Mehrfach wurde die Entscheidung verschoben, jetzt haben Merz und Macron die Reißleine gezogen. Foto: Kay Nietfeld/dpaDa ist es: Das Ende des deutsch-französischen Krisen-Kampfjets. Endlich. Lange hat es gedauert, bis Bundeskanzler Friedrich Merz dem Projekt FCAS den Stecker zog. Nun ist Deutschland raus. Was Beteiligte seit Langem als tot bezeichnen, ist es nun wirklich: Das teuerste europäische Rüstungsprojekt aller Zeiten wird in seiner bislang geplanten Form nicht abheben. Viele werden erleichtert sein – ein bitterer Beigeschmack bleibt.Wer am Abend der Entscheidung mit Rüstern telefoniert, hört klare Worte: „Geostrategisch ist und bleibt das Aus ein Debakel“, sagt ein Manager. In der Außenwahrnehmung ist es verheerend. Und sicherheitspolitisch markiert es einen herben Rückschlag. Ganz zu schweigen von dem fatalen Signal gemeinsamer deutsch-französischer Möglichkeiten für die europäische Verteidigung.Von einem „traurigen Tag für die europäische Sache“ spricht Christian Badia, früher Deputy Supreme Allied Commander bei der Nato, der FCAS aufseiten der Allianz mitverhandelt hat. „Wieder einmal zeigt sich, dass es die führenden europäischen Nationen nicht schaffen, geschlossen und entschlossen zu handeln.“Dabei hat die Bundesregierung eine seit Monaten eingeprobte Alternativ-Erzählung parat, die jetzt greift – und einen gesichtswahrenden Ausweg für beide Nationen ermöglicht. Sie geht so: Frankreich will ein schweres Flugzeug, das auf einem Flugzeugträger landen und Atomwaffen tragen kann. Deutschland braucht einen leichten Jet, der weit fliegt und schnell die Nato-Ostflanke erreicht. Atomwaffen besitzt Deutschland ohnehin keine. Also: Cloud-Technologie und elektronische Kampfführung gerne weiter gemeinsam. Die Kampfflugzeuge künftig lieber getrennt. Fertig. Scheidung vollzogen.Rüstung Merz und Macron beenden FCAS-Kampfjetprojekt Nach langen Querelen ist klar: Deutschland und Frankreich stoppen das prestigeträchtige Mega-Rüstungsprojekt eines gemeinsamen Kampfflugzeugs. Zu diesem Schluss war die Bundesregierung schon vor Monaten gekommen. Dennoch suchte sie offenbar hinter den Kulissen noch einmal nach einem besseren Ausweg – oder wartete zumindest auf einen günstigen Moment, bevor sich diese Woche auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin die Größen der deutschen Luftfahrtbranche versammeln und der Kanzler über die deutsche Luftfahrtstrategie der Bundesregierung sprechen wird.Die Gründe für das FCAS-ScheiternSei es, wie es sei. Die Wahrheit ist: Die Gründe für das Scheitern von FCAS liegen tiefer als unterschiedliche Anforderungsprofile. Wo am Anfang der unbedingte politische Wille Deutschlands und Frankreichs stand, ein gemeinsames Rüstungsprojekt auf den Weg zu bringen, wurden von Beginn an schwere Fehler gemacht.Der schlimmste lag in der Struktur des Projekts selbst: Der französische Flugzeugbauer Dassault und seine Eigentümerfamilie sind nicht auf FCAS angewiesen. CEO Éric Trappier hat auf Jahre gut gefüllte Auftragsbücher mit Bestellungen des Mehrzweckkampfflugzeugs Rafale. Hinzu kommt: In Frankreich steht kommendes Jahr die Wahl einer neuen Regierung an. Ein Sieg des Rassemblement National hätte FCAS ohnehin vom Kurs abgebracht.Kurzum: Zuletzt hatte Trappier schlicht kein Interesse mehr an echter Zusammenarbeit mit Airbus. Stattdessen gab es nur scheinheilige Angebote, das Projekt quasi ganz zu übernehmen. Weil Dassault einer der wenigen privatwirtschaftlichen Rüstungsbetriebe Frankreichs ist, konnte Präsident Emmanuel Macron sich gegen diese Haltung nicht durchsetzen – egal wie sehr er es wollte. Politisch lässt das Macron schwach erscheinen.FCAS Bundesregierung legt Strategie zum Kampfjet der Zukunft vor In ihrer neuen Luftfahrtstrategie ergänzt die Bundesregierung ein Kapitel zum neuen Kampfjet der sechsten Generation. Kommt jetzt die FCAS-Lösung? von Max BiederbeckAber auch für Merz ist die späte Entscheidung eine Niederlage, selbst wenn die Erleichterung im Kanzleramt groß sein dürfte. Fakt bleibt: Arbeitsplätze in der deutschen Flugzeugbranche gingen wegen der Verzögerungen verloren, politische Instabilität wurde erzeugt und strategische industrielle Kapazität aufs Spiel gesetzt. Dazu machten andere potenzielle Partner mit eigenen Projekten ohne Deutschland weiter. Mittlerweile hat jede gehandelte Alternative zu FCAS einen hohen Preis.Die Alternativen zu FCASDas Kampfsystem GCAP – Global Combat Air Programme – haben die Partner Großbritannien, Italien und Japan bereits fertig verhandelt. Eine Öffnung werden sie sich einiges kosten lassen, wenn sie denn überhaupt noch möglich ist.Airbus auf der anderen Seite kann wohl kein Kampfflugzeug allein bauen und muss jetzt auf Partnersuche gehen. Bei Saab etwa gibt es Interesse. Eine Kooperation wäre aber durchaus kein Selbstläufer, etwa weil der Export eines gemeinsamen Flugzeuges schwieriger würde und die Schweden selbst nationale Anforderungen an das Projekt mitbringen.„Das alles bedeutet außerdem wieder diverse Fighter-Programme in Europa“, sagt ein Rüster, der nah am Projekt dran ist. Wieder mehr unterschiedliche Systeme, weniger Zusammenarbeit, mehr Komplexität. Und: Das Partnerprogramm für den Panzer der Zukunft MGCS werde jetzt wohl mit untergehen.Da wäre es gut, wenn Merz nun wenigstens mit einem konkreten Plan nachlegt, wie er sich das weitere Vorgehen vorstellt, und wie Deutschland zügig Partner dafür findet.Immerhin: In der neuen Luftfahrtstrategie gibt es auch ein Kapitel zum Kampfjet der sechsten Generation. Die Bundesregierung knüpft dessen Entstehung demnach eng an eine Entwicklung in der deutschen Luftfahrtindustrie.Sie setze sich für deren Beteiligung „an entsprechenden Programmen ein, damit die politischen, militärischen, technologischen und industriellen Interessen der Bundesrepublik Deutschland Berücksichtigung finden“, heißt es darin.Entstehen soll ein „System von Systemen“, in dessen Zentrum ab 2040 weiterhin ein bemannter Kampfbomber steht – vernetzt mit einer wachsenden Flotte unbemannter Begleit- und Unterstützungssysteme. Allerdings: Erste unbemannte Flugzeuge sollen bereits ab 2029 einsatzbereit sein. Vermutlich wären sie damit schneller fertig, als das neue Trägersystem selbst.
FCAS-Aus: Bundesregierung stoppt teuerstes europäisches Rüstungsprojekt
Mit gut einstudierter Argumentation und ordentlicher Erleichterung: Die deutsche Bundesregierung begräbt das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS. Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt. Ein Kommentar.












