Die WM 2026 führt Fußballfans durch Nordamerika – von Mexiko-Stadt über die USA bis nach Kanada. Wer verstehen möchte, was diese Region jenseits der Stadien ausmacht, landet schnell bei Stefan Rinke. Der Professor für Geschichte Lateinamerikas an der Freien Universität Berlin erforscht seit Jahrzehnten die Verflechtungen des amerikanischen Kontinents. Seine akademische Ausbildung führte ihn von Deutschland in die USA, seine Forschung immer wieder nach Lateinamerika. Als vielfach ausgezeichneter Historiker und international vernetzter Wissenschaftler beschäftigt er sich mit den großen Fragen von Geschichte, Identität und Kultur. Im Interview ordnet er die WM 2026 deshalb nicht nur als Sportereignis ein, sondern auch als Spiegel einer faszinierenden Weltregion.
Herr Rinke, die Fifa verkauft die WM 2026 als Fest des Fußballs – wie eigentlich immer. Aber ist das nicht in Wirklichkeit vor allem ein politisches Schaufenster für Nordamerika, für die USA, für die Trump-Regierung?Stefan Rinke: Ja, ich denke, es ist beides. Es wird natürlich auch Fußball gespielt und für viele Fans ist das ein großes Fest. Aber eine WM ist immer auch eine Bühne – schon seit 1930: Die Gastgeber wollen sich als leistungsfähig, offen und modern präsentieren. Gerade weil die Situation in Nordamerika mittlerweile so widersprüchlich ist, wird es besonders interessant sein, das zu beobachten.Die Lage ist in der Tat speziell. Zwischen den USA, Kanada und Mexiko hat es in den vergangenen Jahren erheblichen Ärger gegeben. Es gibt Streit über Migration, Handel sowie die Grenz- und Einwanderungspolitik.











