Nach einer Messerattacke in Belfast kommt es zu Ausschreitungen in NordirlandEin als Asylbewerber eingereister Sudanese hat in Belfast einen Mann brutal niedergestochen. Die Tat befeuert die ohnehin aufgeheizte Debatte über die britische Migrationspolitik.10.06.2026, 06.30 Uhr3 LeseminutenAm Dienstagabend entzündete sich die Wut der Demonstranten, Autos wurden in Brand gesetzt.AP(Reuters) Nach einem schweren Messerangriff in der nordirischen Hauptstadt Belfast vom Montag ist die Lage am Dienstagabend eskaliert. Hunderte von Demonstranten lieferten sich in der Stadt Strassenschlachten mit Sicherheitskräften. Maskierte Jugendliche setzten an verschiedenen Orten Fahrzeuge in Brand, darunter auch einen Linienbus im Osten Belfasts. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut Berichten des Senders BBC drang ein Mob von rund 100 Männern im Osten der Stadt in Wohnstrassen ein, beschädigte Häuser und schlug Fensterscheiben ein. Fernsehbilder von Sky News zeigten zudem ein brennendes Wohnhaus. Auch in London kam es zu kleineren Solidaritätskundgebungen; einige Dutzend Demonstranten blockierten vorübergehend den Parliament Square.Opfer schwebte in LebensgefahrAuslöser der Unruhen war eine Messerattacke, die sich am späten Montagabend im Norden Belfasts ereignet hatte. Ein Mann in den Vierzigern erlitt dabei schwere Augenverletzungen sowie tiefe Schnittwunden an Kopf, Hals und Rücken. Videoaufnahmen in den sozialen Netzwerken zeigen, wie Passanten versuchten, den Angreifer bis zum Eintreffen der Polizei abzuwehren. Die Behörden betonten, dass dieses beherzte Eingreifen dem Opfer mutmasslich das Leben gerettet habe. Am Tatort wurde ein Küchenmesser sichergestellt.Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat als «abscheulich». Die nordirische Polizeiführung rief umgehend einen sogenannten «kritischen Zwischenfall» aus, um zusätzliche Ressourcen zu mobilisieren. Gleichzeitig appellierte der stellvertretende Polizeichef Ryan Henderson an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren: «Ich verstehe, dass dieser versuchte Mord bei den Menschen eine Vielzahl von Emotionen auslöst – von Angst bis hin zu Wut. Doch ich appelliere an die Besonnenheit, um die Sicherheit in all unseren Gemeinschaften zu gewährleisten.»Die politischen Führer der wichtigsten nordirischen Parteien verurteilten den Angriff in einer gemeinsamen Erklärung ebenfalls aufs Schärfste und warnten vor weiterer Eskalation, die letztlich nur den eigenen Wohnvierteln schade.Verdächtiger reiste als Asylbewerber einAm Dienstagabend erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmasslichen Täter. Es handelt sich um einen 30-jährigen sudanesischen Staatsangehörigen. Ihm werden versuchter Mord, das Mitführen einer Stichwaffe in der Öffentlichkeit sowie Todesdrohungen vorgeworfen. Er soll am Mittwoch vor dem Haftrichter in Belfast erscheinen.Wie die Polizei mitteilte, lebte der Mann zuletzt in Belfast. Er war im Februar 2023 mit dem Bus von Dublin nach Nordirland eingereist, nachdem er zuvor von Paris aus nach Irland geflogen war. Im September 2023 wurde seinem Asylantrag stattgegeben, womit er ein Bleiberecht im Vereinigten Königreich erhielt.Polizeichef Jon Boutcher stellte klar, dass der Verdächtige den Behörden zuvor völlig unbekannt war: «Es gibt keine Spuren dieses Verdächtigen in unseren nationalen Sicherheitsdatenbanken, und er war der Polizei von Nordirland bis dato nicht bekannt.» Die Ermittler behandeln die Tat derzeit nicht als Terrorakt.Aufgeheiztes politisches KlimaDer Vorfall trifft das Vereinigte Königreich in einer Phase ausgeprägter gesellschaftlicher Spannungen. Die Debatte über die Migration ist hochgradig politisiert. Populistische Parteien werfen der Regierung in London seit längerem vor, dass die britische Asylpraxis ein Sicherheitsrisiko darstelle und gefährlichen Personen den Aufenthalt im Land ermögliche.Zuletzt war die Stimmung durch den Mord an einem Studenten zusätzlich angeheizt worden. Der Täter, ein Sikh, hatte damals fälschlicherweise behauptet, rassistisch motiviert angegriffen worden zu sein; das Opfer verstarb noch am Tatort in Handschellen der Polizei. Bereits im vergangenen Jahr war es in Nordirland nach einer mutmasslichen sexuellen Nötigung zu heftigen ausländerfeindlichen Ausschreitungen gekommen.Passend zum Artikel
Nach Messerattacke von Asylbewerber: Unruhen erschüttern Belfast und Nordirland
Ein als Asylbewerber eingereister Sudanese hat in Belfast einen Mann brutal niedergestochen. Die Tat befeuert die ohnehin aufgeheizte Debatte über die britische Migrationspolitik.












