Team 7: regional und nachhaltigStefan Emprechtinger, Geschäftsführer von dem Möbelunternehmen Team 7.Lucas BäumlBei Team 7 gehen die Kinder in die Verantwortung. Seit etwa drei Jahren sind Stefan und Elisabeth Emprechtinger mit im Unternehmen und übernehmen den österreichischen Holzhersteller schrittweise von ihrem Vater Georg, der weiterhin Eigentümer und Mitgeschäftsführer ist – Stefan Emprechtinger als Geschäftsführer, Elisabeth Emprechtinger als Marketingleiterin. Auch die dritte Generation steht zum Markenkern von Team 7, Holzmöbel nachhaltig und regional in Oberösterreich herzustellen. Georg Emprechtinger hatte 1999 den eigentlichen Gründer Erwin Berghammer abgelöst. Der hatte 1965 den Firmennamen als Marke eintragen lassen: Team 7 hatte damals noch sieben Führungskräfte.Moormann: ehrlich gewitztChristian Knorst, Inhaber und Geschäftsführer der Nils Holger Moormann Möbel GmbH.Nils Holger Moormann MöbelWenige Unternehmen waren so vom Geist und der Haltung ihres Gründers geprägt wie die Möbelmarke Nils Holger Moormann. Wie übernimmt man ein Unternehmen, wenn die prägende, namensgebende Figur in den Ruhestand geht? Man sollte „nicht sofort anfangen, alles neu zu sortieren“, sagt der neue Eigentümer Christian Knorst. Also hat er vieles belassen, die lokale Herstellung, das anarchische Ignorieren von Branchengewissheiten, die Verwurzelung im oberbayerischen Aschau. Neue Produkte wie das Regal Liesl und die Leuchte La Dré sind so ehrlich und gewitzt wie gewohnt – und doch anders, zeitgemäßer.Grau: Licht mit EmotionPortrait von Timon (links) und Melchior Grau, Geschäftsführer von Grau.Frank RöthAls Anfang 2023 aus dem Hamburger Leuchtenhersteller Tobias Grau schlicht Grau wurde, markierte das nicht nur einen Generationswechsel: Die Söhne Melchior (rechts) und Timon hatten das von ihren Eltern Franziska und Tobias Grau in den Achtzigerjahren gegründete Unternehmen übernommen. Der Namenswechsel signalisierte auch ein neues, ganzheitliches Verständnis von Licht. Für die studierten Wirtschaftswissenschaftler und Künstler Melchior und Timon Grau heißt Licht nicht einfach nur Beleuchtung von Räumen, ihnen sind die emotionalen Qualitäten wichtig. Was das bedeutet, zeigt sich seitdem in den Produkten: je nach Aufgabe intuitiv steuerbare Leuchten, die starke Atmosphären schaffen - und beim jungen Publikum gut ankommen.Gumpo: einfach und pragmatischDer Geschäftsführer der Dingolfinger Möbelmarke Gumpo, Sebastian Waibel.privatAls Sebastian Waibel in die Geschäftsführung des Büromöbelherstellers Gumpo einstieg – gegründet von seinem Vater Walter Waibel –, setzte er voll und ganz auf zeitgenössisches Design. Er engagierte die Münchner Gestalter Relvão Kellermann (Ana Relvão und Gerhardt Kellermann) und entwickelte mit ihnen über mehrere Jahre eine ganze Kollektion von Tischen, Stühlen, Trolley, Bildschirmwand und Rollhocker. Einfache, pragmatische Möbel für den Alltag im Büro, die materialeffizient sind und trotzdem einen gewissen Witz haben. Produziert wird nach wie vor am Stammsitz in Dingolfing in Bayern. Die Kompetenz von Gumpo liegt in der Platte, also in Korpusmöbeln wie Schränken und Regalen, sowie in Tischen, die aus Spanplatten gefertigt werden. Waibel versteht es, die Stärken von Gumpo zu nutzen, um das Unternehmen in die Gegenwart zu bringen.Lampert: plant zweigleisigPauline Thill, die neue Geschäftsführerin von Richard Lampert.Richard LampertAuch Richard Lampert verkaufte sein gleichnamiges Möbelunternehmen, als er sich altersbedingt zurückziehen wollte. Neuer Eigentümer ist ein Unternehmen aus dem Umfeld des Möbelhändlers Smow, die Geschäftsführung übernahm – Tusch! – mit Pauline Thill eine junge Frau, in der konservativen, männerdominierten Möbelbranche immer noch eine Seltenheit. Thill ging erst einmal auf Roadshow durch die Republik, um die neue höhenverstellbare Version des Eiermann-Tischgestells vorzustellen, den unangefochtenen Bestseller der Marke. Für die Zukunft plant sie zweigleisig: einerseits das Portfolio auffrischen mit Entwürfen von jungen Designerinnen und Designern und andererseits Klassiker neu auflegen, die das historische Sortiment um Egon Eiermann und Herbert Hirche ergänzen. Den Anfang machte zur Mailänder Designwoche im April der Z.Stuhl, der legendäre Kunststoff-Freischwinger aus der DDR.Wittmann: mit zeitloser DesignspracheAlice Wittmann, seit 2026 Geschäftsführerin der Wittmann Möbelwerkstätten GmbH.Wittmann MöbelwerkstättenSie ist die Ururenkelin des Firmengründers: Alice Wittmann ist Anfang des Jahres in die Geschäftsführung der Wittmann Möbelwerkstätten eingestiegen, pünktlich zum 130. Geburtstag des Unternehmens. 1896 von Franz Wittmann als Sattlerei gegründet, ist Wittmann spezialisiert auf aufwendig gefertigte Polstermöbel und produziert bis heute am Stammsitz im niederösterreichischen Etsdorf im Bezirk Krems. Das Portfolio umfasst Klassiker von Josef Hoffmann und zeitgenössische Entwürfe von Gestaltern wie Federica Biasi, Sebastian Herkner und Jörg Boner. Alice Wittmann leitet das Unternehmen gemeinsam mit Ko-Geschäftsführer Ron Vorona, sie ist verantwortlich für Marketing, Produkt und Vertrieb und folgt damit ihren Eltern, die bis vor einigen Jahren ebenfalls Geschäftsführer waren. Alice Wittmann hat sich vorgenommen, sich auf den Kern des Unternehmens zu besinnen, die hohe handwerkliche Qualität und die zeitlose Designsprache.Dibbern: weniger Bruch als KontinuitätJan und Ben Dibbern haben bei Dibbern schrittweise die Firmenleitung von ihrem Vater übernommen.Lukas KreibigEs ist wirklich nicht einfach mit dem Porzellan – der Hersteller Kahla aus Thüringen hat gerade Insolvenz angemeldet, der einstige Gigant Rosenthal ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber bei Dibbern in Bargteheide bei Hamburg haben sie vor einigen Jahren nicht nur erfolgreich den Generationswechsel bewältigt, sondern sich auch mit in Deutschland hergestelltem handwerklichem Porzellan auf dem Markt behauptet. Der Übergang war fast beispielhaft: Schrittweise übernahmen die Söhne Jan (links) und Ben Dibbern die Leitung von ihrem Vater, dem Firmengründer Bernd T. Dibbern, der mittlerweile verstorben ist. Weniger Bruch als Kontinuität, konzentriert sich Dibbern auch unter der Führung der Söhne in angenehm unaufgeregter Weise auf gut gestaltetes Geschirr als alltäglichen Luxus.
Familienunternehmen: Wie meistert man den Generationenwechsel?
Die Herstellung hochwertiger Möbel und Designprodukte ist in Deutschland und Österreich oft eine Familienangelegenheit – und bleibt es, in manchen Fällen. Sieben Beispiele, wie die Übernahme funktionieren kann.
Europäische Designunternehmen (Team 7, Wittmann, Grau) meistern Generationswechsel durch gradualen Übergang zwischen Tradition und zeitgenössischer Innovation. Strukturierte Nachfolge bewahrt Markenidentität und Wachstum – ein Governance-Modell auch für Tech-Gründer bei Übergabe der Geschäftsführung.












