„Wir hoffen, dass wir diesen fünf Jahre währenden Albtraum beenden können“, sagt Stefan Schwarzbach, Vorstand im Deutschen Skiverband, vor dem Kongress des Internationalen Skiverbandes (FIS) in Belgrad im Gespräch mit der F.A.Z. Und meint damit die Präsidentschaft von Johan Eliasch. Jegliches Vertrauen sei verspielt, die Basis einer Zusammenarbeit ruiniert, sagt Schwarzbach. Und nebenbei offenbar auch noch die Finanzen des Verbandes.Das Vermögen der FIS soll unter Eliasch wie Schnee in der Frühlingssonne geschmolzen sein. Von 130 auf 43 Millionen Franken, so Athletensprecher AJ Ginnis. Das ist umso bemerkenswerter, da Geschäftsmann Eliasch einst mit dem Versprechen angetreten war, den Skiverband in eine goldene Zukunft zu führen. Er wollte die Zentralvermarktung vorantreiben, den Skisport klimaneutral gestalten und ihn zugleich weltweit positionieren. Doch die meisten seiner Aussagen und Annahmen hätten sich „als Luftschlösser“ entpuppt, so Schwarzbach. „Vieles, was die aktuelle FIS-Führung versprochen hat, wird nicht umgesetzt“, urteilte auch Skistar Mikaela Shiffrin.An diesem Donnerstag wird gewählt. Johan Eliasch tritt wieder an. Der schwedisch-britische Unternehmer, seit 2021 FIS-Präsident, würde gegen allen Widerstand sein Amt gerne behalten. Bei seiner ersten Wiederwahl im Mai 2022 trat Eliasch ohne Gegenkandidat an. Damals bestand nur die Möglichkeit, für ihn zu stimmen oder sich zu enthalten – ein Nein war nicht möglich. „Eine Farce“, urteilte Schwarzbach damals.„Viel heiße Luft produziert“Diesmal gibt es einen Gegenkandidaten: den Rechtsanwalt Alexander Ospelt, bis 2023 Präsident des Liechtensteiner Skiverbands. Ospelt ist neben Eliasch der einzige Anwärter auf das Amt, nachdem die Britin Victoria Gosling ihre Kandidatur zurückgezogen hat. Seine Kampagne steht unter dem Motto „Brücken bauen“. Der 57-Jährige setzt auf Transparenz, propagiert den direkten Dialog mit Verbänden und Athleten, möchte sich drängenden Problemen wie Klimawandel und Athletensicherheit widmen.Weil ihm die Verbände seiner Heimatländer die Gefolgschaft versagten, tritt Eliasch unter der Flagge Georgiens an. Der 64-Jährige besitzt seit April auch die georgische Staatsbürgerschaft. Gemäß FIS-Statut muss ein Kandidat einen gültigen Pass der Nation vorweisen, von der er nominiert wird. „Es ist ein Land, das mir sehr gut gefällt“, sagte der selbsternannte Weltbürger jüngst über seine Verbindung zu Georgien. Das Land liebe den Sport „und hat großartige Berge zu bieten“.Die großen Skinationen aus dem Alpenraum und Skandinavien sind Eliaschs Superlative leid. Man habe „immer wieder dieselben Gespräche geführt“, erklärt Schwarzbach. Oft habe man gedacht, nun gäbe es einen gemeinsamen Weg. Und stellte dann wieder fest: „Alle Aussagen sind ohne Bestand.“ Eliasch habe bei seinen Versprechen, den Skisport zu einer globalen Weltsportart zu machen, „viel heiße Luft produziert“.Vor allem der Streit um die Finanzen eskalierte, FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann erklärte jüngst seinen Rücktritt. Der Schweizer, 1993 Abfahrtsweltmeister und von 2008 bis 2025 Präsident des Schweizer Skiverbands, wollte 2021 selbst FIS-Präsident werden, galt als Gegenspieler Eliaschs.Ziemlich überraschend war er 2025 als Geschäftsführer zur FIS gewechselt. Nun gab Lehmann auf. „Der Steuermann verlässt das Schiff“, analysierte Schwarzbach. Weil er vergeblich einen Kurswechsel forderte, „während der Kapitän mit einem Glas Champagner auf dem Sonnendeck steht“, so Schwarzbach: „Titanic lässt grüßen.“