Die EZB nimmt den Kampf gegen die Inflation auf und erhöht erstmals seit drei Jahren wieder die LeitzinsenDer Iran-Krieg hat in der Euro-Zone zu einem Inflationsschub geführt. Dieser ist so stark, dass die Europäische Zentralbank ihn nicht mehr ignorieren kann, zumal ein Ende des Konflikts nicht absehbar ist.11.06.2026, 14.16 Uhr3 LeseminutenDunkle Wolken über dem EZB-Hauptgebäude in Frankfurt: Die Inflationsrate im Euro-Raum ist im Mai auf 3,2 Prozent gestiegen.Volker Rauch / ImagoDer Inflationsschock des Jahres 2022 steckt vielen Menschen in Europa noch in den Knochen. Auf 10,6 Prozent war die Inflationsrate damals im Herbst 2022 gestiegen, in den baltischen Ländern lag sie mehrere Monate über 20 Prozent. Das hat viele Menschen ärmer gemacht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vor vier Jahren auf den Inflationsanstieg ab Sommer 2021, der im Folgejahr durch den russischen Überfall auf die Ukraine und die dadurch gestiegenen Energiepreise noch verstärkt wurde, viel zu spät reagiert.Die EZB ist ein gebranntes KindDiesen Fehler will die Notenbank nicht noch einmal machen, denn durch den Iran-Krieg ist die Teuerung in der Euro-Zone einmal mehr im Steigflug. Im Mai erreichte sie laut vorläufigen Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat mit 3,2 Prozent einen Wert, der schon deutlich über dem EZB-Ziel von 2 Prozent liegt.Am Donnerstag hat die Notenbank deshalb auf diese Entwicklung mit einer Erhöhung ihrer drei Schlüsselzinssätze um 0,25 Prozentpunkte reagiert. Der derzeit massgebende Einlagensatz liegt damit bei 2,25 Prozent. Ob weitere Zinsschritte folgen, ist noch offen und hängt stark von der Entwicklung am Persischen Golf ab.Die EZB kann zwar mit einer Zinserhöhung weder den Iran-Konflikt beenden noch die Strasse von Hormuz öffnen. Eine solche Entspannung würde wohl zu sinkenden Erdöl- und Erdgaspreisen sowie einem nachlassenden Inflationsdruck führen. Deswegen wenden Kritiker ein, der Zinsschritt belaste vor allem die ohnehin schwache Konjunktur in der Euro-Zone, habe aber kaum Auswirkungen auf die Inflation.Das ist aber nur ein Teil des Bildes. Mit ihrer Reaktion kann die EZB nämlich verhindern, dass sich ein relativer Preisschock zu einem dauerhaften Inflationsregime entwickelt, weil Bürger und Unternehmen mittelfristig mit einer überdurchschnittlichen Teuerung rechnen und sich entsprechend darauf einstellen. Im Notenbank-Jargon wird dieses Phänomen als «Entankerung der Inflationserwartungen» bezeichnet.Breiter Anstieg der InflationIn den vergangenen Wochen gab es erste Anzeichen, dass sich ein solches Szenario einstellen könnte. In den einschlägigen Umfragen der EZB bei Haushalten und Unternehmen zeigten sich bereits deutlich gestiegene Inflationserwartungen. Beide Gruppen scheinen aufgrund des Inflationsschocks des Jahres 2022 empfindlicher als in früheren Phasen auf einen möglicherweise anhaltenden Teuerungsschub zu reagieren.In der Euro-Zone hat nicht nur die Gesamtinflation seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs durch die empor geschossenen Energiepreise deutlich angezogen, sondern auch etliche andere Teuerungsindikatoren zeigen eine steigende Tendenz. So liegt beispielsweise die Inflation im Dienstleistungssektor mit 3,5 Prozent auf einem unangenehm hohen Niveau, und die Erzeugerpreise im verarbeitenden Gewerbe sind jüngst um 6 Prozent gestiegen.Auf einen erhöhten Inflationsdruck deutet zudem die Kerninflation hin, aus der die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden. Sie ist seit dem Inflationsschub 2022 nicht mehr unter die Marke von 2 Prozent gesunken.Ob es sich bei der Zinserhöhung der EZB um einen einmaligen Schritt im Sinne einer präventiven Massnahme handelt oder ob es zu einer Serie von Zinserhöhungen und somit zu einer nachhaltigen Zinswende kommt, hängt vor allem vom Golfkonflikt ab. Sollten sich die USA und Iran schnell verständigen, könnte es die EZB möglicherweise bei dem einen Zinsschritt lassen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.Sollte der Krieg wieder eskalieren und es zu noch grösseren Schäden an der Energieinfrastruktur der Golfstaaten sowie noch intensiveren Störungen der Lieferketten kommen, könnten die Erdölpreise von derzeit rund 90 Dollar pro Fass sogar in den Bereich von 120 bis 150 Dollar steigen. Dies würde die Inflation unvermeidlich anheizen.An den Finanzmärkten rechnen viele Beobachter vorerst mit einer unruhigen Übergangsphase im Konflikt. Sie leiten daraus einen weiteren Zinsschritt im Juli oder im September sowie möglicherweise einen dritten Anfang des Jahres 2027 ab.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
Kampf gegen die Inflation: Die EZB erhöht erstmals seit 2023 wieder die Leitzinsen
Der Iran-Krieg hat in der Euro-Zone zu einem Inflationsschub geführt. Dieser ist so stark, dass die Europäische Zentralbank ihn nicht mehr ignorieren kann, zumal ein Ende des Konflikts nicht absehbar ist.
Die EZB erhöht die Leitzinsen erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte als Reaktion auf 3,2% Inflation wegen Iran-Konflikt. Tech-Unternehmen müssen höhere Financing-Kosten, straffere Credit und überarbeitete M&A/Hiring-Strategien einplanen.











