Graubünden erlebt einen grossen Siegeszug der SVP – Valérie Favre Accola in die Regierung gewähltDie Kantonalwahlen im Bündnerland stehen im Zeichen eines Rechtsrutsches: Die SVP erobert einen Sitz in der Regierung zurück und wird im Grossen Rat überraschend stärkste Kraft.Peter Jankovsky, Chur14.06.2026, 17.20 Uhr3 LeseminutenDie neu gewählte Bündner Regierungsrätin Valérie Favre Accola (rechts) umarmt die ihr unterlegene Nora Saratz Cazin (GLP).Gian Ehrenzeller / KeystoneDas Bündnervolk hat die Davoser SVP-Frau und Grossrätin Valérie Favre Accola neu in die fünfköpfige Kantonsregierung gewählt. Damit hatte man mehr oder minder gerechnet. Und damit bügelt die Volkspartei eine riesige Schmach aus: Diese erlitt sie vor achtzehn Jahren, als sie wegen der Wirren um die damalige frisch gewählte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf aus der Kantonsregierung flog.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit Favre Accolas Wahl verliert die Mitte ihre absolute Mehrheit in der Kantonsregierung. Sie hat nur noch zwei Sitze inne, welche die Bisherigen, Baudirektorin Carmelia Maissen (34 519 Stimmen) und Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff (40 153 Stimmen), besetzen. Das beste Ergebnis verbucht für sich mit 42 299 Voten der freisinnige Finanzdirektor Martin Bühler. Der sozialdemokratische Justizdirektor Peter Peyer hingegen muss von den bisherigen Regierungsmitgliedern mit 32 856 Stimmen das schlechteste Ergebnis hinnehmen. Er geriet kurz vor den Wahlen wegen des Misoxer Mafia-Skandals in die Schlagzeilen.Auf Platz fünf folgt mit 32 141 Stimmen Valérie Favre Accola. Sie nimmt ab Januar 2027 in der Kantonsregierung Einsitz und beerbt den Bildungsdirektor Jon Domenic Parolini (Mitte), der abtritt. Ihre Wahl hat die Davoser Statthalterin klaren Gründen zu verdanken. Zum einen liegt in Graubünden der Anteil an SVP-Wählern bei 31 Prozent. Zum anderen nimmt die Bündner Bevölkerung punkto Zuwanderung eine kritische Haltung ein. Dieses Themenfeld beackert die derzeit höchste Bündnerin Favre Accola seit Jahren geschickt. Daneben kämpft die Ehefrau des Ex-Skirennstars Paul Accola gegen neue Abkommen mit der EU und setzt sich für KMU und den Tourismus ein.Die SVP löst die Mitte als stärkste Kraft abDie eigentliche Überraschung bei den Bündner Kantonalwahlen ist aber nicht die Wahl von Favre Accola, sondern der Rechtsrutsch im Grossen Rat. Belegte die SVP bisher im 120-köpfigen Kantonsparlament 25 Sitze, so hat sie nun 10 dazugewonnen. Mit 35 Sitzen wird die Volkspartei neu zur stärksten Kraft im Grossen Rat. Sie sticht damit die Mitte aus, die von ihren 34 Sitzen neu nur noch 28 hält.Der Erfolg der Bündner SVP im Grossen Rat erklärt sich einerseits mit der Person Favre Accolas. Andererseits hat vermutlich auch die Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» mehr Wähler zugunsten der kantonalen SVP aktiviert als früher.Nebst der Mitte haben auch die anderen Parteien im Grossen Rat Federn gelassen. Die FDP ist nur noch drittstärkste Kraft (von 27 Sitzen auf neu 23), die SP kommt mit 20 Sitzen (vorher zusammen mit Grünen 27 Sitze) auf Platz vier zu stehen. Die Grünen sind erstmals ohne Verbund mit der SP angetreten und können 7 Sitze für sich verbuchen. Ebenso die Grünliberalen, die damit auf der Stelle treten.Erstmals zwei Frauen in der Bündner RegierungAb nächstem Jahr sitzen also zwei Frauen gleichzeitig in der Kantonsregierung – ein Novum in der Geschichte Graubündens. Erst 1998 gelang es einer Frau, Regierungsrätin zu werden, nämlich der damaligen SVPlerin Eveline Widmer-Schlumpf. Ende 2007 wurde Widmer-Schlumpf zur Bundesrätin gekürt, anstelle von Christoph Blocher. Etwas später schloss die SVP Schweiz ihre Bündner Sektion aus. Das führte zur Gründung der inzwischen von der Mitte geschluckten BDP, zu der Widmer-Schlumpf wechselte. Die SVP musste in Graubünden praktisch wieder bei null beginnen.Widmer-Schlumpfs Sitz in der Kantonsregierung erhielt die damalige Präsidentin der Bündner SVP, Barbara Janom Steiner. Doch auch sie wechselte zur BDP, so dass die Volkspartei ihren Regierungssitz verlor. Die dritte Regierungsrätin in der Geschichte des Kantons ist die wiedergewählte Mitte-Frau Carmelia Maissen. Sie erhält nun in der Person von Valérie Favre Accola eine neue Kollegin.Passend zum Artikel
Rechtsruck in Graubünden: SVP wird stärkste Kraft im Grossen Rat und erobert Regierungssitz zurück
Die Kantonalwahlen im Bündnerland stehen im Zeichen eines Rechtsrutsches: Die SVP erobert einen Sitz in der Regierung zurück und wird im Grossen Rat überraschend stärkste Kraft.














