Wie funktioniert der neue Modus mit 48 Teams? Welche Einreiseprobleme drohen in den USA? Die wichtigsten Antworten zur Fussball-WM 2026Am Donnerstag startet die Weltmeisterschaft mit der Partie zwischen dem Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika. Vor dem Eröffnungsspiel sorgen das aufgeblähte Turnierformat und die Auswirkungen des Iran-Kriegs für Debatten.Niels Bossert10.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenZiemlich beste Freunde: Der US-Präsident Donald Trump (links) bezeichnete den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino als «King of Soccer».Bonnie Cash / ImagoInhaltsverzeichnisWie funktioniert der neue Modus mit 48 Teams?Welche Regeländerungen gibt es?Welche Nationen sind zum ersten Mal dabei?Wo und wann finden die Spiele statt?Weshalb ist die Aufstockung der WM umstritten?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie funktioniert der neue Modus mit 48 Teams?Die Zeit der klassischen Weltmeisterschaft mit 32 Nationen – wie es sie von 1998 bis 2022 gab – ist vorbei. Erstmals spielen 48 Teams um den Titel. Das Teilnehmerfeld ist in zwölf Vierergruppen unterteilt. Die jeweiligen Gruppensieger und Zweitplatzierten qualifizieren sich direkt für die Sechzehntelfinals. Die besten acht der zwölf Gruppendritten kommen ebenfalls weiter. Durch die Expansion umfasst der Spielplan neu 104 Partien.Welche Regeländerungen gibt es?Rote Karten: Wer in einer Konfrontation mit einem Gegner den Mund verdeckt – etwa, um diskriminierende Äusserungen zu verschleiern –, riskiert neu eine rote Karte. Das Gleiche gilt für Spieler, die aus Protest gegen einen Schiedsrichterentscheid das Feld verlassen. Auch anstiftende Team-Offizielle können so bestraft werden.Gelbe Karten: Wegen des längeren Turniers werden einzelne Verwarnungen nach der Gruppenphase und nach den Viertelfinals gestrichen. Damit soll verhindert werden, dass Spieler wegen alter gelber Karten die entscheidenden Spiele verpassen.Zeitlimits: Bei verzögerten Einwürfen und verzögertem Abstossen kann der Schiedsrichter einen 5-Sekunden-Countdown starten. Danach erhält der Gegner den Einwurf, beim Abstoss einen Eckball. Ausgewechselte Spieler müssen das Feld innert zehn Sekunden verlassen haben, sonst darf der Ersatzspieler erst nach einer Minute ins Spiel. Nach einer Behandlung auf dem Feld müssen Spieler grundsätzlich eine Minute draussen bleiben, bevor sie wieder auf den Platz zurückkehren können.Erweiterter VAR: Der Videoassistent darf neu bei klar falschen gelb-roten Karten, bei Verwechslungen des bestraften Spielers und bei klar falsch gegebenen Eckbällen eingreifen, sofern dies sofort und ohne zeitliche Verzögerung möglich ist.Trinkpausen: Unabhängig vom Wetter wird jede Partie in der 22. und 67. Minute für drei Minuten unterbrochen. In den sogenannten Cooling Breaks können sich die Spieler erfrischen.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenWelche Nationen sind zum ersten Mal dabei?Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan sind die vier WM-Debütanten. Besonders bemerkenswert ist Curaçao: Die Karibikinsel mit rund 156 000 Einwohnern ist das kleinste Land, das sich je für eine WM-Endrunde qualifiziert hat. Zuvor hielt Island diesen Rekord.Die Qualifikation Curaçaos glich einem Wunder – nun herrscht Ausnahmezustand im Inselstaat.Scott Heppell / APDie zwölf Gruppen im Überblick:Gruppe A: Mexiko, Südafrika, Südkorea, TschechienGruppe B: Kanada, Schweiz, Katar, Bosnien-HerzegowinaGruppe C: Brasilien, Marokko, Haiti, SchottlandGruppe D: USA, Australien, Paraguay, TürkeiGruppe E: Deutschland, Curaçao, Côte d’Ivoire, EcuadorGruppe F: Niederlande, Japan, Schweden, TunesienGruppe G: Belgien, Iran, Ägypten, NeuseelandGruppe H: Spanien, Uruguay, Saudiarabien, Kap VerdeGruppe I: Frankreich, Senegal, Irak, NorwegenGruppe J: Argentinien, Algerien, Österreich, JordanienGruppe K: Portugal, DR Kongo, Usbekistan, KolumbienGruppe L: England, Kroatien, Ghana, PanamaWo und wann finden die Spiele statt?Das Turnier wird vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 ausgetragen. Erstmals in der Geschichte teilen sich drei Länder die Gastgeberrolle: die USA, Kanada und Mexiko. Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika findet im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt statt. Der WM-Final im Met-Life Stadium in East Rutherford, New Jersey. Gespielt wird in insgesamt 16 Arenen: elf in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada.Weshalb ist die Aufstockung der WM umstritten?Die grösste WM-Endrunde der Geschichte ist ein Prestigeprojekt von Gianni Infantino, dem Präsidenten des Weltfussballverbands (Fifa). Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren trieb er die Erweiterung des Teilnehmerfelds voran. 2017 beschloss die Fifa die Aufstockung von 32 auf 48 Teams. Offiziell verkauft sie den Schritt als Öffnung des Turniers: mehr globale Teilhabe. Besonders Verbände aus Afrika, Asien und Ozeanien profitieren von den zusätzlichen Startplätzen. Und die kleinen Nationen frohlocken. Sie erhalten endlich die Chance, sich der Fussballwelt zu zeigen.Der Fifa-Präsident Gianni Infantino erwartet «die grösste, inklusivste und grossartigste WM der Geschichte».Raymond Carlin III / Imagn ImagesKritiker sehen in der Expansion aber vor allem ein Geschäftsmodell: mehr Spiele, mehr TV-Inhalte, mehr Tickets, mehr Sponsoring – und damit mehr Einnahmen. Sportlich steht der Vorwurf der Verwässerung durch die abnehmende Qualität der teilnehmenden Teams im Raum. Zudem verschärft das 104-Spiele-Turnier die Debatte über die Belastung der Spieler in einem ohnehin überfüllten Kalender.Welche Einreiseprobleme drohen in den USA?Die Einreisebestimmungen der USA sorgten beim Schweizer Team bereits für Aufregung. Der Stürmer Breel Embolo durfte wegen Problemen mit der elektronischen Einreisegenehmigung (Esta) erst verspätet zur Mannschaft in die USA fliegen; er musste ein Visum beantragen. Auch die Delegation Südafrikas reiste verspätet ab, Ärzte und Analysten erhielten ihre Dokumente nicht rechtzeitig. Der somalische Fifa-Schiedsrichter Omar Artan wurde an der Grenze abgewiesen. Vollständige Einreiseverbote wurden gegen Staatsbürger Haitis und Irans verhängt – das iranische Nationalteam darf nur an Spieltagen amerikanischen Boden betreten. Teilweise bestehen Einreiseverbote auch gegenüber Bürgern Senegals und von Côte d’Ivoire.Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer WM in einem «Klima der Angst». Die Sport & Rights Alliance fordert von der Fifa Garantien der US-Regierung: keine Razzien der Migrationsbehörde ICE im Umfeld des Turniers, fairer Zugang für Teams, Fans und Medien trotz Einreisebeschränkungen, Schutz der Pressefreiheit und ein unabhängiges Menschenrechts-Monitoring.Wo und wann spielt die Schweiz?Das Nationalteam, das die «beste WM der Geschichte» spielen will, residiert in San Diego. Für die Gruppenspiele reist die Equipe von Murat Yakin quer durch den Westen Nordamerikas.Die Gruppenspiele des Schweizer Nationalteams:13. Juni 2026 (21 Uhr MESZ): Katar gegen Schweiz im San Francisco Bay Area Stadium in Santa Clara, Kalifornien.18. Juni 2026 (21 Uhr MESZ): Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina im Los Angeles Stadium in Inglewood, Kalifornien.24. Juni 2026 (21 Uhr MESZ): Schweiz gegen Kanada im BC Place Stadium in Vancouver, Kanada.Daumen hoch: Murat Yakin während der ersten Trainingseinheit in San Diego.Peter Klaunzer / KeystoneWer sind die Favoriten für den Weltmeistertitel?Die unspektakuläre, aber plausible Antwort lautet: Spanien. Der Europameister von 2024 überzeugt mit Lamine Yamal, einem der grössten Talente im Weltfussball. Mit der Kontrolle im Mittelfeld durch Pedri und Rodri. Und mit einer klaren Spielidee unter dem Coach Luis de la Fuente.Lamine Yamal nimmt als 18-Jähriger erstmals an einer WM teil – zwei Jahre zuvor dominierte er mit Spanien bereits die Europameisterschaft.Heiko Becker / ReutersAuch ein Modell von Goldman Sachs sieht Spanien vorn: Die amerikanische Bank analysierte knapp 20 000 internationale Pflichtspiele seit 1978, ergänzte Faktoren wie Offensivstärke, Momentum, Turniererfahrung und simulierte den Turnierverlauf 50 000 Mal. Das Ergebnis: Spanien kommt auf eine Titelchance von rund 26 Prozent. Dahinter folgen Frankreich mit knapp 19 Prozent und Argentinien, der Weltmeister von 2022, mit gut 14 Prozent.Ein anderes verlässliches Orakel sah jedoch eine Nation als Sieger, der viele wohl höchstens Aussenseiterchancen einräumen: die Niederlande. Der deutsche Ökonom Joachim Klement sagte mit seinem eigenen mathematisch-statistischen Modell die letzten drei Weltmeister korrekt voraus. Für die WM 2026 kürte sein Modell die Oranje zum Gewinner.Welche Weltstars werden das Turnier prägen – und welche fehlen?Die Weltmeisterschaft liegt Kylian Mbappé: 2018 triumphierte er mit Frankreich, 2022 scheiterte er im Final knapp an Argentinien – trotz drei Toren. Neben dem spanischen Supertalent Lamine Yamal dürften auch Vinícius Júnior, Harry Kane und die Franzosen Ousmane Dembélé und Michael Olise das Turnier prägen. Erstmals ist zudem Erling Haaland an einer WM dabei, nachdem sich Norwegen nach 28 Jahren Abwesenheit erstmals qualifiziert hat. Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar dürften hingegen zum letzten WM-Tanz bitten.Trotz der Aufstockung auf 48 Teams fehlen auch grosse Namen – weil sich ihre Nationen nicht qualifiziert haben, weil sie verletzt sind oder weil sie nicht nominiert wurden.Nicht qualifiziert: Gianluigi Donnarumma, Sandro Tonali (Italien), Victor Osimhen, Ademola Lookman (Nigeria), Robert Lewandowski (Polen), Khvicha Kvaratskhelia (Georgien), Dominik Szoboszlai (Ungarn), Jan Oblak (Slowenien).Verletzt: Rodrygo, Éder Militão (Brasilien), Serge Gnabry, Lennart Karl (Deutschland), Hugo Ekitiké (Frankreich), Xavi Simons (Niederlande).Nicht nominiert: Phil Foden, Trent Alexander-Arnold, Cole Palmer, Harry Maguire (England), Eduardo Camavinga, Kingsley Coman, Randal Kolo Muani (Frankreich), Thiago Silva, João Pedro (Brasilien), Karim Adeyemi, Robert Andrich (Deutschland), Dani Carvajal, Álvaro Morata (Spanien), Luis Suárez (Uruguay), Paulo Dybala (Argentinien), Loïs Openda (Belgien).Was muss man sonst noch wissen?Das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt schreibt Geschichte. Es ist das erste Stadion, das an drei verschiedenen Weltmeisterschaften als Austragungsort diente – 1970, 1986 und 2026. Fast so legendär ist der mexikanische Torhüter Guillermo Ochoa: Er steht vor seiner sechsten WM-Teilnahme und zieht damit mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi gleich.2006 gab Guillermo Ochoa sein WM-Debüt – 20 Jahre später könnte es sein letztes Turnier sein.Chris Torres / EPAPassend zum Artikel