Die Luxuslabels sind wieder im Fussballfieber. Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko kleiden sie Nationalteams ein oder lancieren käufliche Kollektionen. Eine Übersicht für Modefans.Nostalgie für Frankreich: JacquemusNostalgie gehört untrennbar zu Simon Porte Jacquemus. Sie legt sich über seine Kleider und die sonnengetränkten Bilder, die den Designer aus der Provence so erfolgreich gemacht haben. Keine Überraschung also, prägt sie auch seine Kooperation mit dem französischen Fussballverband und Nike. Diese basiert auf einer dunkelblauen Trainingsjacke aus Jacquemus’ Kindheit. PD Die Kollektion von Jacquemus und Nike bedient sich des Retro-Looks. Das Hauptstück der Kollektion ist ein blaues Jersey mit rot-weissen Streifen, das von den Spielern der französischen Nationalmannschaft vor den Matches getragen werden wird. Ab dem 11. Juni können auch Fans die Shirts und die bunt besohlten Sneakers kaufen. Hinzu kommen Trainingsjacken mit hohem Kragen (etwa 90 Franken), weisse Shorts (etwa 60 Franken) und ein gestreiftes Goalie-Jersey (etwa 90 Franken). Nike ist 2026 ohnehin eine gute Adresse für WM-Kooperationen, unter anderem mit dem Virgil Abloh Archive.Spass für Spanien: LoeweDie Spanier gelten an der diesjährigen Weltmeisterschaft als Favoriten. Auch modisch sind sie seit neuestem gut aufgestellt: Bis 2030 stattet Loewe die Männer- und die Frauenteams mit einer Reisegarderobe aus. Als ältestes noch existierendes Luxushaus des Landes ergibt das durchaus Sinn – auch wenn es mittlerweile zum französischen Konzern LVMH gehört und die beiden Amerikaner Jack McCollough und Lazaro Hernandez als Kreativdirektoren amten. Bruno Staub Die Kampagne zur Kooperation wurde in Las Rozas fotografiert, wo die Mannschaft trainiert. Im Bild: Die Spieler Nico Williams (links beziehungsweise oben) und Unai Simón. Sie haben die verspielten Eigenheiten von Loewe subtil in die Uniform eingeflochten. Statt der bei Fussballern beliebten engen Beinkleider gibt es breite Bundfaltenhosen. Das Loewe-Logo ist rot in den Ärmel des Sakkos eingestickt. Darunter tragen die Spieler leuchtend blaue Poloshirts, und die Manschetten eines gestreiften Hemds blitzen hervor. Die Uniformen bleiben den Spielern vorbehalten, aber Ähnliches findet man bei Loewe problemlos.Merinowolle für Uruguay: Gabriela HearstDass sie auf einer Ranch in Uruguay aufwuchs, lernt man, bald nachdem man zum ersten Mal von Gabriela Hearst gehört hat. Ihre Kindheit in der Natur und ihre Verbundenheit zum Handwerk sind der Designerin sehr wichtig. «Einen profunden Tribut an ihre Wurzeln» nennt die Pressemitteilung deswegen ihre Kooperation mit dem uruguayischen Fussballverband. Clara Cullen PD Merinowolle aussen, Seide innen: Die Anzüge der uruguayischen Spieler stammen von Gabriela Hearst. Für die massgeschneiderten Anzüge der Spieler wurde in Uruguay gesponnene Merinowolle von Ranches aus dem Norden des Landes genutzt, und sie sind schlicht gehalten. Darunter tragen die Spieler Poloshirts: Diese sind eine elfenbeinfarbene Version des kurzärmligen «Stendhal»-Shirts aus Merinowolle (895 Franken) aus dem ständigen Sortiment von Gabriela Hearst. Der lederne «Ohio»-Sneaker (945 Franken) hingegen wurde zur Weltmeisterschaft als Limited Edition neu aufgelegt.Trendteile für die USA (und einige andere): BossOvershirts dominieren längst die Herrenmode. Dank Boss kleiden sie nun abseits des Spielfelds auch die amerikanische Nationalelf ein (die deutschen Spieler tragen Marc O’Polo). Das graue, mit zwei Brusttaschen dekorierte Overshirt macht zusammen mit einem klassischen Anzug, einem Pullover und schwarzen Lederloafern die formelle Garderobe der Amerikaner aus. Man kann jedes Teil nachkaufen, nur das Wappen wurde bei der kommerziellen Kollektion entfernt. Boss nutzt für seine Kollektionen die Shirts der Stunde: Overshirts und Poloshirts. Dazu hat Boss eine eigene Kollektion von Fanmode lanciert. Für elf Teams gibt es unter anderem schlichte, farbgewaltige T-Shirts (69 Franken) und, wie in fast allen WM-Kollektionen dieses Jahr, Poloshirts (119 Franken). Wenig verwunderlich: Die Schweiz gehört nicht zu den auserwählten Ländern.Dreiteiler für Japan: DunhillSchon seit mehr als einem Vierteljahrhundert stellt das britische Traditionshaus Dunhill die Anzüge des japanischen Fussballverbands her. 2026 trägt das – auch «Samurai Blue» genannte – Team marineblaue Dreiteiler aus Wolle und Cashmere mit Hemden mit Haifischkragen. Als Accessoires dienen seidene Krawatten und Einstecktücher.Jene sind lediglich im japanischen Online-Shop von Dunhill zu kaufen. Den Anzug gibt es nur als Massanfertigung, er ist deswegen ausschliesslich in den Geschäften des Labels erhältlich. Die Bilder von der Abreise des Teams nach Mexiko Anfang Juni – die adretten Dreiteiler, häufig kombiniert mit einer grossen Designertasche – erfreuen sich im Internet jedoch grosser Beliebtheit. Vielleicht überdenkt Dunhill künftig die geografisch limitierte Verkaufsstrategie? Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.