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Das politische Berlin ist enttäuscht: Außenminister Johann Wadephul sprach von einer „herben Niederlage“, Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte demonstrativ fair den erfolgreichen Bewerbern Österreich und Portugal. Nicht Fußball war in WM-Zeiten der Grund für tiefe Niedergeschlagenheit, sondern Deutschlands Scheitern bei der Wahl für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – zum ersten Mal überhaupt. Dieses Ereignis reiht sich ein in eine Kette von politischen und wirtschaftlichen Rückschlägen der letzten Jahre.

Die Ergebnisse des Wahlgangs waren eindeutig. Für die notwendige Zweidrittelmehrheit wären 127 Stimmen erforderlich gewesen. Portugal erhielt 134 Stimmen, Österreich 131. Deutschland kam lediglich auf 104 Stimmen und schied bereits in der ersten Runde aus.

Nun wäre dies in der Vergangenheit als diplomatischer Betriebsunfall betrachtet worden. Man hätte auf die geheime Abstimmung verwiesen und darauf, dass die Wahl eines nichtständigen Sitzes letztlich nur begrenzte praktische Auswirkungen besitzt. Doch eine solche Betrachtung greift zu kurz, denn immer stärker werfen derartige Entwicklungen grundsätzliche Fragen auf: Wie wird Deutschland international wahrgenommen? Welche Rolle beansprucht die Bundesrepublik für sich selbst? Und stimmt dieses Selbstbild überhaupt noch mit der Wahrnehmung anderer Staaten überein?