Für sie: Die will nur spielenFußball ist, wenn man sich als Fußballnation versteht, natürlich eine todernste Angelegenheit. Für alle anderen, genauer gesagt für die US-Amerikaner, ist das Spiel aber einfach nur Soccer. Schaut man in diesen Tagen WM, muss man deshalb öfter zweimal hingucken: Plötzlich sitzt da im Publikum eine Kongolesin, die aussieht wie eine Texanerin. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die Zuschauerin wahrscheinlich Texanerin oder Ähnliches ist und aus purem Spaß an der Freude ein Kongo-Trikot trägt, weil sie einem Spiel dieser Nation beiwohnt. Ja, ist denn diesen Amis gar nichts heilig, muss denn immer alles zu komplett sinnlosem Entertainment verkommen? Ja bitte, unbedingt! Matt Winkelmeyer - FIFA/GettyHier sehen wir die in Europa nicht weiter bekannte Schauspielerin Joey King im Türkei-Oberteil, das sie mit einer USA-Kappe kombiniert. Fußballtrikots sind seit Jahren ein Gen-Z-Favorit. Und in Zeiten von Nationalismus und der Überhöhung des Fußballs ist die Einstellung, dass dieses Ballsport-Event nicht mehr als eine große Party ist, ja wohl geradezu heilsam. Deutschland, das sich bekanntlich bis Montag als Fußballnation verstand, sollte sich also die WM-Gastgeber in den nächsten Jahren unbedingt als Stilvorbild nehmen: Es muss wirklich nicht immer ein Germany-Trikot sein (und schon gar nicht immer das Achtelfinale). Wie wäre es mit einem England-Shirt, einem Mexiko-Trikot oder einem Holland-Leibchen? Nichts wird uns in den nächsten Jahren besser stehen als die Einstellung, dass Fußball Entertainment ist.Für ihn: Hauptsache PopkulturNatürlich sind Amerikaner nicht weniger fanatisch als andere Völker, wenn es um die Identifikation mit Sportsymbolen angeht. Aber anders als Europäer erlauben sie den Sportsymbolen mehrere Bedeutungen gleichzeitig. Jedes NBA-Trikot, das durch eine US-Großstadt getragen wird, kann heute als Fanartikel, Stadtabzeichen, Modeaccessoire, Souvenir oder popkulturelle Referenz gelesen werden. Und die Kappe der New York Yankees hat sich sowieso schon lange von irgendeinem Sportkontext gelöst und geht weltweit als Bekenntnis zu den USA im Allgemeinen, zur Ostküste im Besonderen oder vielleicht auch nur zu Baseballkappen durch. Das ist eine modische Unbeschwertheit, die einem DFB-Trikot oder einem Borussia-Dortmund-Fanschal noch nicht gelungen ist. Hierzulande schwingt bei diesen Sachen schon immer noch eine Fan-Ernsthaftigkeit mit – zumal wenn man sich erlaubt, sie bei der Arbeit oder im Alltag zu tragen, da gilt man schnell als verkappter Ultra. IMAGO/Guerin Charles/ABACWenn nun hier der Rapper Travis Scott im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft auftaucht, ist das modehistorisch absolut stimmig. Schließlich war es die Hip-Hop-Kultur der 90er-Jahre, die Sporttrikots von ihrer eigentlichen Botschaft und aus den Stadien befreite und sie als vollwertigen Teil der Streetwear etablierte. Allerdings trägt Herr Scott das Trikot ja bei einem Fußballspiel und damit nicht als ausschließliches Modeelement – es soll vermutlich schon als Referenz an die Brasilianer gelesen werden. Warum? Vielleicht, weil er gerade mit deren Sponsor Nike eine Kooperation im Stile ikonischer Fußball-Looks aufgelegt hat? Vielleicht aber auch nicht.
Fußballtrikots in den USA: Mode und Unterhaltung bei der WM
Die WM zeigt, wie Fußballtrikots in den USA als Mode und Fanartikel genutzt werden. Anders als in Deutschland verbinden Amerikaner Trikots mit Spaß und Vielfalt.













