Mit einem Küchenmesser drückt ein Mann sein Opfer auf einer Wohnstraße im Norden Belfasts zu Boden. Er kniet auf ihm, sticht auf Kopf, Nacken und Rücken ein, immer wieder. Passanten sehen zu. Einer greift ein, mit einem Hockeyschläger in der Hand. Andere rufen die Polizei. Das Opfer, ein Mann Mitte 40, überlebt schwer verletzt. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen Mann sudanesischer Herkunft handeln.
Jemand hat alles gefilmt. Das Video landet auf X, auf Telegram und in WhatsApp-Gruppen. Noch in derselben Nacht beginnen reichweitenstarke Accounts zu teilen, darunter Stephen Yaxley-Lennon, der sich Tommy Robinson nennt. Als die Polizei am nächsten Morgen bekannt gibt, dass der Verdächtige ein sudanesischer Asylbewerber ist, steht das nächste Kapitel bereits fest. Autos brennen in der nordirischen Hauptstadt. Wohnhäuser brennen. Polizeihubschrauber kreisen über der Stadt. Maskierte Männer ziehen durch Wohnstraßen und klingeln an Türen.
Was in Belfast passiert ist, ist ein weiterer Vorfall in einer transnationalen Serie. Das Vereinigte Königreich befindet sich in einem aufgewühlten Klima rund um Messergewalt. Wenige Wochen zuvor war ein Polizeivideo aus dem südenglischen Southampton öffentlich geworden, das zeigt, wie Beamte dem 18-jährigen Studenten Henry Nowak Handschellen anlegten, während er innerlich verblutete. Die Polizisten hatten ihn für den Angreifer gehalten. Er war das Opfer. Nowak starb. Sein Mörder wurde Ende Mai 2026 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.










