Kriege, Zölle, hohe Kosten. Die deutsche Wirtschaft kann derzeit vieles brauchen, eine Zinserhöhung gehört aber sicher nicht dazu. Dennoch ist die Entscheidung der Europäischen Zentralbank richtig. Der Beschluss musste so ausfallen, denn die Notenbank hat die Preisstabilität zu sichern. Es ist ihr Auftrag, ihr Mandat. Eine Inflation in der Eurozone von zuletzt mehr als drei Prozent ließ den Währungshütern praktisch keine andere Wahl. Geldpolitik muss verlässlich sein, alles andere zerstört Vertrauen – gerade an den Märkten.Gleichwohl offenbart die Entscheidung der EZB ein Dilemma. Sie versucht, etwas zu bekämpfen, worauf sie kaum Einfluss hat. Die aktuell steigende Inflation ist nicht allein das Ergebnis überhitzter Nachfrage, sondern vor allem Folge externer Schocks. Die gestörten Lieferketten, sprunghaft gestiegene Energiepreise und die geopolitischen Unsicherheiten gehören inzwischen zur Normalität der Wirtschaft und ihrer Akteure. Zinserhöhungen räumen nichts davon aus dem Weg. Weder werden Öl und Gas billiger, noch werden so Kriege beendet. Doch es ist einerlei, warum die Preise zu stark steigen, Inflation an sich ist das Problem.Maß und TimingBei aller Standfestigkeit funktioniert Geldpolitik natürlich nicht im luftleeren Raum. Auf jedes Inflationssignal gleich mit höheren Zinsen zu reagieren, wäre unvernünftig. Maß und Timing sind ganz entscheidende Faktoren. Mit der ersten Zinserhöhung seit drei Jahren beweist die EZB dieses Fingerspitzengefühl und zeigt, dass sie aus Fehlern gelernt hat. In der Corona-Pandemie war sie zu zögerlich unterwegs, glaubte zu sehr und zu lange an ein vorübergehendes Problem. Das ist diesmal anders.Der Viertelschritt der EZB kommt nicht überraschend, die Märkte hatten längst damit gerechnet und die Zinserhöhung einkalkuliert. Der deutsche Leitindex Dax bewegte sich in der ersten Reaktion dann auch kaum vom Fleck. Es ist eine gute Nachricht, wenn Investoren in politisch und wirtschaftlich angespannten Zeiten die Nerven behalten und die gegebenen Szenarien auch als Chancen begreifen. Wird Geld teurer, rücken Unternehmen mit soliden Bilanzen und verlässlichen Cashflows wieder in den Fokus. So entstehen Kaufkurse.
Die Zinserhöhung der EZB ist richtig
Die Europäische Zentralbank muss die Inflation eindämmen, daher war die Zinserhöhung erwartet worden. Den schwankenden Ölpreis kann sie nicht bekämpfen, das aber ist auch nicht ihre Aufgabe.













