Mehrere Verbände verbünden sich gegen den FIS-Präsidenten: Die Luft für Johan Eliasch wird dünnerMehrere Skiverbände, darunter jene aus der Schweiz, Österreich, den USA und Norwegen, beziehen erstmals Stellung gegen den Präsidenten des Weltverbandes. An den nächsten Wahlen wollen sie Eliasch aus dem Amt drängen.17.05.2026, 16.00 Uhr4 LeseminutenWill mit allen Mitteln FIS-Präsident bleiben: der Schwede, Brite und Georgier Johan Eliasch.ImagoJohan Eliasch kämpft um sein Amt. Der Präsident des Ski-Weltverbandes (FIS) möchte am 11. Juni am FIS-Kongress in Belgrad für weitere vier Jahre gewählt werden. Schon zu kandidieren, war aber nicht ganz einfach für ihn. Eliasch ist schwedischer und britischer Staatsbürger, beide Skiverbände verzichteten auf eine Nomination. Ein Pass und die Unterstützung des entsprechenden Verbandes sind aber Voraussetzungen für eine Kandidatur; Eliasch wurde in Georgien fündig und erhielt kurzerhand Pass und Nomination.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trotzdem ist seine Situation noch einmal ungemütlicher geworden. Die latente Unzufriedenheit vieler Akteure im Skisport mit seinem Gebaren und Wirken als FIS-Chef seit seiner Wahl 2021 ist schon lange spürbar. Nun manifestiert sie sich auch offiziell: Mehrere Verbände haben sich in einem Brief, der der NZZ vorliegt, an die weiteren Mitgliedsländer der FIS gewandt. Darin bekunden sie ihre Sorge um den Zustand des Weltverbandes und ihren Willen, dass sie die Weichen anders stellen wollen. Unterschrieben wurde der Brief von hohen Funktionärinnen und Funktionären aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, den USA, Kanada, Norwegen und Spanien.Im Brief schreibt die Allianz, in zahlreichen Gesprächen mit anderen Verbänden während der vergangenen Monate sei etwas immer klarer geworden: In der FIS-Gemeinschaft wachse das Bewusstsein, dass die Organisation vor erheblichen Problemen stehe, die angegangen werden müssten. Zum Beispiel die Finanzen: «Die FIS befindet sich in einer sehr ernsten finanziellen Lage, die sich in den letzten fünf Jahren erheblich verschlechtert hat. Die Barreserven sind stark geschrumpft, die jährlichen Betriebskosten sind deutlich gestiegen, und die Einnahmen haben sich nicht wie erwartet entwickelt. Trotz den jüngsten Präsentationen und Beschwichtigungen.»Die kleinen Verbände sind wichtig für die MehrheitDie grossen Verbände aus den traditionellen Wintersportnationen, die den Brief verfassten, betonen darin nicht zufällig die Wichtigkeit gesunder FIS-Finanzen gerade für kleinere und mittlere Verbände. Diese kleineren Akteure im Schneesport sind oft abhängig von den Zuwendungen des Weltverbandes – sie sind aber auch für die Grossen wichtig, wenn die Abwahl von Eliasch gelingen soll. Die rund achtzig stimmberechtigten Mitgliedsverbände haben abhängig von der Grösse und weiteren Faktoren zwischen einer und drei Stimmen; nicht einmal zwanzig bekommen das Maximum an Voten.Im Brief heisst es, das FIS-Budget sei dem Council, dem höchsten Gremium des Verbandes, zuletzt weniger als 24 Stunden vor dem letzten Meeting vorgelegt worden. Es ist einer der herausgehobenen Punkte des Briefes, aber auch ein wiederkehrendes Thema in vielen Gesprächen. Eliasch informiere unvollständig oder verzögert, lasse den Involvierten kaum Zeit, sich mit der Materie auseinanderzusetzen – so wie es ihre Aufgabe wäre. Es soll zahlreiche mündliche und schriftliche Versuche gegeben haben, mit der gegenwärtigen Führung des Verbandes konstruktiv zu reden und Lösungen zu finden. Dies habe aber zu keiner Verbesserung der Lage geführt. Der Name Johan Eliasch fällt im Brief nie.Die bevorstehenden Wahlen seien deshalb eine «wichtige Gelegenheit, um Vertrauen, Zusammenarbeit und langfristige Stabilität innerhalb der FIS» zu stärken. An den Wahlen treten vier Gegenkandidatinnen und -kandidaten an: Anna Harboe Falkenberg aus Dänemark, Victoria Gosling aus Grossbritannien, Alexander Ospelt aus Liechtenstein und Dexter Paine aus den USA. Eher überraschend ist, dass alle vier den ersten Cut geschafft haben und vom Wahlkomitee zugelassen wurden. Eliaschs Gegner haben sich im Vorfeld bewusst breit aufgestellt.«Die Gesamtsituation ist inakzeptabel», sagt der Co-CEO von Swiss SkiFür Swiss Ski unterzeichneten den Brief der Präsident Peter Barandun sowie der Co-CEO Diego Züger. Gegenüber der NZZ betont Züger noch einmal die Haltung des Verbandes: «Johan Eliasch hat das Vertrauen zahlreicher nationaler Verbände verspielt. Die finanzielle Situation der FIS ist besorgniserregend. Governance, Transparenz und Kommunikation sind so mangelhaft, dass die Gesamtsituation für immer mehr Verbände inakzeptabel ist.» Swiss Ski sehe in der Präsidentschaftswahl am 11. Juni eine grosse Chance auf Veränderung und auf eine Wende zum Guten.Die vier Kandidatinnen und Kandidaten schätzt Züger als «hochangesehene Persönlichkeiten» ein. «Das gemeinsame Ziel ist es, sich hinter der aussichtsreichsten Kandidatur zu vereinen und Eliasch aus dem Amt zu drängen.» Einiges deutet darauf hin, dass die Wahl auf Ospelt fallen wird. Der Rechtsanwalt war bis 2023 Präsident des liechtensteinischen Ski-Verbandes und ist seit 2024 Mitglied des FIS-Vorstandes. Eine potenziell neue Präsidentin oder ein neuer Präsident wird in der ersten Zeit jedenfalls einiges an Vertrauen zu den Verbänden aufbauen müssen, damit der Weltverband seine drängenden Probleme anpacken kann.Verbesserungen hatte man sich eigentlich schon von Eliasch erhofft, als sich der Besitzer des Sportartikelunternehmens Head bei der Wahl 2021 überraschend gegen den Schweizer Urs Lehmann durchgesetzt hatte. Damals war der langjährige Präsident Gian Franco Kasper vorzeitig abgetreten. Doch bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit erzürnte Eliasch viele Verbände derart, dass es an der regulären Wahl 2022 zu einem Putschversuch kam, an dem auch Swiss Ski beteiligt war. Die Palastrevolution scheiterte jedoch.Die FIS antwortete auf die Anfrage der NZZ, zu den Vorwürfen der Gegner Stellung zu nehmen, wie schon in der Vorwoche nicht. Eliasch bleibt noch still. Das dürfte sich in der heissen Phase des Wahlkampfs ändern.Passend zum Artikel