Ein wichtiges deutsches Raumfahrtprojekt ist in den vergangenen Wochen ein wenig in den Hintergrund gerückt: Das Münchner Start-up Isar Aerospace will seine erste Transportrakete namens Spectrum in den Erdorbit schießen. An diesem Montag sollte sich um 22 Uhr deutscher Zeit wieder ein Startfenster öffnen, in dem solch ein Flug möglich ist. Das Unternehmen musste den Start jedoch erneut verschieben – wegen Problemen mit den Flüssigkeitssystemen. „Die Teams analysieren derzeit die neuen Daten, um die Ursache zu ermitteln“, so Isar in einer kurzen Mitteilung auf ihrer Webseite. Einen neuen Starttermin gibt es noch nicht. Doch es gibt womöglich eine weitere Chance in dieser Woche: Das Startfenster umfasst den Zeitraum bis zum Sonntag, 21. Juni, letztlich muss aber auch das Wetter passen. Insbesondere starker Wind kann einen Start verhindern.Auch einen Versuch Mitte April hatte die Firma wegen des Lecks in einem Druckbehälter abbrechen müssen. „Es steht außer Frage, dass wir die Umlaufbahn erreichen und einen zuverlässigen Zugang zum Weltraum demonstrieren werden“, so Firmengründer Daniel Metzler in einer früheren Stellungnahme. „Startabbrüche gehören zur Raketenindustrie, jedes erfolgreiche Raketenunternehmen hat das schon erlebt.“ Jeder Versuch liefere wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse auf dem Weg in den Erdorbit.Ende März vergangenen Jahres war der erste Versuch, den sogenannten Microlauncher Spectrum ins All zu befördern, bereits nach 30 Sekunden beendet. Probleme mit einem Ventil und der Stabilität der Rakete zwangen die Ingenieure von Isar Aerospace dazu, den Start abzubrechen, der Aufstieg endete in einem Feuerball. Die Gründer konnten nach eigenen Angaben aber viele Daten sammeln, die in die weitere Entwicklung der Rakete einflossen.Im Sommer soll auch eine Rakete der Rocket Factory Augsburg startenIm Januar dieses Jahres hatten die Münchner dann eine zweite Rakete startbereit an der Rampe in Andøya, doch es gab erneut Probleme mit einem Ventil. Im März schließlich musste das Unternehmen den Countdown abbrechen, weil ein norwegisches Fischerboot die Sperrzone unbefugt befahren hatte. Dadurch war die mögliche Zeitspanne von 15 Minuten überschritten worden. Grund für den engen Zeitrahmen ist, dass es sich um einen Qualifikationsflug handelt, in dem die Firma beweisen muss, dass es ihre Rakete in einem festgelegten Zeitfenster starten kann. Dass wieder ein Boot den Start verhindert, soll diesmal ausgeschlossen werden. Die Polizei hat auf Antrag des Startplatzbetreibers im zeitlichen und geografischen Umfeld des geplanten Starts ein Verbot für den allgemeinen Land- und Seeverkehr angekündigt.Isar Aerospace hat die Chance, die erste deutsche Rakete in eine Erdumlaufbahn zu befördern, sie kann eine Tonne transportieren. In Zeiten, in denen Europa neben den größeren Esa-Raketen Ariane und Vega weitere Zugänge ins All braucht, wäre das ein weiterer Schritt zu mehr europäischer Souveränität. Das 2018 gegründete Unternehmen eröffnet demnächst eine neue Fabrik im Osten von München, um dort mittelfristig bis zu 40 Raketen pro Jahr zu bauen. Isar Aerospace ist das erste deutsche Raumfahrt-Einhorn, wird also mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet, und hat gerade weitere 270 Millionen Euro eingesammelt.Mit der Rocket Factory Augsburg steht unterdessen eine weitere deutsche Microlauncher-Firma vor dem Erststart. Die Premiere der Tochter der Bremer Raumfahrtfirma OHB soll voraussichtlich im Sommer von einem Startplatz auf den Shetlandinseln aus stattfinden.