PfadnavigationHomePolitikDeutschlandFCAS-Aus„Fahrlässig“ und „mehr als bitter“ – Grüne werfen Bundesregierung „Versagen“ vorStand: 21:30 UhrLesedauer: 3 MinutenModell des geplanten FCAS-KampfjetsQuelle: AFP/JULIEN DE ROSANach dem Scheitern des milliardenschweren Kampfjetprojekts FCAS beginnt der politische Schlagabtausch. Grüne sehen einen „schweren Rückschlag“ und werfen der Bundesregierung Führungsversagen vor. SPD-Außenpolitiker Michael Roth spricht von einer „Tragödie“.Das Scheitern des deutsch-französischen Kampfjetprojekts FCAS hat parteiübergreifend Kritik und Besorgnis ausgelöst. Während die Grünen der Bundesregierung Versagen vorwerfen, verteidigt die FDP die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Andere Politiker sehen vor allem strukturelle Probleme der europäischen Rüstungskooperation.Grünen-Chefin Franziska Brantner warf der Bundesregierung mangelnde Führung vor. Die schwarz-rote Regierung verweise lediglich auf die Blockadehaltung der beteiligten Unternehmen. „Doch genau hier zeigt sich das eigentliche Versagen: Wo die Industrie blockiert, ist es Aufgabe der Politik, Führung zu zeigen und durchzusetzen“, sagte Brantner dem „Handelsblatt“.Dass weder ein deutsch-französischer Konsens noch ein tragfähiges Industriemodell zustande gekommen seien, sei ein schwerer Rückschlag für die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. „Wenn es schlecht läuft, steht am Ende gar kein europäisches modernes Kampfflugzeug, oder nur eines mit einem amerikanischen Motor. Das ist fahrlässig“, sagte die Grünen-Vorsitzende.Lesen Sie auchAuch die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Agnieszka Brugger sprach von einem „mehr als bitteren“ Rückschlag. Die Bundesregierung müsse nun rasch festlegen, wie es weitergehe. „Die Luftwaffe, die Bundeswehr und unsere Sicherheit brauchen jetzt eine klare Antwort“, sagt sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Europa brauche mehr gemeinsame Verantwortung und weniger nationale Eitelkeiten.Unterstützung erhielt die Bundesregierung dagegen von der FDP-Europaabgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Das Scheitern komme „nicht überraschend“, erklärte sie auf X. Die französische Industrie habe eine dominante Führungsrolle beansprucht und Airbus faktisch auf die Rolle eines Zulieferers reduzieren wollen. Die Entscheidung von Merz verteidigte Strack-Zimmermann ausdrücklich. Es sei richtig gewesen, „die Notbremse zu ziehen“. Zugleich sprach sie sich für eine neue europäische Kooperation mit Großbritannien, Schweden und Spanien aus.Der SPD-Außenpolitiker Michael Roth bezeichnete das Scheitern als „Tragödie“. Verantwortung tragen alle Beteiligten in Deutschland, Frankreich und Spanien. Nun gehe es darum, die strukturellen Probleme europäischer Rüstungskooperation offen anzusprechen, schreibt er auf X. Gemeinsame Entwicklungen und europäische Standards seien angesichts des rasanten technologischen Wandels alternativlos.Kritik kam auch vom BSW-Europaabgeordneten Fabio De Masi. Das Aus von FCAS zeige, dass große europäische Rüstungsprojekte immer wieder an den Interessen nationaler Unternehmen und den unterschiedlichen Anforderungen der beteiligten Staaten scheiterten. Nach seiner Einschätzung wird deshalb auch künftig ein erheblicher Teil der europäischen Verteidigungsausgaben in die USA fließen.FCAS („Future Combat Air System“) galt als eines der wichtigsten europäischen Rüstungsprojekte. Den Startschuss für das prestigeträchtige Projekt hatten die damalige Kanzlerin Angela Merkel und Macron im Juli 2017 gegeben. Deutschland, Frankreich und Spanien wollten damit bis 2040 ein vernetztes Luftkampfsystem aus Kampfjet, Drohnen und digitalem Gefechtsmanagement entwickeln. Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Airbus und dem französischen Hersteller Dassault erklärten Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Macron das Vorhaben nun für gescheitert.AFP/jra/jac
FCAS-Aus: „Fahrlässig“ und „mehr als bitter“ – Grüne werfen Bundesregierung Versagen vor - WELT
Nach dem Scheitern des milliardenschweren Kampfjetprojekts FCAS hat ein politischer Schlagabtausch begonnen. Grüne sprechen von einem „schweren Rückschlag“ und werfen der Bundesregierung Führungsversagen vor.













