Die berühmte Uferansicht von Willemstad prägt das Bild der Karibikinsel Curaçao: eine Reihe Giebelhäuser in niederländisch anmutender Form, wenn auch in grellen Farben. Diese Zeile von Kolonialbauten macht das pittoreske Image Willemstads im Wesentlichen aus, zusammen mit ein paar weiteren Straßenzügen drum herum. Wer jenseits von ihnen durch die Hauptstadt flaniert, assoziiert das Stadtbild nicht mehr mit den Niederlanden. Verbunden bleiben beide Länder aber auch nach Jahrhunderten. Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag ihren WM-Auftakt gegen Curaçao absolviert, spielt sie auch gegen ein Mitglied des Königreichs der Niederlande. Das nämlich besteht aus vier Ländern: Außer den Niederlanden sind das Aruba, Curaçao und Sint Maarten. Einen besonderen Status haben die Karibikinseln Bonaire, Sint Eustatius und Saba: Sie sind keine Länder, sondern gehören als „besondere Gemeinden“ zu den Niederlanden. Alle sechs zusammen bilden den „Karibischen Teil des Königreichs“. Ihr Staatsoberhaupt: König Willem-Alexander. Einwohner Curaçaos haben niederländische Nationalität und können zum Beispiel an Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen. Das Land gehört nicht zum Schengengebiet. Gezahlt wird mit dem Karibischen Gulden, einer Gemeinschaftswährung mit gemeinsamer Zentralbank zusammen mit Sint Maarten.Deutschlands erster Gegner bei der WM: CuraçaoAFPGrößtes der niederländischen Karibik-GebieteCuraçao ist von den sechs karibischen Entitäten die bedeutendste, gemessen an der Fläche ebenso wie an der Bevölkerung. 65 Kilometer nördlich der venezolanischen Küste gelegen, ist sie mit 444 Quadratkilometern ziemlich genauso groß wie Usedom und zweieinhalbmal so groß wie die niederländische Insel Texel. Das Statistikamt gibt die Einwohnerzahl mit 158.000 an. Die Bevölkerungsdichte ist niedriger als die der Niederlande, aber der Besucher sieht eine in weiten Teilen zersiedelte Insel. Offizielle Sprachen sind die Kreolsprache Papiamentu, Niederländisch und Englisch. Die Niederländer errichteten 1634 eine Handelssiedlung auf Curaçao mit seinem vorzüglichen natürlichen Hafen, dem Schottegat. Bald schon spielte die Insel eine zentrale und dunkle Rolle im Handel mit Sklaven, die aus Westafrika hierher verschleppt wurden. Die Architektur und Stadtplanung sind nicht nur niederländisch geprägt, sondern tragen auch Züge anderer karibischer Orte sowie spanischer und portugiesischer Kolonialstädte, mit denen Willemstad handelte. Die UNESCO führt die Innenstadt Willemstads als Weltkulturerbe: als ein „außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel einer niederländischen Handelssiedlung“ mit einzigartiger Lage an einem natürlichen Hafen. Viele historische Gebäude sind verschwunden, weil Eigentümer sie verfallen ließen. Negativ nennt die UNESCO außerdem die jahrzehntelangen Folgen der Ölindustrie, nachdem Shell im frühen zwanzigsten Jahrhundert eine Raffinerie errichtet hatte. Eine Autobahn und Zugangsstraßen zu einer großen Brücke haben zudem historische Viertel in ihrem ursprünglichen Zustand zerstört.Die Statistikbehörde nennt den Tourismus als zentrale Säule der Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) weist darauf hin, dass die Branche in den vergangenen fünf Jahren stark expandiert sei und die Wirtschaftsstruktur verändert habe, „einschließlich der Abnahme des produzierenden Gewerbes und des Anstiegs der Dienstleistungen, mit insgesamt niedrigeren Löhnen“. Die Zahl der Besucher erreichte im vergangenen Jahr nach offiziellen Angaben 1,7 Millionen, etwa die Hälfte von ihnen über Kreuzfahrtschiffe. Im Schnitt kommt je Tag eines dieser Schiffe an.Insgesamt lotste der Hafen 2025 knapp 3000 Schiffe in die Häfen: Kreuzfahrtschiffe, Tanker, Frachter und andere. Der Flughafen meldet für 2025 ein Rekordjahr mit knapp 2,5 Millionen Fluggastbewegungen. Die Arbeitslosenrate wird von der Statistikbehörde mit 7,8 Prozent im Jahr 2024 angegeben. Die Niederlande sind hinter den USA zweitwichtigster Handelspartner. Die Inflation lag im vergangenen Jahr bei 2,0 Prozent, nach 2,6 Prozent im Vorjahr. Die Wirtschaft wuchs 2024 real um 5,0 Prozent, im Jahr zuvor um 4,2 Prozent. Die Weltbank beziffert die Wirtschaftsleistung je Kopf auf 22.833 Dollar im Jahr 2024, verglichen mit 13.631 Dollar für die Welt und 67.520 Dollar für die Niederlande.