PfadnavigationHomePolitikAuslandNordirland„Wir leben nur noch in Angst“ – Nach der verstörenden Messerattacke brennen in Belfast FahrzeugeStand: 22:50 UhrLesedauer: 4 MinutenMenschen beobachten, wie ein Fahrzeug während einer Demonstration in East Belfast brenntQuelle: Peter Morrison/AP/dpaBrennende Busse, schwarzer Rauch, wütende Massen: Nachdem ein Sudanese einen Mann in der Öffentlichkeit brutal attackiert hat, eskaliert die Lage in Belfast. Nordirische Politiker warnen vor Ausschreitungen.Nach der schockierenden Messerattacke in der nordirischen Hauptstadt bricht sich die blanke Wut Bahn: Wütende Demonstranten haben in Belfast mehrere Fahrzeuge, darunter einen Bus, in Brand gesetzt. Mehrere Hundert Menschen hatten sich Berichten zufolge zuvor in der Stadt versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Wie in Luftaufnahmen im Nachrichtensender Sky News zu sehen war, stieg in mehreren Teilen der Stadt schwarzer Rauch auf. Der BBC zufolge kam es auch in anderen Städten Nordirlands zu Protesten. In Southampton versammelten sich Menschen mit britischen Flaggen unter dem Motto „Enough is Enough“ (Genug ist genug).Zum Anlass nahmen die Demonstranten einen Messerangriff vom Tag zuvor, bei dem ein Mann schwer verletzt worden war. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 30 Jahre alten Mann aus dem Sudan. Er wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt. Er soll versucht haben, seinem wehrlosen Opfer den Kopf abzutrennen.Nach dem Angriff kamen umgehend Fragen zum Aufenthaltsstatus des Angreifers auf. Laut der nordirischen Polizei erhielt er im September 2023 ein Visum für fünf Jahre. Er sei vom Sudan erst nach Paris und Dublin gekommen und habe dann in Belfast Asyl beantragt. Der Staatssekretär für Nordirland, Hilary Benn, sagte auf Nachfragen im Parlament, er könne nicht bestätigen, dass der Verdächtige illegal ins Land gekommen sei. Gavin Robinson, Chef der Partei DUP, forderte dennoch eine Eindämmung „unkontrollierter Einwanderung“. Polizei bat, Video nicht zu verbreitenIn einem Video, das im Netz kursiert, ist zu sehen, wie der Angreifer mit einem Messer mitten auf einer Straße auf einem blutüberströmten Mann sitzt und diesen mit einem Messer traktiert. Zwischendurch hebt er das Messer in die Höhe und ruft etwas. Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen den Angreifer von seinem Opfer zu trennen.Die Polizei bat darum, das Video nicht zu verbreiten. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief die Menschen auf, sich nicht durch Social Media aufstacheln zu lassen und die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen. Es gebe bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, hieß es in der Mitteilung der Polizei.Der stellvertretende Polizeichef Ryan Henderson rief zudem mögliche Zeugen auf, die Ermittlungen zu unterstützen und jegliche Videoaufnahmen des Angriffs zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus kündigte er an, die Polizei werde ihre Präsenz auf den Straßen „heute Abend und in den kommenden Tagen“ verstärken. Lesen Sie auchDabei bezog sich Henderson auch auf Protestaufrufe von Rechtsextremisten. Diese hatten das Video von der Messerattacke vielfach geteilt und die Bürger zur Teilnahme an Demonstrationen „gegen die Masseneinwanderung“ angehalten, die demnach in mehreren Städten geplant waren. Die Beamten würden „friedliche Proteste unterstützen“, sagte Henderson zu den Aufrufen – gleichzeitig warnte er aber vor Ausschreitungen „wie im vergangenen Jahr“.Im Juni 2025 war es in ganz Nordirland mehr als eine Woche lang zu Unruhen gekommen, nachdem zwei rumänische Teenager wegen der Vergewaltigung einer Schülerin angeklagt worden waren. Die Anklage war damals fallen gelassen worden.Zum Zustand des Opfers der Messerattacke sagte Henderson, der Mann „in den 40ern“ sei mit „erheblichen Augenverletzungen und Schnittwunden an Rücken und Gesicht“ ins Krankenhaus eingeliefert worden. Am Tatort wurde demnach ein Küchenmesser sichergestellt.Eine in der Nähe wohnende, 31 Jahre alte Hausfrau sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP, der Angriff habe die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt. „Wir leben jetzt nur noch in Angst!“Warnung vor AusschreitungenDer britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat aufs Schärfste. „Der furchtbare Angriff in Belfast ist widerwärtig. Ich habe absolut keine Toleranz für entsetzliche Szenen der Gewalt wie diese auf unseren Straßen“, so Starmer auf der Plattform X. Nordirische Politiker verschiedener Parteien äußerten sich ähnlich und warnten vor Ausschreitungen. Erst in der vergangenen Woche kam es in der südenglischen Stadt Southampton zu Krawallen am Rande eines Protests. Auslöser war die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen, die einen krassen Polizeifehler nach der tödlichen Messerattacke eines Manns aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak zeigten.Lesen Sie auchStatt den Mörder festzunehmen, der sich als Opfer eines rassistischen Übergriffs darstellte, hatten die Polizisten dem sterbenden Nowak Handschellen angelegt. Auch in Southampton gingen Menschen wieder auf die Straße, um gegen die aktuelle Einwanderungspolitik zu demonstrieren.dpa/afp/AP/saha