters taugen. Im nächsten Spiel geht es gegen die von Ralf Rangnick trainierten Österreicher, zum Abschluss wartet Außenseiter Jordanien. Die Botschaft, die von den Argentiniern ausging, fasste am treffendsten „US Today“ zusammen. Dort stand: „Die WM-Anwärter und Rivalen in Gruppe J, die darauf gehofft hatten, dass der vorher verletzte Lionel Messi Argentiniens WM-Mission nur mit Mühe überstehen würde, erhielten am Dienstagabend eine schreckliche Nachricht: Messi ist so gut wie eh und je.“
Fußball-WM 2026: Lionel Messis Rekordshow mit Argentinien gegen Algerien
Vor der WM umgab die Argentinier die Frage, welchen Beitrag Lionel Messi noch leisten kann. Die Antwort kommt einer Naturgewalt gleich. Der Stürmer liefert eine Rekordshow und rührt Zuschauer zu Tränen.












