Natürlich hat Isar Aerospace mit seinem zweiten Testflug ein großes Marketingrad gedreht. Dass nun auch der vierte Startversuch gescheitert ist, mögen manche als schweren Rückschlag werten. Doch in der Raumfahrt gehört das Scheitern dazu, weil daraus wichtige Lehren gezogen werden können. Dem Münchner Raumfahrt-Start-up ist es zuzutrauen, dass der zweite Testflug in diesem Jahr dann doch für kurze Zeit von der Startrampe am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya abhebt.Die Mannschaft um Vorstandschef und Gründer Daniel Metzler war sich schon zuvor darüber im Klaren, dass der Testflug einer Rakete mit vielen Unabwägbarkeiten verbunden ist. Selbst SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat vier Versuche benötigt, um in den Weltraum zu gelangen. Inzwischen ist das US-Unternehmen an die Börse gegangen und wird dort mit zwei Billionen Dollar bewertet. Der Börsengang spülte 75 Milliarden Dollar in die Kassen.SpaceX eilt davonIn der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Isar Aerospace mit zwei Milliarden Euro bewertet. Das mag für ein europäisches Raumfahrt-Start-up viel sein, aber der Abstand zu SpaceX erscheint aus heutiger Sicht nahezu uneinholbar. Das bedeutet für Europa einen enormen Nachholbedarf. In den Vereinigten Staaten gab es im vergangenen Jahr 189 Raketenstarts, in Europa dagegen nur acht. Europäische Satelliten, auch die für die Verteidigung, müssen noch immer zu einem großen Teil mit Hilfe von SpaceX-Raketen ins All befördert werden.Das kann nicht im strategischen Interesse von Europa und Deutschland sein. Um hier souverän zu werden, spielen junge Raumfahrtunternehmen wie Isar Aerospace oder Rocket Factory Augsburg eine entscheidende Rolle. Dessen müssen sich die Unternehmen bewusst sein und nun zeigen, dass Europa Raumfahrt beherrscht.Das Wissen dazu ist vorhanden. Isar Aerospace kann und soll hier auf das Know-how der zahlreichen Technik-Start-ups und Rüstungsunternehmen am Standort München zurückgreifen.Isar-Aerospace-Chef Metzler kann und muss das Umfeld nutzen, wenn er in diesem Jahr einen erfolgreichen zweiten Testflug schaffen will. Ein fünfter Fehlversuch wäre zweifellos eine Enttäuschung, die das Start-up in seiner Entwicklung zurückwerfen kann.Das gilt vor allem für die Motivation der Mitarbeitenden – deren Expertise auch in anderen Unternehmen gefragt ist.