Auf dem schwarzen Pferd sitzt der dritte apokalyptische Reiter, der eine Waage umklammert. Neben Tyrannei, Krieg und Tod ist es die Inflation, die in der Bibel als eines der vier letzten Dinge das Jüngste Gericht ankündigt und damit den Weltuntergang. Schon in Urzeiten war die Teuerung als eine Geißel der Menschheit bekannt: Wenn die Preise stiegen, konnte man sich erst kein Fleisch kaufen, dann auch kein Brot mehr.
Christine Lagarde stellt sich stets dem dritten Reiter der Apokalypse in den Weg. Das ist ihr Job als Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Ob Pandemien, Kriege, ausgabefreudige Regierungen oder wie jetzt ein Ölpreisschock: Die EZB-Präsidentin versucht die Inflation bei zwei Prozent zu halten. Zwei Prozent sind ideal, weil sich hier mit einer leichten Teuerung das Verleihen von Geld oder der Verkauf von produzierten Waren noch lohnen, was bei einer Deflation nicht mehr der Fall wäre. Doch nun liegt die Rate der Preissteigerung in der EU bei 3,0 und im Euroraum bei 3,2 Prozent. Und Lagarde muss sich dem schwarzen Pferd in den Weg stellen.
Zinssprung: Frisches Geld zu höheren Preisen
Nach drei Jahren erhöhte nun die EZB-Präsidentin den Leitzins für Banken um 0,25 Prozent auf 2,25 Prozent. Lagarde sagte in Frankfurt, die Zinserhöhung sei mehr als eine Vorsichtsmaßnahme. Der Krieg drohe die Teuerung im Euroraum weiter anzufachen, während er die Wirtschaft schwäche. Ob weitere Zinserhöhungen folgen, ließ Lagarde offen: „Es wird kommen, wie es kommen muss.“ Übersetzt: Es hängt von der Dauer des Iran-Konflikts ab.










