Für die Fußball-Weltmeisterschaft hat Bob Zonderwijk Karten für ein Viertelfinalspiel in Miami, zweite Juli-Woche. Mittlerweile schaut er Fußballspiele wieder hauptsächlich zum Vergnügen. Doch zu Beginn seines Unternehmertums, vor rund acht Jahren, war das anders: Da musste er am Ende der Spiele oder in den Halbzeitpausen die Spielerumkleiden aufsuchen, um dort von den Zeugwarten der Vereine die getragenen Trikots der Spieler einzusammeln, die er danach versteigerte.Die Zeiten sind inzwischen vorbei. Heute beschäftigt seine Firma Matchwornshirt (MWS) rund 130 Mitarbeiter. Genug, dass der Co-Gründer die verschwitzten Leibchen nicht mehr selbst einsammeln muss. Zonderwijk wird das WM-Viertelfinalspiel bis zum Schluss verfolgen können – „hoffentlich mit Beteiligung der Niederlande“, sagt er.Bob (35) und sein älterer Bruder Tijmen Zonderwijk (38) sind studierte Juristen, aber ihre Leidenschaft gilt dem Fußball. Und die haben sie 2017 mit ihrer Unternehmensgründung in Amsterdam zum Beruf gemacht. Matchwornshirt organisiert die Online-Versteigerung und den anschließenden Versand von getragenen und signierten Originaltrikots.Zwei Brüder versteigern Fußball-Trikots – das GeschäftsmodellHauptsächlich sind es die Jerseys von Fußballspielern, aber mittlerweile bietet MWS auch andere Sportarten an, wie etwa Basketball, Rugby und Radsport. Dafür kooperiert das Unternehmen mit mehr als 400 Vereinen und Verbänden. Die Erlössumme teilen sich Matchwornshirt und der jeweilige Verein; im Schnitt behalten die Zonderwijks 25 Prozent der Auktionseinnahmen. Ein Teil des Geldes, das die Vereine einnehmen, fließt an wohltätige Einrichtungen, die die Klubs aussuchen.Die Auktionen beginnen in der Regel bereits mit Anpfiff und enden meist eine Woche später. Typische Auktionspreise liegen zwischen einigen Hundert und wenigen Tausend Euro pro Sporthemd. Aber mitunter kommen auch ganz andere Summen zusammen: Das Trikot von Cristiano Ronaldo aus dem Länderspiel Portugal gegen Ungarn im vergangenen Jahr ging für 62.600 Euro weg.Das Leibchen des brasilianischen Verteidigers Marquinhos (Paris St. Germain), in dem er 2025 gegen Inter Mailand Champions-League-Sieger wurde: 55.200 Euro. Mit Abstand am meisten Geld aber brachte der orangefarbene Anzug der niederländischen Eisschnellläuferin Jutta Leerdam, die bei den Olympischen Winterspielen 2026 Gold über 1000 Meter und Silber über 500 Meter gewann.Jutta Leerdam aus den Niederlanden bei den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina 2026. Foto: ReutersWM 2026: 15 Nationalverbände kooperieren mit MatchwornshirtFür die Fußball-WM hofft Bob Zonderwijk natürlich auf sein Heimatland. Aber egal, wer das Turnier gewinnen wird: „Für uns ist die WM schon jetzt ein großer Erfolg.“ Bei der letzten Fußball-WM 2022 in Katar kooperierte Matchwornshirt mit zwei Nationalverbänden – beim aktuellen Turnier sind es bereits 15. Darunter sind viele europäische Teams wie Deutschland, England, Portugal und die Niederlande, aber auch die drei Gastgeber USA, Mexiko und Kanada. Die USA sind derzeit der am schnellsten wachsende Markt für Matchwornshirt.Der Secondhand-Markt boomt. Nur hat ein bereits getragenes Kleidungsstück normalerweise, etwa beim Marktführer Vinted, auf den Preis den gegenteiligen Effekt: Es wird günstiger im Weiterverkauf. Doch das gilt ganz offensichtlich nicht, wenn der Vorbesitzer Lionel Messi, Florian Wirtz oder Lamine Yamal heißt und dem Trikot sozusagen eine Aura verleiht.UV-C-Licht statt Waschmaschine: Wie Matchwornshirt Trikots behandelt„Das Gras, der Schweiß, der Matsch, die Tränen – das ist es, was die Trikots so wertvoll macht“, schwärmt Zonderwijk. Matchwornshirt wäscht die Trikots deshalb auch nicht. Dafür machen sie etwas anderes: Sie zerstören Viren und Bakterien in den Textilien. Zu diesem Zweck arbeiten die Zonderwijks mit einer Firmenausgründung der Technischen Universität Delft zusammen. Zusammen entwickelten sie ein Gerät, in dem die Trikots mit UV-C-Licht bestrahlt werden; eine Technik, wie sie etwa Fluggesellschaften während der Covid-Pandemie zur Oberflächenreinigung einsetzten.„Dadurch wird die DNA zwar nicht zerstört“, erklärt Zonderwijk, „sie kann jedoch nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden. Was übrig bleibt, ist ein anonymes DNA-Profil.“ Die Idee entstand während Cristiano Ronaldos Zeit bei Real Madrid (Ronaldo spielte bis 2018 für Real Madrid). „Eine der Vorgaben seiner Anwälte lautete damals, dass nichts, was die DNA eines Spielers enthält, das Gelände von Real Madrid verlassen darf.“Fußball-WM Wie sich Panini im Sticker-Kampf mit Topps behaupten will Im Rennen um Lizenzen für Sammelbildchen haben die Amerikaner Panini überholt. Geschlagen gibt sich das Traditionsunternehmen aber noch nicht. von Kevin GallantMit originellen Anwaltswünschen wissen die Zonderwijks offenbar umzugehen. Nach ihren Jurastudien arbeiteten beide zunächst für Anwaltskanzleien. Als ihr Vater, der als Schulleiter arbeitete, im Jahr 2015 die Schule wechselte, wollten sie ihm etwas für das neue Büro schenken, das ihm ein Gefühl von Heimat vermittelt und auch als „Conversation-Starter“ taugt, wie Bob erzählt. Die Brüder waren sich schnell einig, dass es ein Trikot von Davy Klaassen sein sollte, damals Kapitän von Ajax Amsterdam, Lieblingsspieler des Lieblingsverein der Familie. Noch genauer: das Trikot aus einem Spiel, das sie gemeinsam im Stadion besucht hatten.Doch sie hätten schnell gemerkt: Es ist verdammt schwierig, an das spielgetragene Trikot zu kommen. Es habe zwar auch schon damals Auktionen von Originaltrikots gegeben, erzählt Zonderwijk. Aber das sei nicht institutionalisiert gewesen, nicht regelmäßig und vor allem nicht für jedermann zugänglich.