KommentarDer Ski-Weltverband braucht eine neue Führung – Johan Eliasch ist der falsche Mann für den JobDie Kündigung des Schweizers Urs Lehmann als FIS-CEO ist die finale Bestätigung: Der Ski-Weltverband braucht einen umfassenden personellen Neustart.08.06.2026, 10.30 Uhr3 LeseminutenSoll in den vergangenen fünf Jahren bis zu 100 Millionen Schweizerfranken an Reserven verbraucht haben: der FIS-Präsident Johan Eliasch.Jean-Christophe BottAls Johan Eliasch vor fünf Jahren zum Präsidenten des Internationalen Skiverbandes (FIS) gewählt wurde, gab es Zweifel wegen vermuteter Interessenkonflikte. Sie konnten aus seiner Rolle als Besitzer und damaliger CEO des Ski- und Sportartikelherstellers Head entstehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch die Hoffnungen auf den schwedisch-britischen Doppelbürger waren in der Skiszene grösser als die Bedenken. Eliasch hatte Head zum erfolgreichen Unternehmen und sich zum Milliardär gemacht. Man traute ihm zu, auch den Ski-Weltverband zu entstauben und zu modernisieren. Nach 23 Jahren unter Gian Franco Kasper an der Spitze der FIS war Trägheit eingezogen, Reformen waren dringend nötig.Fünf Jahre später herrscht Ernüchterung. Eliaschs Erfolge sind rar, sein Führungsstil wirkt undurchsichtig und blockierend, der beschriebene Interessenkonflikt ist nur eines von vielen Problemen. Auch finanziell haben sich die Hoffnungen ins Gegenteil verkehrt: Jüngst schlugen Verbände wie Swiss Ski Alarm. Sie berichteten von Zahlen, die mit den Angaben des Präsidenten wenig gemein hätten. Eliasch soll in den vergangenen fünf Jahren bis zu 100 Millionen Schweizerfranken an Reserven verbraucht haben. Setze sich dieser Kurs fort, drohe dem Verband ein finanzielles Desaster.Unter dem Strich ist klar: Die FIS braucht einen personellen Neuanfang.Am kommenden Donnerstag müssen die stimmberechtigten Mitgliedsverbände am FIS-Kongress in Belgrad einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin wählen. Der Liechtensteiner Alexander Ospelt und die Britin Victoria Gosling präsentieren sich als Alternativen zu Eliasch, mit dem der Verband nicht mehr aus dem Schlamassel kommt.Die letzte Bestätigung dafür folgte am Freitag, als Urs Lehmann seine Stelle als CEO der FIS kündigte. Der ehemalige Rivale von Eliasch und langjährige, erfolgreiche Swiss-Ski-Präsident hatte den Posten erst im vergangenen September angetreten. Er sollte die Gräben zuschütten, die zwischen dem Präsidenten und Verbänden oder Veranstaltern entstanden waren. Er sollte Blockaden lösen und Transparenz schaffen.Es überrascht nicht, dass die Zusammenarbeit der beiden scheiterte. Und auch Lehmann hat im Skizirkus nicht nur Freunde. Doch sein Rückzug belegt sehr wohl, wie schwierig es sein muss, mit Eliasch konstruktiv zusammenzuarbeiten.Die Zusammenarbeit aller Protagonisten, die den Schneesport weiterbringen wollen, ist aber dringend nötig. Zu gross sind die zu beantwortenden Fragen: Wie sieht die Zukunft des Schneesports in Gebirgen aus, die der Klimawandel immer stärker prägt? Wie lässt sich das kommerzielle Potenzial des Sports und seiner Wettbewerbe besser ausschöpfen in einem Markt, der für alle Sportarten mit Ausnahme des Fussballs schwierig ist? Wie gelingt der Spagat, den Rennkalender globaler zu machen, ohne die traditionellen Wintersportnationen zu vergraulen?Auch unter einer neuen Führung werden nicht plötzlich alle einer Meinung sein. Die Interessen und Bedürfnisse der Mitgliedsverbände, die Zukunftsvorstellungen für den Sport und die Erwartungen an den Verband sind zu verschieden. «Schmerzhafte Gespräche» stünden bevor, so drückt es ein Beteiligter aus. Die grossen Verbände werden den kleinen entgegenkommen müssen, um die angespannte finanzielle Situation zu entschärfen.Ein Führungswechsel würde aber ein Aufatmen bringen, einen Aufbruch. Derzeit herrscht in der Skiszene ein Klima des Misstrauens, eine Art bleierne Schwere. Mitgliedsverbände, Partner und Sponsoren sind durch die unterschiedlichen Berichte zur finanziellen Lage verunsichert.Viele sind frustriert, weil ständig Versprechungen gemacht und nicht gehalten wurden. Das betrifft auch die Athleten. Sie haben bisher wenig von Eliaschs vollmundigem Versprechen gesehen, das Preisgeld deutlich zu erhöhen.Jetzt braucht es dringend Leute, die die reale Lage des Verbandes nicht beschönigen. Sie müssen gemeinsam nach Lösungen und Kompromissen suchen. Ob die Gegenkandidaten mehr wären als Übergangspräsidenten, müsste sich weisen. Dass es mit Eliasch nicht funktioniert, steht hingegen fest.Passend zum Artikel