Thierry Henry gehört zu den prominentesten Fernsehexperten dieser Weltmeisterschaft. Seine Auftritte an der Seite von Zlatan Ibrahimović gehören zu den medialen Höhepunkten des Turniers. Henrys Analysen sind von Fachkenntnis geprägt, garniert mit Charisma und Wortwitz. Nach dem Spiel zwischen Portugal und der Demokratischen Republik Kongo wandte sich der ehemalige Weltmeister mit ernstem Gesicht in Richtung Kamera und sprach: „Die Mannschaft braucht Tore, nicht du!“Die Worte waren an Cristiano Ronaldo gerichtet, der zuvor allzu offensichtlich versucht hatte, einen Treffer zu erzielen. Besonders eine Szene Mitte der zweiten Halbzeit sorgte für Empörung. Der eingewechselte Francisco Conceição war in den Strafraum eingedrungen und wollte auf Bruno Fernandes zurücklegen. Ronaldo aber lief in den Passweg und schoss selbst aus einem ungünstigen Winkel. Dem besser postierten Fernandes blieb nur der entsetzte Griff ins eigene Haupthaar.Ronaldo bricht noch Rekorde – nur nicht mehr die, die ihm lieb sindPortugals missglückter Auftakt gegen die Demokratische Republik Kongo deckte allerlei Schwachstellen des Titelanwärters auf. Am dringlichsten aber zeigte das 1:1, dass sein vermeintlicher Trumpf Cristiano Ronaldo, der fünfmalige Weltfußballer, zum Problem werden könnte. Sehr offensichtlich wurde, dass Ronaldo versuchte, selbst ein Tor zu schießen. Viele Schwergewichte des Weltfußballs hatten in ihren Auftaktspielen getroffen: Erling Haaland und Kylian Mbappé doppelt, Lionel Messi sogar dreifach. Da wollte Ronaldo nicht hinten anstehen.Die drängende Frage, die sich nicht erst seit dem Auftaktspiel stellt, lautet nur: Gehört dieser Ronaldo überhaupt noch dieser elitären Gruppe an? Selbst der Gegner wollte da verneinen. „Er ist nicht mehr der Alte, er ist ein bisschen älter“, sagte Kongos Mittelfeldspieler Ngal’ayel Mukau. Das war, gemessen an den Fakten, eine sehr höfliche Umschreibung für die schwache Leistung des ehemaligen Ausnahmekönners, der immer noch Rekorde aufstellt. Nur eben nicht mehr die, die ihm lieb wären.Durch seinen Einsatz wurde Ronaldo zum ältesten Feldspieler der WM-Historie, 41 Jahre ist er inzwischen alt. Gegen die Republik Kongo wirkte er auch so. Sein Bewegungsradius war überschaubar, im ganzen Spiel kam er nur auf 25 Ballkontakte. Niemand auf dem Feld hatte weniger, nicht einmal der eigene Torhüter. Diogo Costa berührte immerhin 37 Mal den Ball. Auch andere Zahlen sprechen nicht für ihn. Seit zehn Spielen wartet er bei großen Turnieren auf ein Tor, zuletzt traf er zum Auftakt der WM 2022 gegen Ghana – per Elfmeter. Das letzte Tor aus dem Spiel heraus liegt noch länger zurück (EM 2021).„Nichts hat gefehlt. So ist einfach der Fußball“, sagt RonaldoImmer offensichtlicher wird, dass Ronaldo, der seit drei Jahren für Al-Nassr in Saudi-Arabien spielt und dort regelmäßig trifft, auf dem höchsten Niveau nicht mehr mithalten kann. Nur deckt sich seine Selbstwahrnehmung traditionell nicht mit den Zahlen, die ihm nicht schmeicheln. „Was hat gefehlt? Nichts hat gefehlt. So ist einfach der Fußball. Wir hätten gewinnen, aber auch verlieren können“, sagte Ronaldo nach dem Spiel. Zur eigenen Leistung äußerte er sich nicht, auch auf Social Media hielt er es allgemein. „Das war nicht der Start, den wir uns gewünscht haben, aber es ist noch längst nicht vorbei“, schrieb er da.Das ist natürlich richtig, aber die kommenden Spiele gegen Usbekistan und Kolumbien werden nicht leichter, die Erwartungshaltung im Land ist hoch. „So wird der Traum von der Weltmeisterschaft schwer zu verwirklichen sein“, schrieb die Sporttageszeitung „A Bola“ nach dem 1:1. Seit die Mannschaft im vergangenen Sommer die Nations League gewann, träumt Portugal vom ersten WM-Titel. Die Mannschaft verfügt über einen der bestbesetzten Kader. Das Mittelfeld mit Vitinha, Bruno Fernandes und João Neves, der Portugal früh in Führung brachte, ehe Kongo noch Mitte der ersten Halbzeit durch Wissa ausglich, ist vielleicht das qualitativ hochwertigste überhaupt. Allein drei Spieler vom Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain standen in der Startelf, der Rest ist bei kaum weniger potenten Klubs angestellt.
Fußball-WM 2026: Wird Cristiano Ronaldo zum Problem für Portugal
Mit 41 Jahren ist Cristiano Ronaldo nun der älteste Feldspieler der WM-Geschichte. In Portugals Team droht der Superstar zur Belastung zu werden.












