Schafft die SVP den Sprung zurück in die Bündner Regierung? Dank Valérie Favre Accola könnte dies gelingenDie Kantonalwahlen in Graubünden versprechen Spannung: Erstmals könnten zwei Frauen in der Regierung sitzen – und die Chancen der SVP auf einen Sitz sind so gut wie schon lange nicht mehr.Peter Jankovsky, Chur08.06.2026, 14.23 Uhr3 LeseminutenValérie Favre Accola leitet derzeit das Bündner Parlament. Nun will die SVP-Politikerin in den Regierungsrat.Gian Ehrenzeller / KeystoneDie Gesamterneuerungswahlen in Graubünden vom 14. Juni stehen im Zeichen eines Eklats, der in die Geschichte einging. Ende 2007 wählte die Bundesversammlung die damalige Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat – anstelle von Christoph Blocher. Etwas später schloss die SVP Schweiz ihre Bündner Sektion aus. Das führte zur Gründung der heute in der Mitte aufgegangenen BDP, zu der Widmer-Schlumpf wechselte. Die SVP musste sich in Graubünden als Kleinpartei neu aufstellen. Inzwischen ist sie wieder stark gewachsen und will den Regierungssitz zurückholen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Chancen stehen gut, denn am 14. Juni stellt der bisherige Mitte-Regierungsrat und Erziehungsdirektor Jon Domenic Parolini seinen Sitz nach zwei Wiederwahlen zur Verfügung. Für den frei werdenden Sitz kandidieren drei gut profilierte Frauen. Unter diesen fällt die SVP-Kandidatin besonders auf.Valérie Favre Accola ist Grossrätin und amtierende Standespräsidentin Graubündens. Als Statthalterin der Gemeinde Davos kümmert sie sich um die Dossiers Hochbau, Umwelt und Energie. Ihr Ehemann ist der einstige Bündner Skistar Paul Accola. Die SVP-Frau setzt sich stark für KMU und den Tourismus ein, kämpft gegen überbordende Bürokratie, unbegrenzte Zuwanderung und gegen neue Abkommen mit der EU.Die Mitte kämpft um die Mehrheit in der RegierungFavre Accola rechnet sich gute Chancen aus. Der Anteil an SVP-Wählern liegt in Graubünden bei knapp 31 Prozent. Doch den Ausschlag könnte ein anderer Umstand geben: Die Mehrheit der Bündner Bevölkerung nehme punkto Zuwanderung eine kritische Haltung ein, die sie bestens repräsentieren könne, sagte Favre Accola kürzlich zu SRF.Für den Regierungsrat Graubünden kandidieren neben Valérie Favre Accola (SVP) acht weitere Personen, darunter vier der fünf amtierenden Exekutivmitglieder.Gian Ehrenzeller / KeystoneDurch die Davoserin hat die SVP bessere Chancen auf einen Regierungssitz als auch schon. Allerdings darf Favre Accola ihre wichtigste Kontrahentin nicht unterschätzen: die Mitte-Grossrätin Aita Zanetti, Gemeindepräsidentin des Unterengadiner Hauptortes Scuol. Von dort kommt auch ihr Parteikollege, der abtretende Regierungsrat Parolini.Zanetti sieht sich als Brückenbauerin und stellt Themen wie Wohnen und Soziales in den Vordergrund. Ihr Ziel ist es, die Mitte-Mehrheit in der fünfköpfigen Kantonsregierung zu erhalten. Dies zusammen mit der neuerlich kandidierenden Mitte-Regierungsrätin Carmelia Maissen, Vorsteherin des Bau- und Verkehrsdepartements, sowie mit dem Parteifreund und Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff. Deren Wiederwahl scheint gesichert, ebenso wie jene ihrer Regierungskollegen Martin Bühler (FDP, Finanzen und Gemeinden) sowie Peter Peyer (SP, Justizdepartement).Umstrittener frei werdender RegierungsratssitzAuch die Grünliberale Nora Saratz Cazin, Grossrätin und Gemeindepräsidentin der Oberengadiner Tourismusdestination Pontresina, kandidiert für den Regierungsrat. Um dringend benötigten Wohnraum zu sichern, setzte sie in ihrer Gemeinde Sonderbestimmungen für Zweitwohnungsbesitzer durch. Mit diesem Vorgehen machte sie sich schweizweit einen Namen. Gemäss einer Wählerumfrage des Instituts Sotomo könnte Saratz Cazin zumindest ihre Konkurrentin Zanetti ausstechen.Die Chancen der beiden neuen männlichen Bewerber um den frei werdenden Regierungsratssitz stehen eher schlecht. Maurizio Michael, der freisinnige Kandidat Italienischbündens aus dem Bergell, dürfte es schwer haben wegen der Kandidatur seines Parteikollegen und beliebten Regierungsrates Bühler. Der parteilose 23-jährige Reto Bott aus der Oberengadiner Gemeinde S-chanf will mit seiner Kandidatur ein Zeichen setzen und etwas dagegen tun, dass immer mehr Menschen den Bezug zur Politik verlieren.Im Grossen Rat könnten SVP und Grüne zulegenErstmals könnten zwei Frauen gleichzeitig in der Kantonsregierung sitzen. Die Geschichte der Frauen in der Bündner Exekutive ist kurz: 1998 schaffte die damalige SVPlerin Eveline Widmer-Schlumpf als erste Frau den Sprung in die Bündner Regierung. An ihre Stelle trat von 2008 bis 2018 die damalige Präsidentin der Bündner SVP, Barbara Janom Steiner, welche wie Widmer-Schlumpf zur BDP wechselte. Die dritte Regierungsrätin in der Geschichte des Kantons ist die derzeit amtierende Mitte-Frau Carmelia Maissen.Im 120-köpfigen Grossen Rat könnten die SVP und die Grünen gemäss Sotomo auf Kosten der Mitte und der SP einige Sitze dazugewinnen. Momentan präsentiert sich die Rangordnung im Kantonsparlament wie folgt: Die Mitte (34 Sitze) ist stärkste Partei, ihr folgen FDP und SP/Grüne (je 27 Sitze), die SVP (25 Sitze) sowie die Grünliberalen (7 Sitze). Am 14. Juni sind keine grundlegenden Verschiebungen zu erwarten.Passend zum Artikel